Das Oberstufenzentrum 1 in der Jägerallee Foto: Andreas Klaer
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Widerstand gegen Schulkompromiss Potsdams Wirtschaft will Oberstufenzentrum 1 retten

Die Industrie- und Handels- sowie die Handwerkskammer machen mobil gegen den von der Stadtpolitik kurzfristig ausgehandelten Schulkompromiss.

Gegen den maßgeblich von SPD-Politikern ins Spiel gebrachten Kompromiss für neue Schulen in Potsdams Norden wird der Widerstand immer größer. Am Freitag kritisierten die Industrie- und Handels- (IHK) sowie die Handwerkskammer mit scharfen Worte die Schließungspläne für das Oberstufenzentrum (OSZ) in der Jägerallee. So würde gerade der Fachkräftemangel weiter verschärft, lautete die Kritik unisono. Beide Kammern vertreten tausende Betriebe in der Region.

"Nicht diskutabel"

IHK-Bildungsbereichschef Wolfgang Spieß erklärte auf PNN-Anfrage: „Das Oberstufenzentrum 1 ist für uns nicht diskutabel.“ Die Ausbildungszahlen würden wieder steigen und „Fachleute werden gebraucht“. So werde der Mangel an ausgebildetem Personal von Brandenburgs Unternehmen als größtes Risiko für die hiesige Wirtschaft eingeschätzt. Eine „Studie zur Situation der öffentlichen beruflichen Schulen und der Rahmenbedingungen für ihre künftige Entwicklung im Land Brandenburg“ vom April 2019 habe erbracht, dass alle Standorte in Mark „erhalten bleiben, womöglich noch sichtbarer gemacht werden und die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung betont werden sollen“. Die Wirtschaft setze auf die Verlässlichkeit solche Aussagen, betonte der IHK-Mann: „Denn schließlich sorgen wir im Land für Ausbildung, Arbeit und damit Wohlstand.“

Die Kammern verweisen auf eine Studie

Auch Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, ist verärgert: „Mit großen Anstrengungen werben unsere Betriebe seit Jahren für die duale Ausbildung, um die Fachkräftebasis zu sichern. Und nun erfährt man von den Schließungsabsichten der Berufsschule aus der Zeitung.“ Für die Attraktivität der dualen Ausbildung wäre das ein herber Rückschlag – zumal die Auszubildenden auch aus anderen Regionen Brandenburgs an das OSZ 1 kämen. Auch Büring verwies auf besagte Ministeriumsstudie zum Erhalt der OSZs. „Wir fordern, dass Wort gehalten wird und die berufliche Bildung in Potsdam gesichert bleibt.“

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Wolfgang Spieß © IHK Potsdam

Dagegen hatte das dem Ministerium unterstellte Schulamt in Brandenburg (Havel) zuletzt aufgrund zurückgehender Schülerzahlen am OSZ dessen perspektivische Umwidmung in ein Gymnasium empfohlen. Das hatten SPD-Vertreter als Hauptargument für einen möglichen Kompromiss im Streit um eine Gesamtschule oder ein Gymnasium am Standort Pappelallee genutzt, zumal zuletzt auch der Bruch der rot-grün-roten Rathauskooperation gedroht hatte. Denn für beide Schulformen stünden nun zwei innenstadtnahe Plätze zur Verfügung, so das Kalkül der Politiker, die das auch vorbei an Bildungsdezernentin Noosha Aubel (parteilos) durchsetzten. Zudem müsste die schon bestehende Gesamtschule „Am Schloss“ so nicht nach Krampnitz umziehen, so die Idee – aber eben auf Kosten des OSZ. Eine Sondersitzung des Stadtparlaments am 23. Juni soll eine Entscheidung bringen.

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