Wertpapiere für die Garnisonkirche Bereits 90 000 Euro durch neues Finanzmodell

Innenstadt - Die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche wird bei der Suche nach neuen Spendern zunehmend kreativ: Potenzielle Geldgeber können sich jetzt auch mit sogenannten Zeichnungsscheinen zur Zahlung einer frei gewählten Summe verpflichten. Das Geld müssen sie aber nur dann zahlen, wenn es zum Baustart kommt – eine Methode, die unter dem Namen „Crowdfunding“ im Internet unter anderem zur Finanzierung für Kreativprojekte üblich geworden ist.

Seit Start der Aktion für die Garnisonkirche Mitte Dezember seien Spenden-Versprechen in Höhe von gut 90 000 Euro gezeichnet worden, sagte Burkhart Franck, der Vorsitzende der Fördergesellschaft, am Donnerstagabend. Er sprach zum Neujahrsempfang der Fördergesellschaft in der Nagelkreuzkapelle in der Breiten Straße. Franck sagte, das Ziel für 2015 sei der Baubeginn für den ersten Bauabschnitt – den Turm sowie die Seitenflügel der Kirche. Allerdings seien derzeit erst rund 20 der erforderlichen 40 Millionen Euro Spendengelder vorhanden, räumte er ein. Das könne nur mit neuen Großspendern gestemmt werden, so Franck. „Großspender lassen sich aber eher ermutigen, wenn es viele Kleinspender gibt.“

Die Fördergesellschaft halte gemäß ihrer Satzung am Wiederaufbau der gesamten Kirche fest, wie Franck betonte: „Wir wollen den Wiederaufbau der vollständigen Garnisonkirche mit Turm, Seitenflügeln und Kirchenschiff in originaler Architektur und unter dem Namen Garnisonkirche.“ Das ist eine klare Absage an den Kompromissvorschlag von Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der vor dem Hintergrund des anhaltenden Widerstands gegen das Projekt im vergangenen Jahr angeregt hatte, nur den Turm wieder aufzubauen und die Kirche künftig „Heiligkreuzkirche“ zu nennen.

Auch Nagelkreuz-Aktivist Paul Oestreicher, der sich nach zehn Jahren jetzt aus Altersgründen aus dem Projekt zurückzieht, hatte wie berichtet zuletzt eine Beschränkung auf den Turm befürwortet. Ablehnend äußerte sich Franck auch zum Vorschlag für ein „Gerüst der Erinnerung“ anstelle der Kirche, den der Berliner Architekt Frank Augustin jüngst gemacht hat. Der moderne Nachbau des Turmes der Heiliggeistkirche in der Burgstraße sei „mahnendes Beispiel für einen Aufbau, wie wir ihn nicht wollen“, sagte Franck mit Verweis auf die dort entstandene Seniorenresidenz.

Rückenwind erhält Stolpes Nur-derTurm-Variante dagegen im Zuge der geplanten Nutzung des eigentlich für den Abriss vorgesehenen Rechenzentrums für Künstler und Musiker. Diese Initiative hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in dieser Woche verkündet. Demnach kann der Verwaltungsteil des Hauses solange als Künstlerrefugium genutzt werden, bis der noch nicht absehbare Bau des Kirchenschiffs der Garnisonkirche ansteht. Die Bürgerinitiative gegen den Wiederaufbau hat bereits erklärt: „Wir versprechen, dass wir dafür sorgen werden, dass die Kultur nicht der Garnisonkirche wieder weichen muss.“ jaha/HK

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