Die Kläranlage Potsdam Nord soll bis 2022 erweitert werden. Foto: Sebastian Gabsch
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Wachsende Stadt Millioneninvestitionen in Potsdams Wasserversorgung

Trotz Wachstums ist Potsdams Wasserversorgung bis mindestens 2035 gesichert, sagt die EWP. Bis dahin muss aber noch viel Geld ausgegeben werden - und das müssen auch die Kunden bezahlen.

Potsdam - Monatelange Hitze, anhaltende Trockenheit und als Folge ein Wasserverbrauch weit über dem Durchschnitt: Der Rekordsommer 2018 hat auch Potsdams kommunalen Wasserversorger, die Stadtwerke-Tochter EWP, vor enorme Herausforderungen gestellt. Um die Wasserversorgung der schnell wachsenden Stadt zu sichern, sind weiterhin Investitionen in Millionenhöhe nötig. Am gestrigen Donnerstag hat die EWP ihren Fahrplan für die nächsten fünf Jahre vorgestellt und einen Ausblick bis 2035 gegeben. Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ist Potsdams Wasserversorgung sicher?

Ja, und zwar bis „weit über 2035 hinaus“, sagte André Lehmann, Hauptabteilungsleiter Wassertechnik bei der EWP. Selbst unter Berücksichtigung der letzten Bevölkerungsprognose, wonach Potsdam im Jahr 2035 rund 220 000 Einwohner hat, reichten die bis dahin geplanten zusätzlichen Kapazitäten sogar mit einem gewissen Puffer aus, so Lehmann. Gesichert sei auch die Versorgung von angrenzenden Orten wie Caputh, Geltow, Michendorf und Bergholz-Rehbrücke, die Potsdam ebenfalls versorgt. Auch hier sei deren voraussichtliches Wachstum mit berücksichtigt, sagte Lehmann. Für Potsdam rechnet die EWP bis 2035 mit einem leichten Anstieg des durchschnittlichen Wasserverbrauchs auf rund 120 Liter pro Kopf und Tag. Die Prognose schließe auch voraussichtliche klimatische Entwicklungen mit ein, so Lehmann. Man arbeite dafür eng mit dem renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zusammen, das aktuelle Daten und Vorhersagen liefere. Aktuell seien die fünf Potsdamer Wasserwerke nur zu 80 Prozent ausgelastet, sagte Interims-Tiefbauchef Thomas Schenke. 

Wie hoch ist der Investitionsbedarf? 

Immens. Allein in den nächsten fünf Jahren, bis Ende 2023, gibt die EWP rund 138 Millionen Euro aus, um die technischen Anlagen fit zu machen. Allein knapp 100 Millionen Euro davon werden in Erneuerung, Instandsetzung und Ausbau der Abwasseranlagen investiert. Der Rest entfällt auf Anlagen der Trinkwasserversorgung. Wie viel darüber hinaus noch aufgebracht werden muss, ist noch unklar, weil die EWP ihren Investitionsbedarf jeweils in Fünfjahrpläne gießt. Doch auch danach ist wohl mit dreistelligen Millionenbeträgen zu rechnen.

Wofür wird das Geld konkret ausgegeben?

Die Liste ist lang. Ein Investitionsschwerpunkt ist naturgemäß der am schnellsten wachsende Norden der Stadt. So werden insgesamt rund 30 Millionen Euro für die Erweiterung der Kläranlagen Nord und Satzkorn ausgegeben. Letztere soll danach ihre Kapazität verdreifacht haben und auch die Abwässer des künftigen Stadtteils Krampnitz reinigen. Weitere rund 11,5 Millionen Euro kostet die Anbindung von Krampnitz ans Trink- und Abwassernetz. In etwa ebenso viel wird in den Bau einer zweiten Leitung vom Hauptpumpwerk in der Babelsberger Gartenstraße zur A115 gesteckt. Bislang werde der gesamte Süden Potsdams über nur eine Leitung entwässert, erklärte Lehmann. Eine zweite sei aus diesem Grund dringend erforderlich. Eine weitere neue Abwasserleitung wird von Groß Glienicke über Krampnitz nach Satzkorn verlegt. Diese soll etwa neun Millionen Euro kosten. 

In welchem Zustand ist das Leitungsnetz? 

Hier gibt es noch viel zu tun. Vom 678 Kilometer langen Trinkwasserhauptleitungsnetz sind nach EWP-Angaben noch 15 Prozent aus Stahl. Diese teils mehr als 100 Jahre alten Leitungen seien stark rohrbuchgefährdet. Ein großer Teil davon liegt im nördlichen Babelsberg unter der Erde. Erneuert werden sollen die Leitungen in der Karl-Liebknecht-Straße, aber nicht vor 2021. Auch die Rohre in der Brunnensiedlung in den Ravensbergen werden bis 2023 ausgetauscht. Noch sanierungsbedürftiger ist das 641 Kilometer lange Schmutzwasserleitungsnetz. Bis 2023 sollen vor allem in Potsdam-West entsprechende Alt-Leitungen erneuert werden. Doch die kontinuierlichen Sanierungsarbeiten zeigen Wirkung: Statt 140 Rohrbrüchen im Jahr 2006 sind es aktuell jährlich nur noch etwa 50. 

Das Trinkwasser in Potsdam wird teurer, sagt der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos). Foto: Landeshauptstadt Potsdam Vergrößern
Das Trinkwasser in Potsdam wird teurer, sagt der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos). © Landeshauptstadt Potsdam

Wird das Wasser teurer?

Ja. Die gewaltigen Investitionen machten Gebührenerhöhungen notwendig, sagte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos). In zwei Stufen sollen die Gebühren 2021/22 und 2022/23 voraussichtlich um „jeweils ein bis drei Prozent“ steigen, sagte Tiefbau-Chef Schenke. Zum letzten Mal wurden die Preise im Jahr 2012 erhöht. Derzeit kostet ein Kubikmeter Trinkwasser 2,25 Euro, die gleiche Menge an Abwasser schlägt mit 3,92 Euro zu Buche. Potsdams Wasserpreise gehören schon jetzt zu den höchsten in Deutschland – laut den Stadtwerken unter anderem wegen weiter Leitungswege und geringem Verbrauch. Zudem sind die hohen Preise auch Folge der wieder zurückgenommenen Teilprivatisierung des kommunalen Wasserbetriebs in den 1990er-Jahren. Die Rekommunalisierung war mit hohen Entschädigungszahlungen an das Unternehmen Eurawasser verbunden – hat aber aus Sicht der Stadt noch höhere Wasserpreise verhindert.

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