Im Potsdam Museum findet die Gedenkveranstaltung der Stadt zur Nacht von Potsdam statt. Foto: Andreas Klaer
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Vor 74 Jahren Gedenken an die Nacht von Potsdam

1600 Menschen starben in der Nacht von Potsdam, die sich nun zum 74. Mal jährt. Am Sonntag finden die Gedenkveranstaltungen statt.

Potsdam - In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 fielen die Bomben, 1600 Potsdamer starben in der Nacht von Potsdam, die sich am Sonntag zum 74. Mal jährt. Zum Gedenken wird Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Sonntag um 20.30 Uhr eine Rede im Potsdam Museum halten. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Berliner Kontrabassisten Jaspar Libuda. Der Eintritt ist frei. 

Glocken der Potsdamer Kirchen werden um 22.16 Uhr läuten

Um 22.16 Uhr werden in Erinnerung an den Abwurf der ersten Markierungsbomben die Glocken Potsdamer Kirchen läuten. Geladen ist auch die Zeitzeugin Maria von Pawelsz-Wolf, die über ihre Erlebnisse berichten wird. Auch in der Nikolaikirche wird erinnert: Dort wird Schubert um 18 Uhr ein Grußwort halten, danach wird Julius Schoeps vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien im Gespräch mit Olaf Glöckner über die Zeit von 1933 bis 1935 in Deutschland sprechen.

724 Flugzeuge griffen bei der sogenannten Aktion „Crayfish“ (Flusskrebs) Potsdam 1945 an, der Befehl zum britischen Bombenabwurf erfolgte um 22.39 Uhr am Samstagabend, nur 20 Minuten später stand Potsdams Stadtmitte lichterloh in Flammen. Bis dahin war die Stadt von Angriffen der Alliierten weitgehend verschont geblieben. Dann allerdings wurde der Thunderclap-Plan entwickelt, den der inzwischen verstorbene Historiker Hans-Werner Mihan in seinem 1997 erschienenen Buch „Die Nacht von Potsdam“ beschreibt. Der Plan zur Auslöschung deutscher Städte mittels Großangriffen aus der Luft wurde von dem Briten Sidney Bufton entwickelt, Direktor der britischen Bomber-Operation. Auf der von Bufton erstellten Liste landete Potsdam unter dem Codenamen „Crayfish“ auf Platz acht.

37 Minuten später lag Potsdam in Trümmern

Der Luftalarm in Potsdam wurde um 22.15 Uhr ausgelöst, der endgültige Befehl zum Abwurf der Bomben wurde um 22.39 Uhr gegeben. Nur eine Minute später wurde die erste Bombe abgeworfen, 37 Minuten später lag Potsdam in Trümmern – die Garnisonkirche, das Stadtschloss, der Palast Barberini und das Alte Rathaus in der Innenstadt sind zerstört, ebenso das Bahnhofsareal.

Im Vorfeld der geplanten Gedenkveranstaltung am Sonntag hatte es wie berichtet Kritik von der evangelischen Landeskirche gegeben, weil am gleichen Tag das Tulpenfest im Holländischen Viertel stattfindet und die Geschäfte dafür sonntags öffnen dürfen. Die Verordnung für die Sonntagsöffnung hatten die Stadtverordneten Anfang April beschlossen. Die Landeskirche hatte die Verknüpfung des Gedenktags mit dem Tulpenfest und zusätzlich dem verkaufsoffenen Sonntag als „ausgesprochen unglücklich“ kritisiert. Die Fest-Veranstalter hatten eingeräumt, dass ihnen das heikle Datum bei der Terminfindung nicht bewusst gewesen sei. 

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