Ab Donnerstag, dem 15. Juli, wird die Behlertstraße für anderthalb Jahre zur Dauerbaustelle. Foto: Andreas Klaer
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Vollsperrung der Behlertstraße „Es wird Stau geben“

Ab Donnerstag wird es für Auto- und Radfahrer in Potsdam ernst. Für eineinhalb Jahre wird die Behlertstraße voll gesperrt. Ein Überblick über Umleitungen, Bauabschnitte und die Parksituation.

Potsdam - Nun wird es ernst: Ab dem 15. Juli um 9 Uhr ist die zweispurige Behlertstraße zwischen Berliner Straße und Mangerstraße vollgesperrt, bereits ab dem heutigen Dienstag wird die Umleitung eingerichtet. Eineinhalb Jahre wird die Sperrung dauern, bei der die Straße von Grund auf saniert wird, vor allem die unter ihr liegenden Wasserleitungen müssen erneuert werden.

Die Umleitungen

Die Umleitung in Richtung Norden erfolgt über die Hans-Thoma-Straße, ausgenommen der Schwerverkehr, der über die Berliner Straße umgeleitet wird. Richtung Zentrum erfolgt die Umleitung über die Französische Straße und die Hebbelstraße. Das Behördengelände östlich der Behlertstraße wird die ganze Zeit über erreichbar sein, auch Feuerwehr und Rettungsdienst haben stets Zufahrt. „Wir haben versucht, die Umleitungen so leistungsfähig wie möglich zu machen“, sagt Andreas Olm vom Bereich Verkehrssteuerung. Deshalb werde es von der Hans-Thoma- Straße aus keine Möglichkeit zum Linksabbiegen in die Gutenberg-Straße und die Kurfürstenstraße geben, um zu verhindern, dass diese Strecken als Umgehung genutzt werden. Auch der Radverkehr wird umgeleitet: In Richtung Norden über die Otto-Nagel-Straße und die Mangerstraße, in Richtung Zentrum über Hans-Thoma-Straße und Gutenbergstraße. Olm ist sich sicher: „Es wird Stau geben.“ Er bittet, die Behlertstraße weiträumig zu umfahren und die zahlreichen Park-and-Ride-Plätze rund um die Stadt zu nutzen, Martina Woiwode, Bereichsleiterin Verkehrsanlagen, weist insbesondere auf den Platz an der Wetzlarer Straße hin, wo es 80 Parkplätze gibt: „Hier kann man gut auf Bus oder Tram umsteigen und kommt so in den Potsdamer Norden, ohne über die Nuthestraße zu fahren.“

Was muss saniert werden?

Die Wasser-, Strom und Gas-Leitungen unter der Behlertstraße sind genauso alt, wie die anliegenden Wohnhäuser, also rund hundert Jahre. „Da muss eigentlich alles neu gemacht werden“, sagt Patrick Gericke von der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP), der die Bauleitung für den unterirdischen Teil der Straße übernimmt. „Das Ziel ist, dass wir danach mindestens 20 Jahre Ruhe haben.“ Mehrere Havarien hatten in jüngster Vergangenheit immer wieder zu kurzfristigen Sperrungen der Straße geführt. Am anspruchsvollsten wird die Erneuerung der Wasserleitungen, denn dazu muss die EWP bis in 4,50 Metern Tiefe graben und das Grundwasser absenken.

Neu verlegt wird eine Regenwasserleitung mit 60 Zentimetern, eine Leitung für Schmutzwasser mit 20 Zentimetern Durchmesser und zwei Rohre für Trinkwasser mit je zehn Zentimetern Durchmesser. „Aufgrund der zunehmenden Starkregenereignisse und der dadurch entstehenden Wassermengen müssen wir die Regenwasser-Leitung vergrößern, an einigen Stellen hat sie derzeit nur 40 Zentimeter Durchmesser“, so Gericke. Leichter sind die Strom-Leitungen zu sanieren, sie liegen in etwa 1,25 Metern Tiefe. Ebenfalls neu gebaut werden Trassen für die Kabel von insgesamt fünf Telekommunikationsanbietern.

Noch im Februar gab es einen Wasserrohrbruch unter der Behlertstraße. Foto: Kay Grimmer Vergrößern
Noch im Februar gab es einen Wasserrohrbruch unter der Behlertstraße. © Kay Grimmer

Wie wird die Straße neu aufgeteilt?

Während die EWP die Arbeiten im Untergrund übernimmt, kümmert sich die Stadtverwaltung um die oberirdische Neuordnung: „Der Belag ist problematisch“, sagt Martina Woiwode. An vielen Stellen ziehen sich Risse durch die Straße, die sich in Zukunft zu Schlaglöchern auswachsen können; täglich sind rund 20 000 Fahrzeuge auf der Behlertstraße unterwegs. Auch die Arbeiten an den Leitungen haben auf der immer wieder geöffneten und dann verschlossenen Fahrbahn ihre Spuren hinterlassen.

Nach der Sanierung wird der Radweg auf 1,50 Meter verbreitert, die dazu nötigen 40 Zentimeter werden vom Gehweg weggenommen. Statt der Abflussgitter, die sich derzeit auf dem Radweg befinden, sollen neue Abflüsse seitlich im Bordstein eingebaut werden. Das sei zum einem angenehmer und sicherer für die Radfahrer:innen, zum anderen würden die Abläufe weniger schnell mit Laub verstopfen, sagt Suzanne Kluge, Bauleiterin der Stadtverwaltung. Die Baumfällungen sollen durch 18 Neupflanzungen von Linden an der Straße kompensiert werden, zudem soll die dreieckige Grünfläche zwischen Behlert- und Gutenbergstraße neugestaltet werden, auch hier sind Baumpflanzungen geplant.

Der Radweg soll etwas breiter werden, auf Kosten des Gehwegs, der schmaler wird. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Der Radweg soll etwas breiter werden, auf Kosten des Gehwegs, der schmaler wird. © Andreas Klaer

Zeitplan der Bauabschnitte

Die Maßnahme erfolgen in zwei Abschnitten: Der erste ist rund 250 Meter lang und reicht von der Berliner Straße bis zur Behlertstraße 35. In diesem Abschnitt liegen die meisten Anliegerwohnungen, bis Mai 2022 soll er abgeschlossen sein. Der zweite Abschnitt umfasst rund 150 Meter bis zur Mangerstraße und soll Ende 2022 fertiggestellt sein.

Vor allem für Radfahrer wurde es bislang oftmals eng auf der Behlertstraße. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Vor allem für Radfahrer wurde es bislang oftmals eng auf der Behlertstraße. © Andreas Klaer

Die Parksituation

Durch die Bauarbeiten können Anwohner:innen im entsprechenden Bauabschnitt nur zwischen 17 und 7 Uhr mit dem PKW in die Innenhöfe ein- oder ausfahren. Eine Anwohner:innen-Initiative hatte dies kritisiert und Ausweichparkplätze gefordert. Etwa ein knappes Dutzend Ausweichparkplätze werden auf dem Bürgersteig vor der Karriereberatung der Bundeswehr Potsdam eingerichtet, weitere Ausweichparkplätze wird es nicht geben. Die Stadt habe den Kommunalen Immobilienservice und die Schiffbauergasse als benachbarte Grundstückseigner gefragt, sagt Martina Woiwode, aber dort habe es keine Kapazitäten für Ausweichparkplätze gegeben.

Eine Möglichkeit, die Mobilität der Anwohner:innen weniger einzuschränken, wäre eine Aufteilung der Baumaßnahme in mehrere kleine Bauabschnitte gewesen. Dies habe man jedoch verworfen, sagt Tristan Grüttner von der EWP: „Wenn wir das machen würden, bräuchten wir mindestens ein dreiviertel Jahr länger für die Maßnahme.“

Hinweis: Wir haben die Angaben zur Größe der neuen Rohre korrigiert; diese sind in Millimetern erfolgt, statt in Zentimetern. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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