Gastronom Josef Laggner will in den Innenräumen des Bürgerbahnhof und seiner anderen Lokale nur noch Geimpfte und Genesene bewirten. Foto: Ottmar Winter PNN
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Ungeimpfte bleiben draußen 2G in Laggners Potsdamer Restaurants

Der Gastronom lässt nur Geimpfte oder Genesene in Innenräume. Auch Babelsberg 03 prüft ein Hybridmodell. Und Katarina Witt setzt weiter auf 3G.

Potsdam - In mehreren Potsdamer Restaurants können Ungeimpfte künftig nicht mehr in Innenräumen essen und trinken. Der Gastronom Josef Laggner will die sogenannte 2G-Regel für die Innenbereiche seiner vier Potsdamer Restaurants einführen – und zwar ab sofort, wie er den PNN am Montag auf Anfrage sagte. Die Innenräume wären also nur noch für Geimpfte oder maximal ein halbes Jahr Corona-Genesene zugänglich – Ungeimpfte müssten draußen sitzen, sagte er. Er wolle nicht für Ansteckungen in seinen Lokalitäten verantwortlich sein, begründete Laggner diese Haltung – und es dürfe nicht noch einmal die Situation entstehen, dass seine gastronomischen Einrichtungen schließen müssten.

Der Großgastronom betreibt in Potsdam das „Kongsnaes“ an der Schwanenallee, das „Augustiner“ in der Mittelstraße sowie den neu eröffneten „Bürgerbahnhof“ am Park Sanssouci und das Krongut Bornstedt. Für sein geplantes Oktoberfest in der Berliner „Fischerhütte“ am Schlachtensee hat der Gastronom bereits angekündigt, nur noch Geimpfte einzulassen – anders sei so ein Fest mit viel Bier und engem Zusammensein nicht sicher zu organisieren. Auch wenn nachweisen könne, genesen zu sein, sei ihm die Gefahr hier zu groß. „Wer sich nicht impfen lässt, muss mit Einschränkungen leben“, sagte Laggner. In den sozialen Medien wurde diese Haltung gelobt, von Impfgegnern aber heftig kritisiert.

Landesregierung berät neue Regeln

Wie berichtet will die brandenburgische Landesregierung am heutigen Dienstag über die Einführung des sogenannten 2G-Modells für den Zugang zu bestimmten Innenräumen beraten. Wie aus einem Entwurf hervorgeht, soll es Veranstaltern und Einrichtungen ermöglicht werden, ausschließlich Geimpften oder Genesenen und Kindern bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr Zutritt zu gewähren. Dafür entfielen einzelne Vorgaben zum Infektionsschutz. Betreiber und Veranstalter, die die 2G-Regelung anwenden wollen, müssten dies an die Gesundheitsämter melden.

Jörg Frankenhäuser, Chef des Kochzimmers  Foto: promo Vergrößern
Jörg Frankenhäuser, Chef des Kochzimmers  © promo

Weiter ist man im „Kochzimmer“ am Neuen Markt. Schon seit der vergangenen Woche gilt dort die 2G-Bestimmung. Wer über die Webseite des Sterne-Restaurants einen Tisch reserviert, stimmt der Regel zu. „Wir können es uns nicht leisten, dass sich jemand bei uns ansteckt“, sagt Chef Jörg Frankenhäuser den PNN. Bei 2G gehe es schließlich auch um den Schutz der Ungeimpften. „Die Intensivstationen dürfen in diesem Herbst nicht wieder so belastet werden.“ 

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Aber natürlich gebe es auch wirtschaftliche Gründe. „Am wichtigsten ist, dass wir weiter offen bleiben können“, sagt Frankenhäuser. Die Pläne des Landes begrüße man daher. „Wir möchten unsere Plätze wieder voll besetzten.“ Für die meisten Gäste dürfte 2G im „Kochzimmer“ ohnehin kein großes Thema sein. In den vergangenen Monaten habe man die Nachweise der Gäste konsequent kontrolliert. Bis auf zwei seien alle geimpft gewesen. „Kinder können weiterhin getestet kommen.“


René Dost ist bei 2G skeptisch Foto: Carsten Holm Vergrößern
René Dost ist bei 2G skeptisch © Carsten Holm

Andere Gastronomen halten wenig von 2G, etwa René Dost, der 16 Restaurants in Berlin und Brandenburg betreibt, unter anderem das bekannte Café Heider oder das Sombredo am Nauener Tor. Dort würden die Gäste abgefragt, ob sie getestet, geimpft oder genesen seien. „Darüber hinaus gehen wir nicht, solange 2G keine gesetzliche Pflicht ist.“ So ein Modell würde auch langjährige Mitarbeiter betreffen – ein Schnelltest vor Dienstbeginn würde dann nicht mehr reichen. „Dabei herrscht in der Branche schon Personalnot“, sagte Dost. Aus seiner Sicht gehe die Debatte auch an der Realität vorbei, der überwiegende Teil seiner Kundschaft habe bereits einen Impfnachweis. „Und ich möchte nicht der Handlanger dafür sein, dass noch mehr Menschen geimpft werden – das sollte jeder für sich entscheiden können“, sagt Dost.

2G für Erwachsene beim Pokalspiel gegen Leipzig

Wie berichtet beschäftigen sich auch Potsdamer Veranstalter und Kultureinrichtungen mit der 2G-Frage. Allerdings war die Haltung dazu uneinheitlich. Beim Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 sieht man 2G als Chance auf eine höhere Stadionauslastung beim DFB-Pokalspiel am 26. Oktober gegen Bundesliga-Vizemeister RB Leipzig. Der Verein prüfe derzeit die Möglichkeit, das Spiel als Hybridveranstaltung abzuhalten: Für Erwachse würde dann 2G gelten, für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre 3G.

Katarina Witt will Getestete nicht ausschließen Foto: Jens Kalaene/dpa Vergrößern
Katarina Witt will Getestete nicht ausschließen © Jens Kalaene/dpa

Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt, die in Potsdam das Sportstudio „Kurvenstar“ betreibt, setzt hingegen weiter auf 3G. „In einem Restaurant wird es nie richtig gemütlich, wenn man versucht, sich mit vorgeschriebenen Abstand romantisch zuzuprosten“, teilte Witt auf PNN-Anfrage mit. „Und in Konzerten oder Theatern gibt es überhaupt keine Stimmung, wenn kollektive Emotionen durch räumliche Stuhlreihen-Distanz abgewürgt werden.“ Aus diesem Grund müsse jedes Unternehmen in seiner Branche für sich die richtige Entscheidung treffen, um wirtschaftlich zu überleben. 

„Ich persönlich bin freiwillig zweimal geimpft.“ Aus grundsätzlichem Respekt vor der Entscheidung Einzelner, werde sie die 2G-Regel in ihrem „Kurvenstar“-Sportstudio jedoch nicht einführen. „Bedauerlicherweise wird bei 1G, 2G oder 3G immer das vierte G ignoriert. Dies steht nämlich für gesund.“ Denjenigen, die durch Sport ihr Immunsystem und somit ihre natürlichen Abwehrkräfte stärken wollen, stehe ihre Tür offen. „Selbstverständlich trainieren sie bei uns verantwortungsvoll, mit dem G für getestet“, sagt Witt. 

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