"Tschick" Regisseur Fatih Akin, Anand Batbileg (Tschick), Mercedes Müller, Tristan Göbel, (v.l.) Foto: Manfred Thomas
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"Tschick" mit Babelsberger Filmgymnasiast Tristan Göbel Ab in die Walachei

Der Babelsberger Filmgymnasiast Tristan Göbel spielt die Hauptrolle in Fatih Akins Film „Tschick“.

Zu klein und zu jung. So lautete das erste Urteil von Regisseur Fatih Akin zu Schauspieler Tristan Göbel beim Casting für die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs Erfolgsroman „Tschick“. Dass der Babelsberger Filmgymnasiast dann doch eine der beiden Hauptrollen spielen durfte, hat er letztendlich nur einem zu verdanken: seinem herausragenden schauspielerischen Talent. So zumindest sagte es Akin in einem Interview am vergangenen Montag in Berlin. „Ich habe viele Jungs gesehen und dann irgendwann gesagt: Nimm den besten Schauspieler.“ Eine naheliegende Entscheidung, schließlich muss der 14-Jährige gemeinsam mit Kollege Anand Batbileg fast den gesamten Film tragen – und das tut er so gut, dass sich die eineinhalbstündige Autofahrt auf der Leinwand wegguckt wie warme Butter. Am heutigen Donnerstag startet „Tschick“ deutschlandweit in den Kinos.

Auf das Ergebnis ist Göbel stolz, wie er den PNN sagte. „Es ist das erste Mal, dass ich mit Jugendlichen in meinem Alter spiele und es war einfach ein richtig gutes Projekt, das unglaublich viel Spaß gemacht hat.“ Dabei ist es bei weitem nicht der erste Film, in dem er mitspielt. Bereits mit dreieinhalb stand er für „Reine Formsache“ von Regisseur Ralf Huettner vor der Kamera. An die Dreharbeiten kann er sich allerdings nicht mehr erinnern. „Der erste Film, bei dem ich bewusst dabei war, ist ‚Westen’ von Christian Schwochow“, erzählt Göbel, der unter anderem auch in Philipp Stölzls „Goethe!“ mit Alexander Fehling in der Hauptrolle mitwirkte. In Akins „Tschick“ verkörpert er nun die Hauptfigur Maik Klingenberg, ein Junge, der in der Schule eher ein Außenseiter ist und auch zu Hause mit Problemen zu kämpfen hat. Den Klassenneuling Andrej Tschichatschow (Anand Batbileg), der sich selbst Tschick nennt, kann er eigentlich gar nicht leiden, doch als seine Mutter mal wieder in die Entzugsklinik muss und der Vater mit seiner jungen Assistentin auf „Geschäftsreise“ fährt, ist ihm jede Abwechslung recht.

Kassandra Dreflak vom Filmgymnasium Babelsberg war Komparsin bei "Tschick". Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Kassandra Dreflak vom Filmgymnasium Babelsberg war Komparsin bei "Tschick". © Manfred Thomas

Als Tschick dann mit einem geklauten Lada auftaucht, beginnt eine Reise durch die ostdeutsche Provinz, auf der die Jungen nicht nur der geheimnisvollen Isa (Mercedes Müller), sondern auch einigen anderen merkwürdigen Personen begegnen. Unter anderem auch dem „Adel auf dem Radel“, einer Gruppe junger Adliger, die eine Tour von Gut zu Gut unternehmen. Mit unter den Darstellern: Potsdamerin Kassandra Dreflak. Die 16-Jährige besucht ebenfalls das Filmgymnasium und hat durch die Agentur Filmgesichter den Job als Komparsin in „Tschick“ bekommen. Zwar ist sie nur kurz zu sehen, wie sie einen Tisch deckt (was etwa 15 Mal gedreht werden musste), trotzdem hat ihr der eine Drehtag in Berlin viel Spaß gemacht. „Das war alles relativ entspannt, nur meine Klamotten waren mega spießig“, erzählt sie. Mit Regisseur Akin hatte die Schülerin nicht viel zu tun, sie kann sich aber noch an Anweisungen wie „Esst mehr Käse. Esst mehr Brot“, erinnern.

Gedreht wurde nur im Osten Deutschlands, unter anderem auch in Werder (Havel). Alle Schulszenen am Anfang und Schluss des Films sind an etwa drei Drehtagen am dortigen Ernst-Haeckel-Gymnasium entstanden, das auch im Film noch deutlich erkennbar ist. Etwa an dem Geografie-Raum mit der großen gemalten Erdkugel an der hinteren Wand oder dem Galerieflur mit der Wendeltreppe in der ersten Etage. Gewählt wurde das Gymnasium, weil es von der Optik her gut zu Hellersdorf, Maiks Wohnort im Film, passt, wie Fatih Akin sagte.

Die Geschichte an sich habe ihn schon beim ersten Lesen fasziniert, eine ganz bestimmte Szene gab dann den Anstoß, das Buch verfilmen zu wollen: „Wenn die beiden Jungen im Feld liegen und über Starship Troopers reden; als ich das gelesen habe, habe ich angerufen“, sagt der Regisseur. „Und zwar genau in dem Moment, obwohl ich den Roman noch nicht zu Ende gelesen hatte und habe nur gehofft, dass das Buch auch so super weitergeht.“ Wegen Herrndorfs Krankheit verschoben sich jedoch sämtliche Filmideen, Akin widmete sich seinem Film „The Cut“ und der Absolvent der Filmuni-Babelsberg David Wnendt bekam das Projekt. Aus Termingründen musste Wnendt es aber wieder abgeben und Akin übernahm dann doch. Obwohl er „Tschick“ am Montag als anstrengendsten Dreh von allen bezeichnet, schwärmt er von der Arbeit mit den Jugendlichen. „Die sind noch nicht so verdorben vom Business“, so Akin. „Erwachsene haben oft Allüren und man muss sich fast mehr um sie kümmern als um die Jüngeren.“ Sein Hauptdarsteller Tristan Göbel wiederum erzählt begeistert von der Coolness des Regisseurs, der sehr „kumpelhaft und überhaupt nicht streng“ gewesen sei. „Es ist bisher mein absoluter Lieblingsdreh gewesen“, so Göbel. Ein weiterer Kinofilm ist auch schon abgedreht, erst vergangene Woche kam der Schüler aus Norwegen zurück. Über das Projekt darf er allerdings noch nichts sagen. Dafür verrät er ein anderes Geheimnis: Während der Dreharbeiten zu „Tschick“ musste er Einlagen in den Schuhen tragen – um größer zu wirken.

>>„Tschick“ läuft täglich im Thalia Kino und im UCI Kino in den Bahnhofspassagen

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