Bauer Ernst Ruden auf seinem Roggenacker in Fahrland. Größere Anteile des Getreides vertrocknen. Foto: Andreas Klaer
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Trockenheit in Potsdam Dürre schon im Frühjahr

Verzweifelte Bauern, sterbende Bäume in Schlossparks: Was der fehlende Regen für die Stadt Potsdam bedeutet.

Potsdam - Angesichts der anhaltenden Trockenheit berichten Bauern aus der Region von zunehmenden Problemen. Lutz Kleinert vom Obstgut Marquardt sagte am Mittwoch auf PNN-Anfrage, zwar könne er ein paar Flächen beregnen – der Wassermangel lasse sich damit „aber nicht ausgleichen“. Ohne genügend Wasser würden die Erdbeerpflanzen klein bleiben und Obstbäume generell geschwächt. Sein Betrieb werde die Zusatzkosten für die Beregnung auf die Kunden umlegen müssen, wobei er „sachte“ vorgehen wolle: „Das alles wird eine harte Kiste“, so Kleinert.

Ähnlich äußert sich der Fahrländer Bauer Ernst Ruden junior. Ernteausfälle seien bereits absehbar. Der Roggen auf seinen Feldern fange schon jetzt an, zu verkümmern. Ruden verwies auf die alte Bauernweisheit: „Mai kühl und nass füllt dem Bauern Scheun’ und Fass.“ Aktuell sei es zu warm und noch dazu windig, was für mehr Verdunstung sorge. Dadurch werde sich der Ertrag, wenn nicht kurzfristig viel Regen komme, sehr deutlich vermindern. „Das wird man an den ohnehin steigenden Preisen beim Bäcker noch zusätzlich merken“, so die Prognose von Ruden.

Die Schauer reichen nicht

Ergiebige Niederschläge sind nicht in Sicht. Eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes sagte, in den nächsten Tagen und Wochen werde sich ein Hochdruckgebiet durchsetzen. Die vereinzelt auftretenden Schauer und Gewitter seien nicht in der Lage, die Trockenheit und hohe Waldbrandgefahr zu lindern.

Ein Rapsfeld in Fahrland. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Ein Rapsfeld in Fahrland. © Andreas Klaer

Wie berichtet waren bereits die vergangenen beiden Monate in Potsdam deutlich zu trocken. Im März wurde mit nur etwas mehr als einem Liter Regen pro Quadratmeter ein neuer Negativrekord seit dem Anfang der Wetteraufzeichnungen 1893 aufgestellt. Auch im Mai hat es – bis auf die Schauer am gestrigen Morgen und jetzt in der Nacht – bisher in Potsdam kaum geregnet. Schon jetzt liegt daher zum Beispiel der Wasserstand der Nuthe in Babelsberg nur bei 137 Zentimetern – üblich seien im Mai 21 Zentimeter mehr, teilte das Landesumweltamt in einem Wochenbericht mit.

Sorgen bei der Schlösserstiftung

Mit den Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels hat seit Jahren auch die Schlösserstiftung in ihren Potsdamer Parkanlagen zu kämpfen. Sprecher Frank Kallensee erinnerte an die Dürrejahre seit 2018 und sagte, aktuell sei „der Grundwasserspiegel auf dem Tiefststand, die Böden sind bis in tiefere Schichten ausgetrocknet“. Die Folgen seien eine schwächer ausgeprägte Vegetation auf Wiesen- und Rasenflächen und – „erstmals“ – das Absterben von Altbäumen wie Eichen, Linden oder Nadelbäumen. Hunderte Bäume seien betroffen.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit plant die Schlösserstiftung, die Wasserspiele in den Potsdamer Parks abzustellen. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit plant die Schlösserstiftung, die Wasserspiele in den Potsdamer Parks abzustellen. © Andreas Klaer

Als Gegenmaßnahmen setze die Stiftung zum Beispiel Wassersäcke an Bäumen ein, gerade bei Nachpflanzungen oder älteren Exemplaren, so Kallensee. Trotzdem gebe es seit Jahren deutliche Baumverluste. Das führe wiederum zu höheren Kosten für die Totholzbeseitigung. Für Parkbesucher könne die Trockenheit bedeuten, dass sie keine sprudelnden Fontänen oder Brunnen erleben können. Zum Wassersparen werde wie schon 2018 und 2019 auf deren Betrieb verzichtet. Die Stiftung nutze kostenfreie Brauchwasser-Kontingente für Havelwasser: 600 000 Kubikmeter im Jahr sind für den Park Sanssouci vorgesehen. Ohnehin hat die Stiftung seit Jahren auch mit Vandalismus in ihren Anlagen zu kämpfen.

Tipps in der Kleingärtner-Zeitung

Längst hat das Thema Trockenheit auch die Kleingärtner in der Stadt erreicht. Der jüngst erschienene „Potsdamer Gärtnerbote“ des Kreisverbands der Garten- und Siedlerfreunde informierte auf einer ganzen Seite darüber, wie man mit den immer häufigeren Dürreperioden und Starkregen umgehen könne. Geworben wurde für ein sogenanntes Kraterbeet, bei dem um eine ausgehobene Senke kleine Anhöhen aufgeschichtet und verschiedenste Gemüsesorten und Kräuter angebaut werden könnten. Dieses Beet halte Trockenheit im Sommer und auch viel Regen aus. „Es speichert Wärme und Feuchtigkeit und schützt durch die hügelige Anordnung vor Wind und Austrocknung.“

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Klicken Sie auf das Bild, um die ganze Grafik zu sehen. © Grafik: PNN/Böttcher

Stadtverwaltung bereitet Aufrufe vor

Derweil bereitet sich die Stadt darauf vor, in diesem Sommer wieder zum Wassersparen aufrufen zu müssen. Das erklärte Stadtsprecher Markus Klier auf Anfrage. Man habe die Wasserknappheit in Potsdam schon mehrfach thematisiert, etwa mit Aufrufen zur Gießhilfe bei Straßenbäumen oder zum wiederholt verhängten Entnahmeverbot von Flusswasser. Zugleich gehe man mit „gutem Beispiel voran“, etwa bei der Auswahl von trockenheitsresistenteren Baum- und Pflanzenarten auf städtischen Grünflächen oder mit dem Anlegen von Blühwiesen.

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Die Stadt Cottbus hatte diese Woche bereits ihre Bürger aufgerufen, wegen der anhaltenden Trockenheit auf anspruchsvollen englischen Rasen in Privatgärten zu verzichten und möglichst nach 21 Uhr oder in den Morgenstunden zu gießen – um Wasser zu sparen.

Auch Starkregen macht zu schaffen 

Nicht nur Trockenheit macht Potsdam zu schaffen, sondern zunehmend auch Starkregenereignisse. Davon betroffen war zum Beispiel bereits die Turnhalle der Pestalozza-Grundschule in Groß Glienicke, die deswegen im vergangenen Jahr saniert wurde. Wie der Kommunale Immobilienservice (Kis) jetzt auf Anfrage des Stadtverordneten Andreas Menzel (Freie Wähler) erklärte, sei bei einem „Jahrhundertregen“ am 11. Juni 2019 der Boden der Halle durchfeuchtet worden. 

Diese liegt direkt am Fuß eines Hanges. „Durch den extremen Starkregen wurde Hangmaterial in Richtung Halle geschwemmt, wodurch die vorhandenen Entwässerungseinrichtungen vor der Halle verstopft und überlastet wurden. Das Wasser drang dadurch über die Türschwellen ein.“ Inzwischen habe man den Hang so verändert, dass ein ungebremstes Herabschießen von Wassermassen erschwert wird. Auch der Reinigungsturnus der Entwässerungseinrichtungen vor der Turnhalle sei erhöht worden, so der Kis. 

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