Die gegenwärtige Trockenheit setzt Bäumen und Pflanzen zu.  Foto: Ottmar Winter PNN
© Ottmar Winter PNN

Trockenheit in Potsdam Die Natur steht wieder unter Stress

Das trockene Frühjahr setzt Potsdams Vegetation weiter zu. Bäume werden krank oder sterben.

Potsdam - Keine Entspannung für die Natur in der Landeshauptstadt. Nach zwei trockenen Jahren ist die Regenmenge auch in diesem Jahr erneut unterdurchschnittlich. Zahlen des Wetterportals „Wetterkontor“ zeigen, dass die Niederschlagsmenge in Potsdam im April bisher nur 3,3 Liter pro Quadratmeter betrug. Zwischen 1980 und 2010 war sie im Durchschnitt zehnmal so hoch. Auch der März fiel die Regenmenge betreffend unterdurchschnittlich aus. Insgesamt regnete es nur 25,7 Liter pro Quadratmeter, knapp 40 Prozent weniger als eigentlich für diesen Zeitraum normal wäre. Ursache für die Trockenheit ist laut dem Europäischen Institut für Klima und Energie der derzeitig hohe Luftdruck über Mitteleuropa liegen, wodurch die Luft austrocknen und sich Wolken auflösen würden.

Pflegebedarf erhöht sich um etwa 20 bis 25 Prozent

Für die Bäume und Pflanzen in Potsdam bedeutet der trockene Frühling erneut Stress. Viele von ihnen sind bereits durch die vorherigen Trockenphasen geschädigt und geschwächt. „Da Bäume als langlebige Pflanzen eher träge auf äußere Einwirkungen reagieren, muss davon ausgegangen werden, dass sich die Folgen solcher Trockenjahre über einen Zeitraum von mehreren Jahren zeigen werden“, sagt Rathaussprecherin Christine Homann. Bereits 2019 seien die Folgeschäden aufgrund der Trockenheit im Jahr 2018 offensichtlich geworden. „Die Arbeitsgruppe Stadtbäume hatte in 2019 einen Mehraufwand hinsichtlich der Baumpflegemaßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherungspflicht zu bewältigen. Der Pflegebedarf erhöhte sich um etwa 20 bis 25 Prozent“, so Homann. Aufgrund der aktuellen Situation erwarte man für 2020 einen ähnlich hohen Arbeitsaufwand. „Konkret bedeutet das: Es müssen deutlich mehr abgestorbene beziehungsweise vertrocknete Bäume, Kronenteile oder Äste entfernt werden“, so Homann. Auch werde man mehr neue Jungbäume pflanzen.

Brüchiges Holz gibt es in allen Schlossparkanlagen - wie hier im Park Babelsberg. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Brüchiges Holz gibt es in allen Schlossparkanlagen - wie hier im Park Babelsberg. © Andreas Klaer

Betroffen seien neben sogenannten flachwurzelnden Baumarten, wie Birken, Weiden und Nadelhölzern auch Linden, Ahorne, Rotdorne und Buchen. Da sie geschwächt sind, seien sie auch anfälliger für Krankheiten. Ob und in welchem Umfang sich die Bestände wieder erholen können, hänge in erster Linie vom Wetter in diesem und in den kommenden Jahren ab. Damit die Schäden genau beziffert werden können, hat die Stadt einen Baumzustandsbericht in Auftrag gegeben. „Die Ergebnisse sind im Herbst 2020 zu erwarten“, so Homann. Um weitere Schäden zu verhindern, will man besonders betroffene Bäume und Pflanzen bewässern. Flächendeckend sei dies aber nicht realistisch. Im Moment gieße die Stadt neben manchen Grünflächen seit Mitte März auch auf der Freundschaftsinsel, im Förster-Garten und in der Russischen Kolonie.

2000 Bäume in den Schlossgärten haben starke Schäden

Auch für die Schlösserstiftung ist Bewässerung derzeit „die Hauptaufgabe“, wie Frank Kallensee, Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) sagt. Das trockene Frühjahr sorge bereits jetzt für „massive Probleme in allen Parks und Gärten“. Vor allem ältere und erst vor Kurzem eingesetzte Pflanzen würden in extremen Trockenphasen viel Wasser benötigen. Insgesamt würden in den Gärten und Parks der Schlösserstiftung derzeit etwa 2000 Bäume auf rund 750 Hektar Fläche starke Schäden aufweisen, etwa die Hälfte davon sei ganz abgestorben. Zwischen Herbst 2019 und Februar 2020 habe man deshalb 450 Fällungen vornehmen müssen. Darüber hinaus habe man, so Kallensee, noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Die Parkwege werde durch Hitze und Trockenheit zerstört. Gleichzeitig könnten die Wege keine Wasser mehr absorbieren. Sämtliche Niederschläge würden abgeleitet, was wiederum tiefe Furchen in der Erde, sogenannte Erosionsrinnen, verursache.

Im Botanischen Garten Potsdam wird die Natur auch mit zusätzlichem Wasser gepflegt. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Im Botanischen Garten Potsdam wird die Natur auch mit zusätzlichem Wasser gepflegt. © Andreas Klaer

Um der Trockenheit entgegenzuwirken, greift man auch beim Botanischen Garten der Universität Potsdam zur Gießkanne. „Unsere Gärtner sind im Moment sehr viel dem Bewässern beschäftigt“, sagt Kustos Michael Burkart. Probleme gebe es derzeit nur deshalb, weil durch die Coronakrise, weniger Menschen dort arbeiten und damit die Pflanzen bewässern könnten. „Da sind wir derzeit etwas eingeschränkt“, so Burkart. Grundsätzlich habe man aber die technischen Möglichkeiten die Pflanzen und Grünflächen zu bewässern. „Wir kommen mit fließendem Wasser eigentlich an alle Stellen.“

Er könne durchaus beobachten, dass es bei den Bäumen einige Verluste gegeben habe, vor allem nach Wind oder Sturm. Ob das jedoch mit der Trockenheit in den vergangenen beiden Jahren zusammenhängt, könne er nicht sagen. „Es spielen sicher auch viele andere Faktoren eine Rolle, womöglich aber auch die Trockenheit.“ Burkart verweist darauf, dass es laut Experten zum Jahresbeginn eigentlich genug geregnet habe. „Es hätte dann halt nur weiterregnen müssen.“

Regenmassen im Februar heben nicht trockene Vorjahre auf

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Zahlen von „Wetterkontor“, dass der Februar ungewöhnlich in Potsdam regnerisch war. 84,9 Liter pro Quadratmeter fielen – doppelt so viel wie eigentlich üblich. Dass davon aber auch Bäume und andere Pflanzen profitiert hätten, sieht Lutz Kleinert, vom Obstgut Marquardt nicht: „Die Bäume sind noch immer gestresst. Natürlich ist der geringe Regen im Moment nicht gut, hauptverantwortlich dafür ist aber die Trockenheit in den beiden vergangenen Jahren.“ Er rechnet mit Ernteausfällen in den kommenden Monaten, vor allem bei Pfirsichen, Aprikosen und Kirschen. Auch die Apfelernte, so Kleinert, könnte darunter leiden.

Manfred Kleinert vom Obstgut Marquardt erkennt die Trockenschäden seiner Obstbäume.  Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Manfred Kleinert vom Obstgut Marquardt erkennt die Trockenschäden seiner Obstbäume.  © Manfred Thomas

Einige Bäume auf dem Obstgut Marquardt werden mithilfe von Tröpfchenbewässerung versorgt. Wo nicht gegossen wird, merke man die Trockenheit. „Es staubt. Später wird man das auch an den Blättern und auch bei der Ernte sehen“, sagt Kleinert. Hinzu komme, dass es in den vergangenen Wochen immer wieder Frost gab, der den Blüten geschadet habe. „Das ist eines von vielen Problemen, mit denen wir momentan zu kämpfen haben.“

Der geringe Niederschlag im Jahr 2019 wirkte sich auch auf das Grundwasser aus. Durch den Regen im Winter hat sich die Lage zwar etwas entspannt, derzeit zeigt die vom Landesumweltamt betriebene Messstation in der Waldstadt, dass sich in einer Tiefe von 3,49 Meter unter der Erde Grundwasser findet. Im langjährigen Mittel lag diese Grenze bei 3,39 Metern. Um dem starken Wasserrückgang 2019 entgegenzuwirken, hatte die Untere Wasserbehörde der Stadtverwaltung Potsdam im August mit einer Allgemeinverfügung angeordnet, dass kein Wasser mehr aus Flüssen, Seen, Kanälen und Gräben gepumpt werden durfte. Soweit könnte es bei ähnlichen Verhältnissen auch in diesem Jahr wieder kommen, so Sprecherin Homann.

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