Müll im Neuen Garten nach einem Wochenende. Foto: SPSG/Nicole Koppe
© SPSG/Nicole Koppe

To-go-Verpackungen in der Pandemie 50 Prozent mehr Müll in Potsdams Parks

Die Schlösserstiftung befürwortet ein Mehrwegsystem. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert zeigt sich bereit zu Gesprächen mit Gastronomen. 

Potsdam - Es ist ein Bild, das viele Potsdamer in Wallung bringt: Leere Pizzakartons am Wegrand, Kaffeebecher im Blumenbeet und Styroporboxen an der Bushaltestelle. Die Pandemie hat das Müllproblem noch verschärft. Allein in den Parks und Gärten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) ist das Abfallaufkommen nach Stiftungsangaben in den Jahren 2020 und 2021 im Vergleich zu den Vorjahren im Schnitt um 50 Prozent angestiegen. 

Im Park Sanssouci machen Einwegverpackungen demnach 90 Prozent des Abfalls aus. 20 bis 25 Arbeitsstunden wenden die Beschäftigten der Schlösserstiftung wöchentlich allein hier auf, um den Müll zu beseitigen – doppelt soviel wie vor Beginn der Pandemie. Im Park Babelsberg und dem Neuen Garten sieht es ähnlich aus. 

580 Mülleimer, 200 Tonnen Abfall

Das Problem besteht nicht nur in den Parks, auch in der Innenstadt und an anderen Treffpunkten häufen sich Verpackungen gerade von To-go-Gerichten und -Getränken. Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) kümmert sich um 580 Mülleimer an öffentlichen Orten im Stadtgebiet. Zwei bis drei Mal täglich werden diese geleert, vier Mitarbeiter sind dafür im Einsatz. 200 Tonnen Abfall fielen dabei im Vorjahr an. Diese Zahlen nannte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwochabend bei einer Diskussion zum Thema Einwegverpackungen. Geladen hatte die Potsdamer Bürgerstiftung in den Klosterkeller. 

Das Thema waren jedoch weniger die Probleme – darüber waren sich die Diskutanten einig – sondern vielmehr mögliche Lösungsansätze. Schubert machte schnell deutlich, dass er nicht für Verbote oder andere massive Eingriffe ist – auch aus rechtlichen Gründen. Er verwies auf Tübingen: Die Stadt in Baden-Württemberg plant eine Verbrauchssteuer auf Einweg-Verpackungen. Doch Mc Donald’s hat sich mit einem Normenkontrollantrag gegen das Vorhaben gewandt, nun muss das Verwaltungsgericht in Mannheim entscheiden. Es brächte Potsdam nicht weiter, so eine Regelung einzuführen, nur damit hinterher ein Gericht sie wieder kassiere, so Schubert. 

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Der Oberbürgermeister warnte beim Thema Müllvermeidung vor zu hohen Erwartungen. „Wir kümmern uns“, versichert er. Beispielhaft nannte er das Stadtwerkefest, bei dem keine Einwegbecher mehr zum Einsatz kommen. Aber viele Dinge ließen sich nur Schritt für Schritt umsetzen. „Wir müssen auch die mitnehmen, die nicht ganz unserer Meinung sind.“ Ein Einwegverbot für alle Veranstaltungen in Potsdam würde zu kurz greifen, glaubt er. „Manche Veranstalter sagen mir dann, wenn wir das machen, rechnet sich das Fest nicht mehr und kann nicht stattfinden.“

Stiftung begrüßt Mehrwegsysteme

Der Sprecher der Schlösserstiftung, Frank Kallensee, sagte im Nachgang auf Anfrage ebenfalls, das Problem lasse sich durch verstärkte ordnungspolitische Maßnahmen und einige zusätzliche Aufsichtskräfte allein nicht lösen. „Die SPSG stößt in der Bewältigung dieser Zustände schlicht an ihre Grenzen“, so Kallensee. Stattdessen brauche es die Unterstützung der Gesellschaft und eine Diskussion zum Thema Müllvermeidung. Die Stiftung begrüße Initiativen für Mehrwegsysteme, die Einführung solcher wiederverwendbaren Verpackungen sei auch ein „Ziel für die kommenden Jahre“. 

Auch Oberbürgermeister Schubert zeigte sich bereit, gemeinsam mit der Bürgerstiftung, die seit Anfang 2020 den Mehrwegbecher Potspresso betreibt, mit den Gastronomen das Gespräch zum Thema zu suchen. Er glaube aber, dass nur eine Minderheit bereit sei, umzustellen. „Wenn wir eine Mehrheit haben für so ein Mehrwegsystem, können wir darüber reden.“ 

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