Im Dialog. HOT-Intendantin Bettina Jahnke, Kommunikationsleiter Björn Achenbach und Dramaturgin Alexandra Engelmann in der Innenstadt. Foto: A. Klaer
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Theater in Potsdam Schnee im Schuhgeschäft

Am Samstag bespielt das Hans Otto Theater Schaufenster von Geschäften in der Innenstadt und gibt so einen Vorgeschmack auf seine Premieren.

Wer am Samstagvormittag ganz gemütlich durch Potsdams Innenstadt schlendert, dürfte überrascht sein: Passanten könnte etwa Ronja Räubertochter über den Weg laufen oder sie könnten sich über die Schneelandschaft im Schaufenster von Schuh Baar wundern. Von zehn bis 13 Uhr bespielt nämlich das Hans Otto Theater ausgewählte Orte auf der Brandenburger Straße und in unmittelbarer Nähe. Schaufenster, Läden und mitunter die Fußgängerzone sollen bei „Schauspielfenster“ zu einer Bühne werden, erklärte am Montag die Dramaturgin Alexandra Engelmann bei einem Pressetermin in der Bäckerei Fahland. Auch die neue HOT-Intendantin Bettina Jahnke war anwesend.

Ziel ist es, die Innenstadt mit den 16 Aktionen zu beleben und so gleichzeitig auf die neue Spielzeit, die am 22. September eröffnet wird, und deren Premieren aufmerksam zu machen. Pläne zum genauen Ablauf werden Samstag vor Ort verteilt. Der Betrieb in den jeweiligen Läden soll wie gewohnt verlaufen, nur mit Schauspieleinlagen eben.

Die Aktionen sollen einen Vorgeschmack liefern – von dem, was das Publikum des HOT erwarten kann. Dabei fallen diese ganz unterschiedlich aus. Schauspieler Andreas Spaniol schlüpft in die Rolle der Shakespeare-Figur Othello, und wie er das tut, können Passanten vor dem Geschäft Intersport Olympia mitverfolgen. Zuerst sitzt er in der Maske, später hält er einen Monolog. Der Ton wird nach draußen übertragen. Danach wird Spaniol wieder abgeschminkt und alles beginnt von vorn. „Hier wird präsentiert, wie Verwandlung und Rückverwandlung im Theaterbetrieb vonstattengehen“, erklärte Jahnke. Pantomimisch angerissen werden dahingegen etwa die Stücke „The Queen’s Men“ und „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Für letzteres richten Bühnenbildner auch eine Schneelandschaft bei Schuh Baar her.

„Wir kommen zu euch, dann kommt ihr zu uns“, so Jahnke. Nahezu das ganze Team sei eingespannt worden, berichtete Engelmann, zwar nicht alle 160 Mitarbeiter, aber ein großer Teil von ihnen. Es sei schließlich auch eine gute Gelegenheit, das neue Team vorzustellen, betonte Jahnke, die 15 neue Schauspieler in das Ensemble geholt hat. Das Publikum ist am Samstag nicht nur eingeladen, bei Teilen der Aktionen mitzumachen, wie etwa beim Spiel von Ronja Räubertochter. Es kann auch jederzeit an die Theatermacher Fragen stellen – während der Vorstellungen, die in Dauerschleife laufen, oder am Info-Stand vor der Königin Luise Apotheke in der Dortustraße.

Vor einem halben Jahr entstand die Idee, die genaue Planung erfolgte im Juni. Ob „Der Schimmelreiter“ im Fielmann oder „Kabale und Liebe“ im Modegeschäft Suum Cuique – die Aktionen sollen Anreize geben, sie fassen Stücke nicht zusammen und entsprechen auch nicht dem, was während des kommenden Jahres im HOT zu sehen ist, warnt Jahnke. „Was ich mir wünsche, ist Neugier“, so die Intendantin, vielleicht lasse sich das Publikum ja verführen. „Theater und Innenstadt sollen sich gegenseitig befruchten“, sagte Engelmann. Geplant ist, dass „Schauspielfenster“ von nun an jedes Jahr stattfindet. hed

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