Eine Gruppe stellt sich an der Kellertorwache eine Surfwelle vor. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Surfwelle an der Kellertorwache? Ideen für den Stadtkanal präsentiert

Im Kunsthaus sans titre sind die Ergebnisse der studentischen Ideenwerkstatt zum Stadtkanal zu sehen – auch als Diskussionsgrundlage für weitere Schritte.

Potsdam - Eine Surfwelle an der Kellertorwache, ein mit Blutbuchen gesäumter Grünzug, ein „Stadtgraben der Moderne“ mit schattigen Sitzmöglichkeiten und grünen Versickerungsflächen für Regenwasser, ein abendliches Fassadenkino, begrünte Dächer oder ein Brunnen-Band: 17 Architektur-Studierende der Fachhochschule Potsdam (FH) haben in einer Ideenwerkstatt unter Anleitung von Architektur-Professor Karl-Heinz Winkens und unter Beteiligung weiterer Expert:innen seit Anfang April Visionen für die Umgestaltung des Stadtraums entlang des früheren Stadtkanals entwickelt. Am Dienstag ist die Ausstellung mit den vier entstandenen Entwürfen im Atelierhaus sans titre in der Französischen Straße eröffnet worden.

Bis 10. Juli können Interessierte sich die Arbeiten nun anschauen und eigene Anregungen einbringen. Im Herbst sollen die Ergebnisse von den Stadtverordneten diskutiert werden, stellte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bei der Eröffnung in Aussicht. Das Stadtparlament soll dann auch über mögliche weitere Schritte entscheiden.

Der einstige Verlauf des Kanals. Grafik: PNN Vergrößern
Der einstige Verlauf des Kanals. © Grafik: PNN

Ein Herzensprojekt des Oberbürgermeisters

Schubert, der die Wiedergewinnung des Stadtkanals bei seinem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren als ein Herzensprojekt auf die Agenda gesetzt hatte, machte aus seiner Begeisterung für die studentischen Arbeiten keinen Hehl – dämpfte gleichzeitig aber auch Erwartungen auf eine schnelle Umsetzung. 

Oberbürgermeister Mike Schubert.   Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Oberbürgermeister Mike Schubert.   © Ottmar Winter

Nötig für eine weitere Konkretisierung der Entwürfe sei ein Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten, machte er deutlich. Denn nach derzeitiger Beschlusslage ist die Rekonstruktion des historischen Stadtkanals angestrebt, ein Ziel, das bislang am fehlenden Geld scheiterte. Der Weg zum historischen Kanal wäre mit der Verwirklichung der studentischen Entwürfe aber auch nicht verbaut – das war eine der Bedingungen für die Ideenwerkstatt.

Auch die umliegenden Kieze in den Blick genommen

Bei den Entwürfen geht es zugleich um mehr als nur den Kanal, die Studierenden haben auch die umliegenden Kieze mit in den Blick genommen. Heute ist das Areal zwischen Berliner Straße, Am Kanal, Alter Fahrt, Platz der Einheit und Dortustraße trotz der zentralen Lage ein blinder Fleck in der Stadt, es fehlen verbindende Elemente, es gibt unattraktive Brachflächen und an zentraler Stelle auf dem ehemaligen Kanalverlauf in der Straße Am Kanal einen Parkplatz.

Neue Ideen gibt es auch für den Platz der Einheit.  Visualisierung: FH Potsdam Vergrößern
Neue Ideen gibt es auch für den Platz der Einheit.  © Visualisierung: FH Potsdam

Diese toten Flächen füllen die Studierenden mit Leben. Wasser spielt dabei eine teilweise überraschende Rolle. Dem von der Landschaftsarchitektin Cornelia Müller angeleiteten vierköpfigen Team schwebt im Entwurf ein „urbanes Wassernervensystem“ vor: Der heutige Parkplatz am Kanal wird zu einem Senkgarten mit grünen Versickerungsflächen für Regenwasser, der Wasserlauf fällt je nach Regenmenge größer oder kleiner aus. Auf erhöhten Terrassenflächen ist Platz zum Sitzen und Verweilen. 

An der Kellertorwache stellen sich die Studierenden – analog zum beliebten Eisbach in München – die besagte Surfwelle vor, an der heute viel befahrenen Kreuzung Berliner Straße/Am Kanal einen Brunnen mit Fontäne.

Zum Verweilen. Brunnen mit Fontäne statt Kreuzung. Visualisierung: FH Potsdam/Repro: Winter Vergrößern
Zum Verweilen. Brunnen mit Fontäne statt Kreuzung. © Visualisierung: FH Potsdam/Repro: Winter

Auch die von der Künstlerin Annette Paul begleitete dreiköpfige Gruppe arbeitet mit Brunnen, Wasserspielen und Verdunstungsflächen. Sie verknüpft die Gestaltung des Kanalverlaufs thematisch mit den verschiedenen Lebensaltern: Der Abschnitt von der Kellertorwache bis zur Kreuzung Berliner Straße wird Geburt und Kindheit zugeordnet und mit aktiven Spielflächen – etwa Kletterwänden – gestaltet. 

Der Entwurf der Gruppe, die von Künstlerin Annette Paul begleitet wurde. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Der Entwurf der Gruppe, die von Künstlerin Annette Paul begleitet wurde. © Ottmar Winter

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Der Bereich entlang der Ladenzeile Am Kanal entspricht der Lebensmitte, hier wollen die Studierenden einen „aktiven Raum für die Stadtgesellschaft“ schaffen, unter anderem mit einem Theaterneubau an Stelle der alten Kanaloper, deren Fassade dann auch als Freiluftkino dienen könnte. Der Platz der Einheit wird zu einem Platz der Ruhe, ein Brunnen in Schneckenform soll die Ewigkeit symbolisieren.

Rotbuchen sind der Hingucker beim Entwurf des von Architekturprofessor Bernd Bess begleiteten Teams: Sie ziehen sich entlang des alten Kanalverlaufs durch die Innenstadt bis zur Kellertorwache. 

Rotbuchen entlang des Kanals wären ein echter Hingucker.  Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Rotbuchen entlang des Kanals wären ein echter Hingucker.  © Ottmar Winter

Der Kanalverlauf, markiert von Mauerwerk, ist hier eine begrünte Fläche zum Spazieren. Die Fläche zwischen Ladenzeile und Kanal wird auf eine Höhe gebracht mit Platz zum Laufen und Verweilen. Das Team macht auch Flächen für möglichen Wohnungsneubau aus: etwa auf den verbliebenen Grünflächen an der Alten Fahrt, aber auch im Innenhof zwischen Heiliggeiststraße und Am Kanal – hier schlägt die Gruppe eine Verlängerung der Kleinen Fischerstraße bis an die Burgstraße vor.

Auch die Idee einer „Schwammstadt“ wurde aufgegriffen.  Foto: FH Potsdam Vergrößern
Auch die Idee einer „Schwammstadt“ wurde aufgegriffen.  © FH Potsdam

Die Idee einer sogenannten „Schwammstadt“ greift auch der Entwurf der von Architekt Georg Marfels angeleiteten Gruppe auf. „Es geht darum, das Regenwasser, das wir haben, besser zu nutzen“, erklärt FH-Professor Karl-Heinz Winkens. 

Begrünte Dächer und Terrassen und Versickerungsmulden kämen auch dem Mikroklima zugute, sagt er: Durch Verdunstungskälte bleibt es an heißen Tagen etwas kühler. Das Team nimmt dafür nicht nur den Kanal, sondern auch den Platz der Einheit in den Blick: Dort planen sie einen kreisförmigen Wasserlauf. 

Die Entwürfe im Atelierhaus sans titre, Französische Straße 18, sind mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Am morgigen Donnerstag 16 Uhr gibt es eine Führung – Anmeldung unter [email protected]

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