Vor Ampeln wie hier in der Zeppelinstraße steigt die Schadstoffbelastung der Luft an. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Studie Dicke Luft an Potsdams Ampeln

Carsten Holm

Vor Verkehrsampeln können 35 Prozent mehr Schadstoffe in der Luft sein. Eine Studie empfiehlt Radwege auf Nebenstraßen.

Die seltsamen Wesen, die monatelang mit ihren Rädern in Potsdam und Berlin unterwegs waren, fielen kaum jemandem auf - auch wenn aus ihren Rucksäcken Schläuche herausragten und Actionkameras an den Helmen die Fahrt aufnahmen. Was die Potsdamer nicht wussten: Die Radler mit den Schläuchen waren Mitarbeiter des Potsdamer Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), die Daten zur Luftqualität sammelten. Auf häufig befahrenen Radstrecken sogen die Schläuche während der Fahrt Luft an und speicherten sie in einer kiloschweren Box. Außerdem sammelten stationäre Messstationen die Werte von Partikel-Konzentrationen.

Schadstoffkonzentration jetzt belegbar

Die neue Studie, die das IASS jetzt dazu zur Luftqualität beim Radfahren vorlegte, bringt nicht völlig Überraschendes. „Wir hatten vermutet, dass die Belastung der Luft erheblich steigt, wenn es vor allem vor Verkehrsampeln zu Staubildungen kommt“, sagte Forschungsleiterin Erika von Schneidemesser den PNN. Dort nehme die Belastung der Luft um 35 Prozent zu. „Die Ergebnisse klingen logisch. Aber jetzt haben wir valide Messdaten, die solch gängige Annahmen auch quantitativ belegen“, so von Schneidemesser. Immer, wenn nicht nur Autos, sondern auch Busse, Motorräder und Lastwagen unterwegs seien, führe dies zu einem Anstieg der Partikelkonzentration um 30 bis 40 Prozent. In Potsdam wurde wegen Schadstoffbelastung wie berichtet eine Radspur auf der Zeppelinstraße angelegt. Die Stadtplanung, so die Studie, solle Radwege einrichten, die parallel zu Hauptstraßen auf Nebenstraßen verlaufen.

Potsdam auf fünftem Platz bei ADFC-Test

Zwar gibt es für Potsdamer Radfahrer viel zu verbessern, doch im bundesweiten Vergleich steht die Stadt gut da: beim Fahrrad-Klimatest 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs belegte sie den fünften Platz und behauptete ihre Stellung als Vorreiter in Brandenburg.

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