Potsdamer Studentenclub "Pub ala Pub" feiert 25-jähriges Bestehen. Foto: Andreas Klaer
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Studentenkneipe Feiern zum Selbstkostenpreis

Stefanie Schuster

Die studentische Kultkneipe Pub à la Pub ist 25 Jahre alt geworden. Am Samstag stieg die Party mit Drinks aus Golm und Livemusik.

Potsdam - Seitdem sie um halb neun an diesem Samstagmorgen mit dem Aufbauen begonnen haben, knallt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Es ist bereits später Nachmittag. Die Hitze liegt schwer über der Stadt. Musiker laden Equipment vom Laster und aus Autos, Boxen werden angeschlossen und getestet. Um 18 Uhr soll in der Breite Straße 1 die große Geburtstagsparty steigen. Das Pub à la Pub, die studentische Kultkneipe in der Potsdamer Innenstadt, wird 25 Jahre alt. Insgesamt 70 derzeitige und ehemalige Mitglieder des Vereins „Studentisches Leben“, der die Kneipe betreibt, helfen bei den letzten Vorbereitungen mit. Und dann um 17 Uhr – kommt erstmal die Polizei.

Feiern mit Ausnahmezulassung

Nicola Stach, die Vorsitzende des Vereines, springt auf und spricht mit den beiden Beamten; einer von ihnen hebt noch schnell einen Plastikbecher auf, der vom Bierwagen geweht wurde. „Dem Mercure ist es zu laut“, sagt sie, als sie wiederkommt. „Jetzt sehen wir mal, ob wir die Boxen anders drehen können.“ Dabei ist natürlich alles geregelt: „Wir haben eine Ausnahmezulassung zur Beeinträchtigung der Nachtruhe bis 1 Uhr. Danach geht’s drinnen weiter.“ Es kommen dann erst mal keine Beschwerden mehr.
Die Nachbarschaft sei nämlich an sich gut, auch wenn gefeiert wird, meint Stach. „Die Spielbank gegenüber gratuliert uns jedes Jahr mit einem Plakat und mit einem Post im Internet“, sagt auch Franziska Ludwig, im Verein zuständig als „Studentenwärtin“, und muss lachen. Die Anwälte im Haus nebenan hätten ihre Parkplätze zur Verfügung gestellt, damit dort ein Versorgungswagen abgestellt werden kann. „Kommunikation ist echt alles“, sagt Nicola Stach. „Das haben wir hier auch gelernt.“

Die Müllmenge soll in Grenzen gehalten werden

Denn die Förderung des kulturellen studentischen Lebens, das in der Vereinssatzung ausdrückliches Ziel ist, besteht auch hier zu gutem Teil aus Diskussion. Alle zwei Wochen ist Mitgliederversammlung, dann kommen von den 40 etwa 30 Mitglieder – „und dann wir alles diskutiert“, sagt die Vorsitzende. „Wirklich alles!“, bekräftigt sie. In der Vorbereitung auf die Geburtstagsparty bedeutete das etwa Fragen wie: Gibt es eine Möglichkeit, Mehrweg- statt Plastikbecher zu verwenden? „Nein“, fasst Stach zusammen, und schiebt in geübter Rhetorik nach: „Wir bräuchten etwa 10 000 Becher, weil die, die wir mieten könnten, vom Verleiher selbst gespült werden. Und die könnten wir hier einfach nicht lagern.“ Letztlich einigte man sich darauf, berichtet Stach, herkömmliche Plastikbecher zu benutzen, diese aber nur gegen Pfand herauszugeben. Auf diesem Weg solle die Müllmenge in Grenzen gehalten werden, erklärt Stach, während es sich die ersten Gästen, begleitet von Musik aus der Konserve, mit einem kühlen Bier vor der Kneipe bequem machen.

Die Getränke kommen immer noch aus Eiche

Wie schon zur Gründung des Pub à la Pub 1994 kommen auch an diesem Abend alle Getränke aus Eiche vom Getränkeverleger Ulrich Gorgs. An ihn wandten sich die Studenten damals, um mit seiner Hilfe eine Kneipe zu eröffnen, in der Bier auch für schmale Studententaler erschwinglich sein sollte. Der Plan: Die Mitglieder arbeiten unentgeltlich und geben die Getränke quasi zum Selbstkostenpreis ab. Drei Mal waren Kneipe und Verein von der Pleite bedroht. Gorgs hat durch seine Unterstützung bereits einen gewissen Kultstatus bei den Vereinsmitgliedern. „Den könnten wir nachts anrufen, und er würde uns beliefern“, ist sich Franziska Ludwig sicher. „Ein ganz toller Typ.“

Livemusik gab´s Samstag von der Potsdamer Rockband "Noscible". Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Livemusik gab´s Samstag von der Potsdamer Rockband "Noscible". © Andreas Klaer

Alles eine Frage der Abstimmung

Das Studentenwerk, dem der Glaskasten an der Breite Straße gehört, erhebt wegen der Gemeinnützigkeit keine Miete. „Wir fahren eine Zwei–Preis–Politik“, betont Franziska Ludwig. „Studenten mit Ausweis zahlen weniger als die Gäste ohne – sonst könnten wir uns hier in der Nachbarschaft mit den Gastronomen auch gar nicht behaupten.“ Alles ist eine Frage der Abstimmung – selbst die Geburtstagsfeier. „Wir müssen uns ja mit den anderen Fest-Veranstaltern absprechen, damit wir uns keine Konkurrenz machen“, sagt die Vorsitzende. So kooperiert der Verein zum Beispiel mit dem Nil StudentInnenkeller, der am Neuen Palais beheimatet ist, den Wasserballern des OSC und dem Waschhaus. Gearbeitet wird immer noch unentgeltlich: Jedes Mitglied schiebt 6-Stunden-Schichten am Tresen mit anschließendem Reinemachen, Überschüsse gehen in gemeinsame Aktivitäten, wie Ausflüge. Zwei Mal im Jahr gibt es einen Subbotnik, um größere Arbeiten gemeinsam zu erledigen. Dazwischen werden Spieleabende oder Spontan-Karaoke angeboten.

Familienfest

Letzteres hat Martin Kabb eingeführt, der gerade mit seiner Band „Noscible“ das Geburtstagskonzert eröffnet. Der SDP-Song „Drei Tage wach“ schmettert aus den Boxen. Kabb ist auch nach dem Studium noch Vereinsmitglied. Seine Mutter Gilda Kabb filmt den Auftritt. „Viel besser als im letzten Jahr“, sagt sie. Auch der Vater ist stolz. Die beiden haben ebenfalls in Potsdam studiert, sind seit Jahrzehnten Teil der Band „manifest“. Die folgenden Bands „Im Modus“ und „Max Demian Band“ wollen sie sich auch noch anhören. Eine Geburtstagsparty im Pub à la Pub ist eben immer auch ein Familienfest.

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