Die Gebäude auf dem Badgelände werden erst nach 2023 abgerissen, zuvor soll das neue Funktionsgebäude errichtet werden. Foto: Andreas Klaer
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Streit um historischen Rundweg Kompromiss für Babelsbergs Bad und Seesportclub

Die Babelsberger Wassersportler sollen für drei Jahre in Container ziehen, doch noch fehlt die Baugenehmigung. Ein neues Funktionsgebäude kommt 2023.

Potsdam - Es könnte das Ende eines mehr als zehn Jahre andauernden Streits um das Stadtbad im Park Babelsberg sein: Am gestrigen Donnerstag präsentierten Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), Christoph Martin Vogtherr, einen Kompromiss zur künftigen Lage des Strandbads sowie zum Verbleib des Potsdamer Seesportclubs. Danach soll bis zum Sommer 2023 das Stadtbad neugestaltet und der Badebereich leicht nach Süden in Richtung Humboldtbrücke verschoben werden. Das Bad soll ein neues Funktionsgebäude mit Umkleiden, Duschen und Gastronomie erhalten, die bisherigen Gebäude auf dem Gelände werden abgerissen.

Vor den Bootsstegen soll das neue Funktionshaus entstehen. Grafik: Stadt Potsdam Vergrößern
Vor den Bootsstegen soll das neue Funktionshaus entstehen. © Grafik: Stadt Potsdam

Hintergrund der jahrelangen Streitigkeiten um den Bade- und Wassersportstandort ist das Ziel der Schlösserstiftung, einen historischen Rundweg im Babelsberger Park – als Drive bezeichnet – zu rekonstruieren. Das historische Wegesystem führt allerdings über Bereiche des Freibads, dessen Grundstücke auch zum Teil im Eigentum der Stadtwerke Potsdam sind. Nach Jahren der Verhandlungen und auch juristischer Auseinandersetzungen scheint man sich über die Neuaufteilungen der Grundstücke einig. Die Stadt tauscht ein Gelände von knapp 7000 Quadratmetern im nördlichen Bereich des Freibads mit Flächen von über 7600 Quadratmetern im südlichen Bereich, die bislang der Stiftung gehören.

Vier Container für die Boote

Knackpunkt war bei den jüngsten Verhandlungen vor allem der Umgang mit den Wassersportlern vom Seesportclub, die ebenfalls auf dem Badgelände untergebracht sind und dort ein separates Bootshaus für die Wasserfahrzeuge und die Vereinsarbeit gepachtet haben. Das Haus ist im Besitz der Schlösserstiftung und muss abgerissen werden, um Platz für das neue Funktionsgebäude zu machen. Der Pachtvertrag endete bereits zum 31. Dezember des vergangenen Jahres, doch gab es keine Ausweichmöglichkeiten für den Club. Nun wurde den Wassersportlern eine Zwischenlösung angeboten: Eine Containeranlage auf dem Freibadgelände. In vier Containern von je sieben Metern mal 2,50 Metern soll der Verein einen Teil seiner Boote lagern können, dazu kommen noch ein Bürocontainer und ein Sanitärtrakt, sagte Vereinschef Detlef von Jagow. Darüber hinaus dürfen größere Boote, die Kutter des Seesportclubs, zeitweise an Land gelagert werden, sagte Oberbürgermeister Schubert.

Schon im April soll der Abriss des Bootshauses beginnen.  Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Schon im April soll der Abriss des Bootshauses beginnen.  © Sebastian Gabsch

Der Vorsitzende des Seesportclubs reagierte auf PNN-Nachfrage reserviert auf die Planungen. Dem Kompromiss habe man jedoch zugestimmt: „Uns blieb ja nichts anderes übrig“. Die Container für die Zwischenlösung habe der Verein selbst finanziert, sie seien abrufbereit. Indes: Noch hat der Verein keine Baugenehmigung für die temporäre Errichtung der Containeranlage. „Die können wir auch gar nicht beantragen, das ist Aufgabe der Grundstückseigentümer, das sind die Stadtwerke Potsdam“, so von Jagow. Doch ohne Container sei ein Auszug aus dem Bootshaus nicht möglich. Im April allerdings soll mit dem Abriss des Gebäudes spätestens begonnen werden. „Uns bedrückt die fehlende Planungssicherheit“, so der Chef des Vereins.

Historischer Rundweg nicht vor 2024

Durch die Neugestaltung des gesamten Geländes verkleinert sich auch das Badareal nachweislich, rund 4000 Quadratmeter fehlen künftig. Der Sandstrand für die Badegäste bleibt jedoch erhalten. Stiftungschef Vogtherr erklärte, es sei ein gutes Ergebnis sowohl für das Bad als auch für den Welterbepark, da die Stiftung nun beginnen könne, den Südbereich des Parks denkmalpflegerisch neu zu ordnen. Der historische Rundweg werde aber „nicht vor 2024, 2025 fertig“, so Vogtherr. Zudem kündigte er an, im Zuge der Parkrekonstruktion auch das sogenannte Havelhaus am südlichen Parkeingang zu sanieren. Dafür habe man Gelder aus dem Sonderinvestitionsprogramm 2 der Stiftung umgeschichtet, um mit den Arbeiten am Gebäude beginnen zu können. „Ich kann mir eine halböffentliche oder öffentliche Nutzung des Hauses, unter anderem aus dem Kulturbereich vorstellen“, so Vogtherr. Zunächst muss der vorgestellte Kompromiss aber noch vom Stiftungsrat der Schlösserstiftung sowie von den Stadtverordneten bestätigt werden.

Schubert und Vogtherr hingegen sind stolz auf die aus ihrer Sicht erfolgreichen Verhandlungen. Es sei bereits der zweite Kompromiss, der nach langen Diskussionen zwischen Schlösserstiftung und Stadt gefunden wurde, sagte Schubert. Im September konnten das Stadtoberhaupt und der Stiftungschef eine Lösung im Streit um das Wohnungsbauvorhaben zwischen Humboldtring und Havelufer im Zentrum-Ost vorlegen. Damals drohte wie berichtet ein Platz auf der Roten Liste bedrohter Welterbestätten.

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