Streit um Garnisonkirche Linke wollte die zwölf Millionen Euro für Garnisonkirche sperren lassen - erfolglos

Yvonne Jennerjahn

Der Bundestag lehnt die Sperrung von den zwölf Millionen Euro aus Bundesmitteln für den Wiederaufbau der Garnisonkirche ab.

Potsdam/Berlin - Die Debatte über den geplanten Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche reißt nicht ab. Mit dem Thema hat sich erneut auch der Bundestag befasst. Der Haushaltsausschuss habe in seiner jüngsten Sitzung eine von der Linksfraktion beantragte Sperrung der zwölf Millionen Euro Bundesmittel für das Bauprojekt abgelehnt, sagte die Ausschussvorsitzende Gesine Lötzsch (Linke) am Donnerstag.

Ziel des Antrags sei gewesen, das mit dem „Bauprojekt verbundene Risiko einer Förderruine zu reduzieren“, so Lötzsch. Diese Chance hätten Union und SPD mit der Ablehnung „leider vertan, obwohl fehlende Bauunterlagen, nebulöse Spendenstände und wacklige Finanzierungskonzepte“ ein Warnsignal sein müssten.

Garnisonkirchenstiftung wies anhaltende Kritik zurück

Die Garnisonkirchenstiftung wies die anhaltende Kritik der Gegner des Bauvorhabens zurück. Zu Spekulationen über fehlende Mittel sagte der Kuratoriumsvorsitzende und evangelische Altbischof Wolfgang Huber der Wochenzeitung „Die Kirche“, die Stiftung habe die Kalkulation mehrfach „sorgfältig durchprüfen lassen, von staatlichen wie kirchlichen Stellen“.

Die Berechnungen würden zudem dadurch „eindrucksvoll bestätigt, dass das neue Museum Barberini in Potsdam in den ersten sechs Wochen nach der Eröffnung hunderttausend Besucher“ verzeichnet habe, betonte Huber. Um den Kirchturm für rund 35 Millionen Euro wieder vollständig aufzubauen, würden neben den erwarteten Bundesmitteln noch neun Millionen Spenden benötigt. Der Fördermittelantrag an den Bund werde „in den nächsten Wochen“ eingereicht.

Die Linksfraktion hatte wie berichtet im Haushaltsausschuss des Bundestags beantragt, die Bundesmittel zu sperren, bis die für eine Auszahlung erforderlichen Unterlagen vorliegen und geprüft werden konnten. Damit solle eine nach Bundesrecht unzulässige Anfinanzierung eines nicht vollständig gesicherten Projekts vermieden werden, hieß es. Der Verzicht auf die Sperre sei „ein fahrlässiger Umgang mit Steuermitteln“, sagte Lötzsch.

Christen übten Kritik an der Garnisonkirche

Huber warf den Kritikern unzureichende Information vor. Viele Gegner „verbinden die kritische Auseinandersetzung mit einer magischen Deutung eines Bauwerks, die auf andere Bauwerke seltsamerweise nicht übertragen“ werde, sagte der evangelische Theologe.

Zuletzt war bei einer Tagung der Martin-Niemöller-Stiftung und der Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ Mitte März in Potsdam scharfe Kritik an den Wiederaufbauplänen für die 1735 fertiggestellte, 1945 zerstörte und 1968 abgerissene Barockkirche geäußert worden. (epd)

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