Strategie gesucht. Das neue Bündnis für den Schlaatz will einen Masterplan entwickeln, um das Leben im Wohngebiet attraktiver zu gestalten. Wohngebiet Am Schlaatz in Potsdam, Plattenbausiedlung. Foto: Andreas Klaer
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Strategie für den Schlaatz Ein Bündnis für das Problemviertel

Die Stadtverwaltung Potsdam, Pro Potsdam und Genossenschaften wollen eine nachhaltige Strategie für den Schlaatz erarbeiten.

Potsdam - Mehr Sauberkeit im Viertel, mehr Bürgerbeteiligung und ein schickerer Fußweg: Auf diese zentralen Sofortmaßnahmen haben sich die Stadt, ihre Bauholding Pro Potsdam und mehrere Wohnungsgenossenschaften im neuen Bündnis für den Schlaatz geeinigt. Die Vereinbarung dazu liegt den PNN vor, bis spätestens Ende 2020 sollen die Punkte umgesetzt werden. Und auch Geld gibt es dafür. „Stadt und Wohnungsunternehmen stellen jeweils 100.000 Euro zur Verfügung“, sagte Rathaussprecherin Christine Homann auf PNN-Anfrage. Die Projekte seien bereits „auf unterschiedlichem Stand“ vorbereitet. Auch Fördergelder würden beantragt, so das Rathaus.

Der jüngst abgeschlossene Vertrag verpflichtet die Unterzeichner zu einer „ressortübergreifenden Zusammenarbeit“. Als Sofortmaßnahmen sind festgelegt: Eine Strategie für mehr Sauberkeit und Ordnung bis März sowie der Umbau der Wegeverbindung zwischen Magnus-Zeller-Platz und Schilfhof bis Ende 2020. Es gehe um eine „hohe Qualität und Vielfalt an Bildungs-, Freizeit-, Arbeits- und Wohnangeboten, eine bedarfsgerechte soziale und technische Infrastruktur sowie diskriminierungsfreie Lebensbedingungen und Teilhabechancen“, heißt es im Vertrag. Dafür soll ein Masterplan bis Mitte nächsten Jahres erarbeitet werden. Generell verpflichtet man sich, dass Bestandsmieter trotz der Modernisierung der Mehrfamilienhäuser nicht verdrängt werden sollen. So will die Pro Potsdam wie berichtet ihren Bestand an 2500 Wohnungen bis 2033 für insgesamt knapp 200 Millionen Euro sanieren.

Zu den beschlossenen Sofortmaßnahmen zählen unter anderem bessere Fußwege, unter anderem aus der Richtung der Kaufhalle am Schilfhof (im Bild links). Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Zu den beschlossenen Sofortmaßnahmen zählen unter anderem bessere Fußwege, unter anderem aus der Richtung der Kaufhalle am Schilfhof (im Bild links). © Andreas Klaer

Der geplante Anteil an Sozialwohnungen nach der Sanierung ist aber noch unklar – dies komme auf die Fördermittelhöhe an, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage des Linke-Stadtverordneten Hans-Jürgen Scharfenberg mit. Bei den nicht derart gebundenen Wohnungen sei nach der Sanierung von Preisen zwischen sieben und 8,50 Euro pro Quadratmeter auszugehen. Man wolle auch für ausreichend Beratung sorgen, bei der Wohnungssuche unterstützen und während der Bauzeit auch Apartments zur Verfügung stellen, hieß es. Dies habe man schon beim Projekt Gartenstadt Drewitz so gehandhabt, erklärte das Rathaus. Dort habe es nach den Baumaßnahmen noch mehr als 90 Prozent alteingesessene Mieter gegeben.

Auch Neubauvorhaben werden erwogen. Ziel sei nämlich eine „stärkere Nutzungsmischung“, gerade für die Nahversorgung und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Auch mehr Stadtteilprojekte und Beteiligungsmöglichkeiten für stärkere Nachbarschaften sind avisiert, ebenso eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit für ein besseres Image des Stadtteils. Schon im Vorfeld der jetzigen Vereinbarung hat es seit knapp drei Jahren Stadtteilkonferenzen gegeben, auch um die Themen für das Viertel zu identifizieren.

Die Plattenbausiedlung war zu DDR-Zeiten errichtet worden, es hatte nach der Wiedervereinigung aber zunächst mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen. Im Zuge des Wachstums der Stadt hatte sich der Schlaatz immer mehr auch zu einem Problemviertel entwickelt. Aktuell leben dort knapp 9500 Einwohner, der Ausländeranteil lag Ende vergangenen Jahres bei 23,5 Prozent – deutlich mehr als im Durchschnitt der Stadt, nämlich plus 14,8 Prozentpunkte. Stark erhöht im Vergleich zu anderen Stadtteilen ist am Schlaatz der Anteil der Hartz-IV-Bezieher mit 26,8 Prozent. Damit bekommt dort jeder vierte Anwohner diese Sozialleistungen – das sind plus 18,7 Prozentpunkte im Vergleich zur restlichen Stadt. 10,9 Prozentpunkte weniger hoch als im Potsdamer Durchschnitt ist am Schlaatz der Autoanteil – der liegt bei nur 27,8 Prozent. Auch die Wahlbeteiligung lag bei vergangenen Urnengängen mehr als zehn Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Stadt. Ferner wurden am Schlaatz in den letzten Jahren mehrfach schwere Straftaten verübt, auch im familiären Bereich.

Um dies alles zu durchbrechen, wollen die Bündnispartner eine gemeinsame Strategie finden, etwa mit dem besagten Masterplan samt Beteiligungskonzept für die Anwohner. Zugleich rufen die Partner eine Koordinierungsstelle für den langfristig angelegten Prozess ins Leben, nebst den in solchen Verfahren üblichen Arbeitsgruppen.

Der Plan erhält schon Vorschusslorbeeren. Es sei ein „in dieser Form in Brandenburg einzigartiges Bündnis“, „um langfristig einen lebenswerten Stadtteil für alle zu gestalten“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Allerdings sagte Matthias Pludra als Chef der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 auch, nun müsse man die „praktischen Anstrengungen aller Akteure bündeln und auf ein gemeinsames Ziel fokussieren“. Es sei schon in den vergangenen Jahren viel passiert, sagte der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“, Bodo Jablonowski: „Seit dem Jahr 2000 haben die Genossenschaften ihre mehr als 2000 Wohnungen im Schlaatz modernisiert und saniert, teilweise sogar umgebaut.“ So könne man schon jetzt moderne Wohnungen mit zeitgemäßer Ausstattung zu einem angemessenen Preis anbieten. Die Pro Potsdam hatte ihre Anstrengungen zuletzt vor allem auf Drewitz konzentriert.


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