Rodeln ist im Park Babelsberg offiziell verboten. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Update So viel Schnee wie schon seit Jahren nicht mehr Potsdams Winterdienst kämpft mit der Kälte

Winterwetter in Brandenburg. Der Deutsche Wetterdienst hat mehrere Warnungen herausgegeben. Der Verkehr läuft mit Einschränkungen - Rodler und Wintersportler aber freuen sich.

Potsdam - Der Schneefall und die Kälte stellen den Winterdienst in Potsdam vor große Herausforderungen. Die dafür beaufragte Stadtentsorgung (Step) teilte am Montag mit, durch die eisigen Temperaturen könnten Salz und Sole ihre Wirkung allerdings nicht vollends entfalten, dies sei nur bis etwa acht Grad minus möglich. „Daher sind die Straßen momentan – trotz Beräumung – nicht immer komplett bis auf den Asphalt frei“, teilte die Step am Montag mit. Auch die windbedingten Schneeverwehungen würden die Arbeit erschweren: "Die gefegten Straßen, Gehwege und Flächen können also schon nach kurzer Zeit wieder weiß sein." Reklamationen und Schäden könnten unter [email protected] gemeldet werden.

Vier Warnungen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für Potsdam am frühen Montagmorgen gleich vier "amtliche Warnungen" veröffentlicht:

  • Schneeverwehungen
  • strenger Frost
  • leichter Schneefall
  • Windböen bis zu 60 km/h.

Trotz Schnee und Glatteis ist es am Montagfrüh in Brandenburg nur zu vergleichsweise wenigen Unfällen im Straßenverkehr gekommen. Von Mitternacht bis 9 Uhr habe es 15 Unfälle mit Blechschäden und 4 weitere Kollisionen mit Verletzten gegeben, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Brandenburger Polizei. Etwa zwei Drittel dieser Unfälle seien auf das Winterwetter zurückzuführen.

Winterdienst am Montagmorgen auf der A10 bei Potsdam. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Winterdienst am Montagmorgen auf der A10 bei Potsdam. © Andreas Klaer

Das Wetter am Montag in Brandenburg

In ganz Brandenburg erwarten die Meteorologen im Tagesverlauf weiter Schneefall. Stellenweise sind am Montag bis zu 10 cm Neuschnee möglich. Immerhin soll der Wind im Tagesverlauf nachlassen. 

Nicht nachlassen wird dagegen die Kälte: Es bleibt eisig in Brandenburg. Nicht nur zum Wochenbeginn. Der Dauerfrost hat die Mark in den kommenden Tagen fest im Griff. Am Montag werden Temperaturen von -10 und -6 Grad erwartet, in den kommenden Nächten und Tagen könnte es noch etwas kälter werden.

Aufmerksame Autofahrer

Am Sonntag wurden 108 Verkehrsunfälle gezählt, darunter 57 witterungsbedingte. Die meisten Menschen waren auf die Witterung eingestellt, schwere Unfälle aufgrund von Schnee und glatten Straßen entsprechend selten. "Autofahrer haben ihre Fahrweise offenbar den Verkehrsverhältnissen angepasst", sagte eine Sprecherin des Lagedienstes des Polizeipräsidiums Brandenburg am Sonntag. Viele Autofahrer hätten ihre Fahrzeuge zudem ganz stehen lassen, entsprechend wenige Einsätze gab es für den Rettungsdienst.

Am Wochenende hatte das brandenburgische Innenministerium empfohlen, am besten zu Hause zu bleiben, Bundesinnenminister Andreas Scheuer sprach die Empfehlung sogar für den Montag aus. Dennoch werden es viele Menschen nicht vermeiden können und sind nach den Winterferien zum Wochenstart mit dem Auto unterwegs. Damit dies unfallfrei geschieht, arbeiten unter anderem die Stadtwerke Potsdam fast rund um die Uhr. 

Erfolgreich, wie es scheint. Für den Winterdienst am Sonntag haben die Stadtwerke ein durchweg positives Fazit gezogen: Mit Ausnahme von einzelnen Störungen bei der Fähre Hermannswerder und den Straßenbahnlinien 92 und 96 habe es keine größeren Probleme wegen des starken Schneefalls und der gefrierenden Nässe gegeben, teilte ein Sprecher mit. Und damit das so bleibt und die Straßen weiterhin befahrbar sind, werden die Fahrbahnen wie bereits am zurückliegenden Wochenende auch in den kommenden Nächten mit Sole präpariert, so dass diese am frühen Morgen räumfähig bzw. befahrbar sind. Gegen 10 Uhr werde dann mit der Zwischenräumung begonnen, die je nach Wetterlage bzw. Notwendigkeit wiederholt wird, teilten die Stadtwerke mit.

Kritik am Winterdienst

Kritik übte die Potsdamer Landtagsabgeordnete Marie Schäffer  (Grüne): Sie fragte am Montag via Twitter, warum etwa vor der Post in der Straße Am Kanal  der Schnee von der Autofahrbahn auf den dortigen Radstreifen geschoben werde. Das mache das Radfahren gefährlich und entspreche nicht der Winterdienstsatzung der Stadt. Das Rathaus twitterte zurück, man werde das mit der Step abklären.

Einzelne Unfälle

Gleichwohl sind die Straßen an vielen Stellen glatt. Dabei sei aber der „überwiegende Teil der Autofahrer auf die Straßenverhältnisse eingestellt und fahre entsprechend vorsichtig“, sagte ein Sprecher der Posdamer Polizei. Einzelne Unfälle gab es dennoch: So stießen zu Beispiel am Montagmorgen zwei Autos am Nauener Tor zusammen, es entstand 11 000 Euro Sachschaden. Kurz vor Mittag rutschte in der Hans-Thoma-Straße ein Auto auf ein anderes Fahrzeug.

Winterwetter in Potsdam: Die Stadtwerke sind im Einsatz. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Winterwetter in Potsdam: Die Stadtwerke sind im Einsatz. © Andreas Klaer

Straßenbahn entgleist, Müllabfuhr mit Problemen

Ganz ohne Probleme geht es dann aber auch am Montag nicht. In Potsdam bleibt der Müll teilweise stehen, die Stadtentsorgung kann aufgrund der Wetterlage nicht alle Mülltonnen abholen. Besonders in Straßen mit einem Gefälle gebe es Schwierigkeiten, teilten die Stadtwerke am Vormittag mit. 

Und auch der Straßenbahnverkehr ist betroffen. Am späten Vormittag entgleiste eine Tram am Platz der Einheit. Nach PNN-Informationen ist eine Achse des zweiten Teils der Straßenbahn der Potsdamer Verkehrsbetriebe in der Kurve bei der Einfahrt in die Haltestelle aus dem Gleis gerutscht.

Aus dem Gleis gerutscht. Am Montagvormittag kam es zu erheblichen Verzögerungen im Straßenbahnverkehr, weil eine Tram entgleist war. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Aus dem Gleis gerutscht. Am Montagvormittag kam es zu erheblichen Verzögerungen im Straßenbahnverkehr, weil eine Tram entgleist war. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. © Andreas Klaer

Zuletzt fiel 2014 so viel Schnee

Für die Potsdamer Welterbeparks stellt das Wetter laut der Schlösserstiftung übrigens kein größeres Problem dar. Denn die hier gepflanzten Gehölze seien ja gerade für kontinentales Klima mit Wintern gerüstet, sagte Stiftungssprecher Frank Kallensee den PNN – die Besonderheit der vergangenen Jahre sei eher gewesen, dass das Winterwetter weitgehend ausfiel.

Tatsächlich ist in Potsdam zuletzt Ende 2014 eine Schneedecke mit mehr als zehn Zentimetern Höhe registriert worden, wie Zahlen des Deutschen Wetterdienstes zeigen. Seit dem Winter 2017, wo noch einmal Mitte Januar bis zu neun Zentimeter Neuschnee fielen,  hatte es dann keine größeren Flockenschauer über der Stadt gegeben – bis eben diesen Februar. Der meiste Schnee der vergangenen 20 Jahre  fiel im Dezember 2010 mit bis zu 41 Zentimetern Schneehöhe, im März 1970 wurden sogar  einmal 70 Zentimeter gemessen.

In den Parks gilt ein Rodelverbot

Besucher der Parks sollten aber laut Sprecher Kallensee darauf achten, dass nur auf den Hauptwegen Eis und Schnee geräumt werde. Ferner verwies der Sprecher auf das im Park Sanssouci, im Neuen Garten und im Babelsberger Park geltende Rodelverbot, was man mit den eigenen Sicherheitskräften auch durchzusetzen versuche. Durch das Rodeln würden Böden erodiert, was auch Biotope schädige. Zudem könnten zu schnelle Rodler andere Parkbesucher im schlimmsten Fall verletzen.

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Hilfe für Obdachlose

Für obdachlose Potsdamer ist die Kälte lebensbedrohlich, vor allem nachts. Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gilt daher nach Vereinbarung mit der Stadtverwaltung die Devise: „Keiner wird abgewiesen, wir nehmen jeden auf.“ Awo-Chefin Angela Schweers sagte: „Wichtig ist, dass niemand auf der Straße erfriert.“ Die Awo betreibt in der Landeshauptstadt drei Unterkünfte für Obdachlose, die größte davon ist das Wohnheim am Lerchensteig mit insgesamt 131 Plätzen, alles Einzelzimmer. Man sei „gut belegt“, sagt Schweers, aber Platz sei dennoch: Zur Not würden Aufenthaltsräume, die Cafeteria oder andere Zimmer so hergerichtet, dass hier weitere Hilfesuchende übernachten können. Alle Neuankömmlinge werden auf Corona getestet, außerhalb der Zimmer gilt Maskenpflicht. Zu Corona-Fällen sei es bislang in keiner der Awo-Einrichtungen gekommen. Das Wohnheim ist unter der Telefonnummer (0331) 520692 erreichbar.
Dass es zu so einem langen und extremen Kälteeinbruch kommt, habe viele überrascht, sagt Schweers: „Viele Wohnungslose müssen sich jetzt umstellen, das löst natürlich viel Stress aus.“ Sorgen mache ihr vor allem, dass  es auch die Woche über  zweistellige Minusgrade geben soll: „Das ist nicht gut, wenn es so lange so kalt bleibt.“ Warme Schlafsäcke oder dicke Winterkleidung würden gerade in jeder Einrichtung der Awo dankend als Spende angenommen.
Um die Unterkünfte zu entlasten, vermittelt die Potsdamer Stadtverwaltung zusätzlich Plätze. "Aktuell haben wir an verschiedenen Standorten mehr als 100 zusätzliche Betten in Pensionen und Gästehäusern angemietet", sagte eine Sprecherin. Darüber hinaus gebe es circa 10 bis 15 Personen, die aktuell täglich das Angebot eines Schlafplatzes bekommen und die dieses Angebot ablehnen. „Sie werden mit warmen Getränken, Decken und Schlafsäcken versorgt.“

Wer einen Schlafplatz sucht, kann sich montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr an den Fachbereich Wohnen der Stadtverwaltung in den Verwaltungsräumen Behlertstraße 3a Haus M/N wenden oder in dringenden Fällen die Arbeitsgruppe Unterbringung über die Telefonnummer (0331) 28 92 448 kontaktieren. Sowohl die AWO als auch die Stadtverwaltung rufen dazu auf, besonders auf hilfsbedürftige Menschen in der Stadt zu achten und notfalls Hilfe anzubieten oder die Streetworker von Creso zu kontaktieren (erreichbar unter den Telefonnummern 0176/12109896 oder 0176/12109877 ).

Verspätungen und Ausfälle besonders im Süden Brandenburgs 

Schnee und Glätte sorgen am Montag vor allem im Süden Brandenburgs für Verspätungen und Ausfälle im Zugverkehr. Wie die Deutsche Bahn am Montagmorgen mitteilte, sind in erster Linie die Regionen um Cottbus und Calau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) betroffen. In den übrigen Regionen Brandenburgs komme es nur vereinzelt zu Verspätungen und Ausfällen. Hier laufe der Schienenverkehr trotz der extremen Wetterlage weitgehend reibungslos.

In Cottbus wurde allerdings am Montagvormittag der Straßenbahnverkehr komplett eingestellt. Grund seien Weichenstörungen durch Schneeverwehungen und vereinzelte Stromausfälle. Auf sämtlichen Straßenbahnlinien wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingesetzt. Sämtlich Räum- und Gleispflegefahrzeuge seien im Einsatz, damit der Straßenbahnbetrieb möglichst bald wieder starten könne, meldete das Verkehrsunternehmen.

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