Empfang der Ehrenamtler am Samstag in der Potsdamer Staatskanzlei Potsdam. Foto: Sabine Schicketanz
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"Sie sind Brandenburg!“ Empfang für Ehrenamtler in der Staatskanzlei

Holger Catenhusen

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke und Ministerpräsident Dietmar Woidke ehren Ehrenamtler aus Brandenburg. Vier engagierte Menschen stellen die PNN stellvertretend hier vor.

Potsadm - Zum traditionellen Ehrenamtsempfang in der Brandenburger Staatskanzlei am Samstag waren über 90 Ehrenamtler aus allen Teilen Brandenburgs nach Potsdam gekommen. Im Brandenburg-Saal der Staatskanzlei würdigten Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke und Ministerpräsident Dietmar Woidke, der mit seinem gesamten Kabinett anwesend war, die vielen ehrenamtlich Tätigen im Land Brandenburg. An großen runden Tischen sitzend, wurde den Ehrenamtlern nicht nur mit Worten, sondern auch mit einem Festessen für ihr Engagement gedankt.

„Das kann man eigentlich gar nicht genug würdigen“, sagte Liedtke über das ehrenamtliche Wirken. Durch die unentgeltliche Tätigkeit der vielen Freiwilligen werde die Identität Brandenburgs „auf ganz besondere Weise geprägt“. Ähnlich äußerte sich Woidke, der, an die Ehrenamtler gerichtet, sagte: „Sie sind Brandenburg!“ Die Staatskanzlei geht davon aus, dass ungefähr ein Drittel der Brandenburger ehrenamtlich aktiv ist.

Liedtke kam jedoch auch auf eine beschämende Seite Brandenburgs zu sprechen. Denn wie berichtet werden immer wieder - häufig ebenfalls ehrenamtlich arbeitende - Kommunalpolitiker, die sich für Flüchtlinge einsetzen, ein Ziel von Hassattacken. Es dürfe nicht sein, so Liedtke, dass solche Menschen teils nicht mehr ruhig schlafen könnten.

Die Landtagspräsidentin bat die Ehrenamtler aus den unterschiedlichsten Bereichen auf dem Empfang, „unser Land auch in Zukunft mitzugestalten“.


Mit Bienenwachs und Detektiven

Der Umweltschutz ist ihre Passion. Sonja Höpfner aus Potsdam engagiert sich seit fast 20 Jahren ehrenamtlich in der Naturschutzjugend, der Nachwuchsorganisation des Naturschutzbundes (Nabu). Die Horterzieherin bringt Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Projekten die Natur nahe. So ist Höpfner bei den Umweltdetektiven aktiv, einem Angebot der Naturschutzjugend, das sich hauptsächlich an Familien mit Kindern richtet. Einmal im Monat treffen sich die Umweltdetektive zu ganz unterschiedlichen Unternehmungen. „Wir besuchen grüne Orte“, sagt Höpfner.

Sonja Höpfner aus Potsdam. Foto: Sabine Schicketanz Vergrößern
Sonja Höpfner aus Potsdam. © Sabine Schicketanz

Die Ökolaube am Rande des Potsdamer Stadtteils Schlaatz stand bereits ebenso auf dem Besuchsprogramm wie eine Kräuterwanderung, auf der die Teilnehmer Lippenbalsam herstellten, den sie in einer Walnussschale verpackten. Abgedichtet wurde das Naturprodukt dann mit Bienenwachs, berichtet Höpfner. Auch an Potsdamer Schulen setzt sich die Nabu-Ehrenamtlerin für eine umweltgerechte praktische Bildung von Kindern ein. Höpfner stellt hier gemeinsam mit Kindern zum Beispiel Tücher aus Bienenwachs her. Plastik und Müll vermeiden - „das ist ein sehr beliebtes Thema“, sagt Höpfner. Mit ihrem Engagement wolle sie ihre Begeisterung für die Natur an die Kinder und Jugendlichen weitergeben.

Für Sport und Weihnachten

In Sachen Sport ist der 61-jährige Klaus-Dieter Bartsch eine Institution in Werder (Havel). Seit mehr als einem Vierteljahrhundert führt er als Präsident den Werderaner Fußball-Club Viktoria 1920. Der Verein begeht in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Bartsch ist ziemlich genau halb so lange dabei: 1969 trat er in den Verein ein. Derzeit spielt man in der 6. Liga. Zum diesjährigen Vereinsjubiläum soll es ein ganz besonderes Fußballspiel geben. Die erste Männermannschaft von Viktoria 1920 erwartet dann in der Blütenstadt an der Havel die Bundesligamannschaft von Hertha BSC Berlin zu einem Kick. „Die Zusage von Michael Preetz habe ich“, sagt Bartsch.

Klaus-Dieter Bartsch aus Werder (Havel). Foto: Sabine Schicketanz Vergrößern
Klaus-Dieter Bartsch aus Werder (Havel). © Sabine Schicketanz

Seit 1992 führt der fußballbegeisterte Werderaner ehrenamtlich auch den Stadtsportverband Werder. Hier sind über 40 Vereine organisiert. „Projekte fertigzubekommen und sich daran zu erfreuen“, motiviere ihn, sagt Bartsch. Sein Respekt gelte jedoch den vielen Übungsleitern in den Vereinen. Beruflich ist Bartsch ebenfalls im Sport zu Hause. Im Werderaner Rathaus kümmert er sich um die Belange des Sports in der Blütenstadt. Alljährlich zu Weihnachten schlüpft Sportsmann Bartsch allerdings in eine ganz andere Rolle: Er besucht ehrenamtlich als Weihnachtsmann fast alle Kindertagesstätten in Werder sowie auch etliche Familien. „Ja, das mache ich sehr gerne.“

In Kleiderkammer und Suppenküche

Manche nennen sie Mutter Theresa, berichtet Renate Maaß. Die 67-jährige Potsdamerin ist seit rund 15 Jahren ehrenamtlich bei der Volkssolidarität aktiv. Dort arbeitet sie auf dem Gelände der Stadtverwaltung in der Kleiderkammer der Volkssolidarität. Hier kommt gespendete Kleidung an, muss durchgesehen und sortiert werden. „Ich bin fast jeden Tag in der Kleiderkammer“, sagt die Ehrenamtlerin. Sie sei gern unter Leuten. „Ich gehe auf Menschen zu und helfe immer.“ Auch ihr Ehemann Bernd Maaß arbeitet bei der Volkssolidarität in Potsdam mit. Er kümmert sich - ebenfalls ehrenamtlich - um die Suppenküche, bringt die Waren, die hier verarbeitet werden, mit dem Auto heran. „Ich hole Spenden von Hotels und anderen Einrichtungen“, erzählt Maaß. Er stamme aus einer kinderreichen Familie, „wo man gelernt hat, Hilfe zu leisten“, sagt der 72-jährige Maschinenbauingenieur, der seit einigen Jahren im Ruhestand ist.

Renate und Bernd Maaß aus Potsdam. Foto: Sabine Schicketanz Vergrößern
Renate und Bernd Maaß aus Potsdam. © Sabine Schicketanz

Als junger Mensch arbeitete er Ende der 1960er Jahre an der Kuppel des Fernsehturms auf dem Berliner Alexanderplatz mit. Für die Zukunft der Kleiderkammer und der Suppenküche wünscht sich das Ehepaar Maaß, „dass die Spendenbereitschaft weiter so positiv“ ist. Nicht nur Textilien und Lebensmittel, auch Geld werde für die Volkssolidarität gespendet.   


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