Thomas Drachenberg (57), brandenburgischer Landeskonservator, aus Langerwisch. Foto: foto-wg
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Serie | Krisentagebuch Thomas Drachenberg (57) bleibt gelassen

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Das erzählen sie im Krisentagebuch der PNN. Heute berichtet Thomas Drachenberg, brandenburgischer Landeskonservator, der in Langerwisch wohnt.

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Wie kommen sie im neuen Alltag zurecht? Was bewegt sie - und was macht ihnen Freude? Wir führen ein Krisentagebuch und fragen nach, wie es den Menschen in unserer Stadt geht.

Wie sieht Ihr neuer Alltag aus?

Ich bin weniger im Land unterwegs, dafür gibt es neue Gesprächsformate: Videokonferenzen ersetzen lange Dienstreisen. In meinem Seminar sitzen die Studies über die ganze Welt verteilt und diskutieren online denkmalfachliche Fragen. In unserer Familie findet die Kommunikation auf diesem Weg über mehrere Generationen statt.

Was fällt Ihnen in der momentanen Situation am schwersten?

Ich singe im Kirchenchor und ein paar Tage vor unserem großen Konzert kam der Shutdown – kein Singen, keine Gottesdienste, kein Badminton, bis vor kurzem keine Physiotherapie. Ich musste mir meinen Ausgleich neu organisieren: Ich fahre jetzt viel Fahrrad und die Sport-App zu Hause funktioniert ja weiter. Der direkte Kontakt zu vielen Menschen fehlt.

Was ärgert Sie am meisten?

Für mich überraschend erlebe ich bei uns, wie eine Demokratie es schafft, über das Erklären und Verstehen hocheffektiv bei notwendigen drakonischen Maßnahmen zu sein. In Weißrussland erklärt der Präsident den Leuten dagegen, dass sie lieber mehr Trecker fahren sollen. Mich ärgern Demonstrationen gegen ein Virus und das schreiende Flüstern von abstrusen Parallelwelten.

Worüber haben Sie sich in den letzten Tagen gefreut?

Über die Solidarität im Alltag und in der Gesellschaft: Es wurden die schwachen Menschen nicht isoliert und zu Gunsten der Starken aufgegeben.

Ihr persönlicher Tipp zum Umgang mit der Krise?

Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die derzeit Großartiges leisten. Aufmerksamkeit gerade im Arbeitsumfeld, um erkennen zu können, wer mehrfach belastet ist. Und zunehmende Gelassenheit als Denkmalpfleger: Gehen Sie doch mal in eine mittelalterliche Dorfkirche im Fläming. Sie sehen an den Epitaphien, dass die heutige moderne Pandemie ihre historischen Vorbilder hat. Damals hat die Menschheit das unter äußerst widrigen Umständen manchmal nur knapp durchgehalten – das werden wir doch heute garantiert besser schaffen!

Sie möchten selbst mitmachen oder kennen jemanden, den wir für unser Krisentagebuch befragen sollten? Schicken Sie uns eine E-Mail an [email protected], wir freuen uns über Ihre Nachrichten!

Alle Teile unserer Serie zum Nachlesen

Teil 1: Christian Neusser über kleine Freuden im Corona-Alltag

Teil 2: Bei Eszter Kalmár ist bisher alles entspannt

Teil 3: Jann Jakobs über nervige Ignoranten und Panikmacher

Teil 4: Jihan Alam nutzt die Zeit mit ihren Töchtern

Teil 5: Ute Parthum freut sich über Kulturangebote im Internet

Teil 6: Wolfgang Bivour ärgert sich über Hamsterkäufer

Teil 7: Uta Gerlant freut sich über Menschen mit Improvisationstalent

Teil 8: Susanne Halke (41) tut der Dank der Kunden gut

Teil 9: Julien Norman Melke (26) meistert den harten Alltag

Teil 10: Jenny Gartemann (32) hat endlich Zeit zum Planen

Teil 11: Christine Anlauff (49) entdeckt Park Sanssouci neu

Teil 12: Ariane Füchtner (53) setzt auf Hüpfen und Yoga

Teil 13: Sven Stricker (49) bleibt ruhig und freundlich

Teil 14: Susanne Fienhold Sheen (53) wünscht sich mehr Contenance

Teil 15: Matthias Michel (49) behält seinen Galgenhumor

Teil 16: Lydia Poppe (59) geht gegen Ängste vor

Teil 17: Gisela Rüdiger (72) beschäftigt sich viel im Garten

Teil 18: Mathias Selbach (43) wünscht sich Licht am Ende des Tunnels

Teil 19: Björn O. Wiede (58) fehlen die Proben mit dem Nikolaichor

Teil 20: Marie-Luise Glahr (48) hat gut zu tun

Teil 21: Renate Schmidt-Reichstein hört auf das Glockenläuten

Teil 22: Marcus Golter (54) freut sich über Selfies und Spargel

Teil 23: Mytran Xhyra (44) hofft, dass weniger gemeckert wird

Teil 24: Else Vösgen (92) fehlen Umarmungen

Teil 25: Simon Plate (33) blickt zum Himmel

Teil 26: Anna Tauschke (38) geht raus in die Natur

Teil 27: Jenne Baule-Prinz (53) hat eine Liste zum Freuen

Teil 28: Christoph Freytag (37) ärgert sich über Panikmache

Teil 29: Jan Kretzschmar (49) versucht Ruhe zu bewahren

Teil 30: Carolin Huke (33) engagiert sich vielseitig

Teil 31: Nadja von Saldern (53) übt sich in Selbstliebe

Teil 31: Julia Förster (26) kommen die Belange der Kinder zu kurz

Teil 32: Fabian Vallone ruft zu Unterstützung auf

Teil 33: Erich Benesch (57) radelt in Ruhe

Teil 34: Nina Gummich (28) hat ihre letzte Gage gespendet 

Teil 35: Andrea Peters (56) freut sich, wenn es wieder losgehen kann

Teil 36: Matthias Müller (56) ist im Tiefschlaf

Teil 37: Anne Braun (34) gestaltet den Balkon opulent

Teil 38: Christine Handke (53) fehlt die Mimik

Teil 39: Claire Dörfer (43) wird nicht resignieren

Teil 40: Ludger Brands (63) steigt aufs Rennrad

Teil 41: Marianne Seibert (71) fehlt der Kontakt zu anderen Menschen

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