Anwohner loben besonders die gut ausgestatteten Spielplätze zwischen den Wohngebäuden in der Brunnenallee. Foto: Ottmar Winter
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Serie "Das neue Potsdam" Teure Stille

Potsdam wächst und wächst: An vielen Orten in der Stadt wird gebaut, neue Quartiere entstehen In unserer PNN-Serie „Das neue Potsdam“ gehen wir auf Entdeckertour. Heute im Brunnenviertel.

Potsdam - Es ist ruhig im Brunnenviertel. Eine leichte Brise weht durch das Neubauviertel im Süden Potsdams. Das lauteste Geräusch macht eine Krähe, die in der Nähe sitzt. Die Autos auf der vorbeiführenden Heinrich-Mann-Allee sind nur schwach wahrzunehmen. Zwischen ihnen und der Bebauung stehen einige hohe Bäume. Das Viertel kurz vor dem Ortsausgangsschild gehört zu den zahlreichen Neubauvierteln, die in Potsdam in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Der Mann mit dem orangenfarbenen T-Shirt, der seinen Namen nicht nennen will, führt gerade seinen Hund Gassi. Davon gebe es viele im Viertel, erzählt er. Mit dem nahen Wald stehe auch viel Auslauf zur Verfügung. 2018 sei er eingezogen, als alles neu war. Überhaupt gefalle ihm das viele Grün in der Umgebung und die Ruhe. Eigentlich gebe es alles, was er brauche. Nur billig sei das alles nicht. Wie viel Miete er zahlt, will er aber nicht sagen.

Einkaufen könne man in mehreren Nahversorgern in der Waldstadt, die alle nicht weit weg seien. Die Autos fänden in mehreren Tiefgaragen Platz. Durchgangsverkehr gebe es nicht. Das liegt daran, dass es ins Brunnenviertel nur eine Zufahrt von der Heinrich-Mann-Allee auf das Areal des ehemaligen Plattenwerks gibt. Die Brunnenallee zweigt stadtauswärts links von der Ausfallstraße Richtung Rehbrücke ab und führt fast bis zum Ende des Gebiets. Von dort geht es in einer langen Schleife zurück. Dieser Teil trägt den Namen Sophie-Alberti-Straße, nach einer früheren Potsdamer Schriftstellerin.

370 Miet- und Eigentumswohnungen sind entstanden

Auf dem knapp 50.000 Quadratmeter großen Areal, das nach einem Springbrunnen in der Mitte des Ensembles benannt ist, sind nach Angaben des Investors KW-Development GmbH knapp 370 Miet- und Eigentumswohnungen entstanden. Inzwischen sind alle verkauft. Von der Einfahrt aus gesehen befinden sich links die Wohnhäuser: Erst ein Riegel zur Heinrich-Mann-Allee, dahinter acht Stadtvillen in zwei Reihen, dann wieder ein Riegel und schließlich noch eine Stadtvilla als Abschluss – je mit fünf Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss. Zwischen den Wohnhäusern gibt es mehrere schön gestaltete Spielplätze.

Tatsächlich plätschert im Brunnenviertel ein Brunnen.  Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Tatsächlich plätschert im Brunnenviertel ein Brunnen.  © Ottmar Winter

Ganz am Ende der Straße hat 2020 die Kita Kasimir & Suse eröffnet. 130 Kinder vom ersten Lebensjahr bis zur Einschulung werden dort auf drei Etagen betreut. Träger ist die Kinderwelt. Man setze auf eine bewegungsreiche und naturnahe Pädagogik, heißt es auf der Webseite. Dabei war der Bedarf zunächst bezweifelt worden. 2019 stimmte die Stadtverwaltung dann doch zu, als klar wurde, dass es im Brunnenviertel auch viele Arbeitsplätze geben würde.

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Zwischen der Sophie-Alberti-Straße und der Brunnenallee stehen drei Bürogebäude. Weitere drei sind zwischen der Straße und der Bahnlinie. Daneben befindet sich das Gelände des Potsdamer Tennisclubs Rot-Weiss. Größter Gewerbemieter mit rund 8000 Quadratmetern ist der Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB), der mit über 500 Mitarbeitern die Liegenschaften und Immobilien des Landes verwaltet und vermietet sowie alle Baumaßnahmen der Landesverwaltung durchführt. Am Eingang ist auch ein Teil des Präsidiums der Bundespolizei vorübergehend eingezogen, bis dessen Neubau am Horstweg fertig ist.

Zwei weitere Bürogebäude sollen ab diesem Jahr entstehen. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Zwei weitere Bürogebäude sollen ab diesem Jahr entstehen. © Ottmar Winter

Alles andere als abgelegen

Das Brunnenviertel liegt zwar kurz vorm Potsdamer Ortsausgang, aber dennoch alles andere als abgelegen. Nur 350 Meter sind es zum Bahnhof Rehbrücke, an dem die Züge der Linien RE 7 und RB 33 halten. In einer halben Stunde kommt man zum Berliner Hauptbahnhof. Zum Potsdamer Hauptbahnhof sind es mit den Straßenbahnlinien 91 oder 93 nur elf Minuten. Sie fahren im Zehn-Minuten-Takt.

Die gute Verkehrsanbindung loben auch Steffi und David Winter. Auch einkaufen könne man gut. Dennoch sind sie gerade dabei die Wohnung, in der sie die vergangenen Jahre gelebt haben, für die Übergabe herzurichten. „Wir ziehen weg“, sagt David Winter. Das zweite Kind sei unterwegs, man brauche mehr Platz. Aber eine Vier-Zimmer-Wohnung koste im Brunnenviertel rund 1600 Euro im Monat. „Das können wir uns als Normalverdiener nicht leisten.“

Familie Winter zieht wegen der hohen Kosten fort. Foto: Marco Zschieck Vergrößern
Familie Winter zieht wegen der hohen Kosten fort. © Marco Zschieck

Ganz fertig ist das Brunnenviertel noch nicht. Es gibt zwei freie Baufelder. Doch noch im Spätsommer könnte der Bau von zwei weiteren Bürogebäuden beginnen, sagte Investor Jan Kretzschmar den PNN. Im Frühjahr 2024 könnten sie fertig sein. 

Entstehen soll zwischen den Straßen ein Bürogebäude mit rund 3700 Quadratmetern Fläche, analog zu den beiden benachbarten Gebäuden. Auf der kleineren Fläche neben dem Kindergarten soll ein Bürogebäude mit rund 2500 Quadratmetern Fläche entstehen. „Die Mieter stehen noch nicht fest.“ Es gebe aber Gespräche.

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