Foto: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)

Sensationsfund im Neuen Palais 1000 Privatbriefe der letzten deutschen Kaiserin entdeckt

Beim Aufräumen im Neuen Palais hat die Schlösserstiftung eine sensationelle Entdeckung gemacht. Die Briefe der Kaiserin haben die Zeit in einem verborgenen Schrank überdauert.

Potsdam - 1000 bislang unbekannte Privatbriefe der letzten deutschen Kaiserin sind im Neuen Palais in Potsdam zufällig gefunden worden. Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) haben die Briefe bei Aufbauarbeiten für die aktuelle Ausstellung „Kaiserdämmerung“ entdeckt, wie die Stiftung am Mittwoch mitteilte. Die Briefe wurden laut SPSG zwischen 1883 und 1886 an die damalige Kronprinzessin Auguste Victoria (1858-1921) geschrieben.

Im Jahr 1888 wurde Auguste Victoria Königin von Preußen und deutsche Kaiserin. Die Briefe hätten die Zeit in einem verborgenen Schrank im Neuen Palais überdauert, hieß es. Gefunden wurden das Konvolut privater Briefe vollkommen unerwartet. Die Absender stammen aus dem familiären Umfeld, etwa von Mitgliedern der Hohenzollern sowie des Hauses Schleswig-Holstein, dem Auguste Victoria angehörte.

Historischer Rückblick: Um Datenschutz sorgte sich auch Preußens letzte Kaiserin Auguste Victoria (1858 - 1921). Nach der Abdankung des Kaisers im November 1918, als sie selbst übergangsweise in der Potsdamer Villa Ingenheim lebte, sollen am 21. November Abgesandte des Arbeiter- und Soldatenrates bei Auguste Victoria erschienen sein. Sie wollten, dass die Ex-Kaiserin die Korrespondenz ihres Mannes herausgab. Aber die hatte Auguste Victoria da schon verbrannt – laut mehrerer Zeugenaussagen, schreibt der Potsdamer Historiker und Hohenzollernexperte Jörg Kirschstein in seinem Buch „Das Neue Palais in Potsdam“. Auch im Schreibtisch Auguste Victorias im Neuen Palais war nichts mehr zu finden – Kammerfrau Susanne Chales de Beaulieu zeigte den Abgesandten die leeren Fächer. Wenige Tage später folgte die ehemalige Kaiserin ihrem Gatten ins niederländische Exil.

Ein Teil ihrer eigenen Korrespondenz verblieb jedoch im Neuen Palais: gut versteckt in dem verborgenen Schrank und zu kleinen, versiegelten Päckchen sortiert. Wann und wo genau sie gefunden wurden, was mit den Briefen geschehen wird – das alles will die Schlösserstiftung noch nicht beantworten. Auch zum Inhalt der Korrespondenz gibt es noch keine Aussage der Stiftung. Ein Pressetermin ist für Dienstag anberaumt.

Auguste Victoria war mit Kaiser Wilhelm II. verheiratet, sieben Kinder hatte das Paar. Die Kaiserin war sozial sehr engagiert, unterstützte insbesondere Einrichtungen für die Bildung von Frauen und Mädchen sowie karitative Organisationen. Sie lebte von 1889 bis 1918 mit ihrer Familie im Potsdamer Neuen Palais.

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