An der Universität Potsdam gilt weiterhin Maskenpflicht (Archivbild). Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Semesterbeginn in Potsdam Studieren wie früher – nur mit Maske

An der Universität und den Potsdamer Hochschulen fallen mit dem Start des Sommersemesters fast alle Corona-Beschränkungen weg. Doch die Pandemie hat Spuren hinterlassen.

Potsdam - Aufatmen unter Vorbehalt: Nach zwei Jahren Pandemie, Online-Lehre und verwaisten Mensen kehrt ein großes Stück Normalität in den Potsdamer Unialltag zurück. Sowohl an der Universität Potsdam als auch an der Fachhochschule Potsdam (FH) ist das Sommersemester komplett in Präsenz gestartet. Einschränkungen gibt es keine mehr – mit Ausnahme der Maskenpflicht.

„Wir erfahren aus den Fakultäten sowohl von Lehrenden als auch von Studierenden große Erleichterung darüber, dass mit dem Beginn der Vorlesungszeit nun wieder ein großer Schritt in eine Richtung gemacht werden kann, die uns allen so vertraut und doch momentan so fremd ist: Präsenzlehre“, schreibt Andreas Musil, Vizepräsident für Lehre und Studium der Uni Potsdam in einer Rundmail vom 11. April. Sicherlich deuteten die Masken noch auf eine Zeit hin, die man nun hinter sich lasse, so Musil: „Aber das sollte auch das letzte Relikt aus den vergangenen vier Semestern sein.“

„Es wird ein komplettes Präsenzsemester geplant“

Abstandsregeln, 3G, 2G, Kontaktnachverfolgung – laut der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes sind all diese Maßnahmen an Hochschulen nicht mehr nötig. „Es wird ein komplettes Präsenzsemester geplant“, sagt Uni-Sprecherin Silke Engel. „Unsere Raumkapazitäten können wieder zu hundert Prozent ausgeschöpft werden.“ In allen Innenräumen sowie während Lehrveranstaltungen muss dennoch weiter eine Maske getragen werden, empfohlen wird eine FFP2-Maske, eine OP-Maske reicht jedoch aus. Studierende, die sich aus Sicherheitsgründen dennoch testen wollen, können dies tun: An allen Uni-Standorten sollen wieder Teststellen öffnen.

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Auch wenn Vorlesungen und Seminare wieder in Präsenz stattfinden, werden viele Veranstaltungen zusätzlich online gestreamt: Dadurch wolle man im Sinne der Inklusion eine bessere Teilhabe am Studium ermöglichen, so Andreas Musil. „Wir bitten aber auch alle Studierenden um Verständnis dafür, dass nicht jede Lehrveranstaltung sich für die digitale Lehre eignet“, so der Vizepräsident. In den kommenden Monaten soll an einem Konzept zum Ausbau der digitalen Lehre gearbeitet werden, allerdings setzt die Uni auch im Herbst komplett auf Präsenz: „Das Wintersemester soll ohne Restriktionen laufen“, sagt Engel.

FH führt digitale Angebote fort

Ähnlich sieht es an der FH aus: „Ein Großteil der Lehrveranstaltungen findet erfreulicherweise wieder in Präsenz statt, aber auch digitale Angebote werden fortgeführt und wir profitieren von den Erfahrungen der letzten Jahre“, sagt FH-Sprecherin Dorothee Gümpel. Mit Beginn des Semesters entfällt an der FH die 3G-Regel für alle Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter:innen. „Der Krisenstab empfiehlt weiterhin – zur eigenen Sicherheit und zur Sicherheit für andere – sich regelmäßig in einem Testzentrum testen zu lassen oder sich selbst zu testen“, so Gümpel. Das örtliche Testzentrum wird fortgeführt.

Masken müssen weiter in Innenräumen getragen werden, doch es gibt Ausnahmen: „Lehrkräfte, die sich in der sogenannten ‚Teaching Zone' mit ausreichend Abstand zu den Studierenden aufhalten, können zur besseren Verständlichkeit auf das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung verzichten“, sagt Gümpel. In Räumen, die von einem festen Personenkreis genutzt werden, kann auf Masken verzichtet werden, sofern auf Mindestabstand geachtet und regelmäßig gelüftet wird.

Mensen rechnen mit mehr Zuspruch

Auch das Campus-Leben normalisiert sich langsam: Die Mensen haben schon seit längerem wieder wie üblich geöffnet, doch derzeit liegen die verkauften Essensportionen nur bei etwa 70 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Semestern. „In nächster Zeit bei mehr Präsenz an den Hochschulen rechnen wir mit einer weiterhin steigenden Auslastung“, sagt Josephine Kujau, Sprecherin des Studentenwerks Potsdam.

Aktuell ist der Krankenstand beim Personal sehr hoch, sodass die Cafeterien nicht wie geplant nach Ostern alle auf einmal wieder aufmachen können. „Zwar konnten wir alle Stellen in den letzten zwei Jahren erhalten, der Personalumfang ist dennoch um circa 15 Prozent geschrumpft, da auslaufende Stellen – wegen Ende der Vertragslaufzeit oder Renteneintritt – nicht nachbesetzt werden konnten“, sagt Kujau. Auch in den Mensen herrscht weiterhin Maskenpflicht.

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Ein weiterer Schritt Richtung Vor-Corona-Zeiten: Nach Ostern ist der Verwaltungssitz des Studentenwerks am Potsdamer Hauptbahnhof wieder zugänglich. „Dann bieten das Amt für Ausbildungsförderung, die Wohnheimverwaltung und der Bereich Beratung und Soziales wieder feste Sprechzeiten vor Ort an“, sagt Kujau.

Viele Studierende berichteten von Erschöpfung, Müdigkeit und Überforderung

Während äußerlich einiges wieder normal zu sein scheint, sind viele Studierende nach den letzten Monaten psychisch ausgezehrt: „Die Inanspruchnahme der psychosozialen Beratung ist im Wintersemester deutlich gestiegen“, sagt Kujau. Neben einer gestiegenen Anzahl an Erstberatungen zeigte sich im Vergleich zum Vorjahr ein stark erhöhter Bedarf für Folgegespräche. Viele Studierende berichteten in der Beratung von Erschöpfung, Müdigkeit und Überforderung, sagt Kujau: „Häufige Themen waren neben individuellen persönlichen Problemen depressive Stimmungen, Sorgen und Ängste. Häufig berichteten Studierende zudem von existenziellen Sorgen im finanziellen Bereich oder die Wohnsituation betreffend.“

Dass das Wintersemester zunächst in Präsenz begonnen hatte, nur um kurz darauf wieder hybrid oder online stattzufinden, habe bei vielen für Verunsicherung gesorgt und ihnen organisatorisch einiges abverlangt. „Bei vielen haben sich zudem während der vergangenen Corona-Semester die zu erbringenden Studienleistungen in der einen oder anderen Form aufgestaut und müssen noch abgearbeitet werden“, sagt Kujau. Die Folge: Die Studienzeiten verlängern sich.

Noch etwas hat das Studentenwerk mit Sorge registriert: „Auffallend zugenommen hat der konkrete Bedarf nach ambulanter Psychotherapie und die damit verbundene Therapieplatzsuche“, sagt Kujau. Die Versorgungslage in diesem Bereich sei jedoch problematisch, die Suche gestaltet sich oft aufwändig und ist mit langen Wartezeiten verbunden.

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