Die neue Fahrradstraße an der kleinen Heinrich-Mann-Allee. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Radverkehr in Potsdam Fahrradfahrer geben Tempo vor

In einer Nebenstraße der Heinrich-Mann-Allee ist die vierte Potsdamer Fahrradstraße eröffnet worden. Für den ADFC ist das "kein Durchbruch". 

Potsdam - Auf einer Nebenfahrbahn der Heinrich-Mann-Allee haben Fahrradfahrer seit Dienstag Vorrang. Auf 1,5 Kilometern Länge dürfen sie nebeneinander fahren, auch wenn Autofahrer nicht überholen können. Der Grund: Der Status der Straße wurde geändert. Bei der sogenannten kleinen Heinrich-Mann-Allee zwischen der Drevesstraße und Am Försteracker handelt es sich nun offiziell um eine Fahrradstraße. Zwar können Anlieger und der Lieferverkehr die Straße weiterhin benutzen und dort parken, Fahrradfahrer geben allerdings das Tempo vor.

„Wir zeigen damit deutlich, wer hier Vorrang hat“, sagt Bernd Rubelt (parteilos), Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt der Landeshauptstadt Potsdam. Statistiken zeigten, dass immer mehr Menschen das Fahrrad nutzen. Deshalb wolle man deutlich machen, dass das Fahrrad an erster Stelle steht. Potsdams Radverkehrsbeauftragter, Torsten von Einem, ergänzt: „Die Straße ist sehr schmal. Autos können ohnehin nicht überholen. Wir wollten deshalb ein Zeichen setzen.“ 

ADFC kritisiert radfahrerfeindliche Mentalität

In den Jahren 2009 und 2018 fanden Erhebungen zum Fahrradverkehr in der Nebenfahrbahn der Heinrich-Mann-Allee statt. An Werktagen wurde der Verkehr über sechs Stunden lang gezählt. Die Auswertung habe ergeben, dass der Radverkehr bei allen Zählungen dominant war. Unter anderem habe man sich deshalb für die Änderung starkgemacht.

Weniger euphorisch bewertet Ulf Hildebrand, Sprecher des Potsdamer Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die neue Fahrradstraße. Auf PNN-Anfrage teilte er mit, dass er die Bemühungen der Stadt schätze, sich aber im Wesentlichen nicht viel für die Fahrradfahrer verändern werde: „Es wird nur eine Beschilderung angebracht. Klar werden dadurch die Vorfahrtsregeln umgestellt, aber Radfahrer fahren dort schon immer entlang und haben mit dem Anwohnerverkehr zu kämpfen.“ Er kritisiert, dass noch immer eine fahrradfeindliche Mentalität herrsche. „Aus diesem Grund ist eine Fahrradstraße durchaus gut, sie macht die Verhältnisse klarer“, so Hildebrand. Auch erhöhe sich dadurch die Sicherheit für die Fahrradfahrer. 

"Kein Durchbruch"

Hildebrand wolle die Fahrradstraße aber keineswegs kritisieren. Er spricht von einem „positiven Signal“ aber „keinem Durchbruch“. Gleichzeitig habe er aber dafür Verständnis, dass die Ressourcen der zuständigen Behörden beschränkt sind und deshalb größere Umbauten wie bei der Zeppelinstraße, bei der eine Spur an Fahrradfahrer abgegeben wurde, oft nicht möglich seien. 

Mit der kleinen Heinrich-Mann-Allee hat Potsdam inzwischen vier Fahrradstraßen. Die erste wurde vor knapp sieben Jahren eröffnet. Am Park Babelsberg haben Fahrradfahrer zwischen dem Mühlentor bis zum Uferweg auf etwa 700 Metern Vorrang gegenüber Autofahrern. Nur Anlieger dürfen dort durch die Straße fahren. Eine zweite Fahrradstraße gibt es in Potsdam seit 2014. Sie verläuft in der Nebenfahrbahn der Berliner Straße. Wie auch am Park Babelsberg dürfen dort nur noch Anlieger fahren, wenn die Strecke mit dem Zusatzschild „Anlieger frei“ extra freigegeben ist. Auch Lieferfahrzeuge sind in diesem Bereich noch erlaubt. Im selben Jahr wurde auch die Fahrradstraße Am Urnenweg in Golm eröffnet. Insgesamt haben die Fahrradstraßen in Potsdam eine Länge von 4,5 Kilometern.

Dieses Netz soll in Zukunft ausgebaut werden, sagt Radverkehrsbeauftragter von Einem. So plant man, die Stahnsdorfer Straße zwischen Paul-Neumann-Straße und August-Bebel-Straße zur Fahrradstraße zu machen. Weitere Prüfungen seien für den Golmer und Galliner Damm sowie die Feuerbachstraße vorgesehen. 

Polizei macht Sondereinsätze

Die Erfahrungen seien bisher überwiegend gut, sagt von Einem: „Beschwerden von Radfahrern, die in Fahrradstraßen von nachfolgenden Autofahrern bedrängt wurden, liegen nicht vor.“ Allerdings habe man beobachten können, dass in der Nebenfahrbahn der Berliner Straße Radfahrer auch in entgegengesetzter Fahrtrichtung fahren, obwohl die Fahrradstraße nur stadtauswärts zu nutzen ist. 

Ob sich die Verkehrsteilnehmer an die neuen Regeln halten, werde überprüft. Polizeisprecherin Juliane Mutschischk teilte mit, dass die Polizei im „normalen Tagesgeschäft“, aber auch in Form von Sondereinsätzen, Verkehrskontrollen im gesamten Stadtgebiet durchführe. Auch Heiko Schenk vom Verkehrsmanagement der Stadt Potsdam teilte mit, dass die Polizei und das Ordnungsamt informiert seien und den neuen Status der Straße „im Auge behalten“ würden. 

Mit den Fahrradstraßen wollen die städtischen Verkehrsplaner Potsdam fahrradfreundlicher machen. Wie bekannt, will die Stadt den Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in Potsdam auf 27 Prozent erhöhen. 2008 wurde dazu ein Radverkehrskonzept beschlossen und 2017 mit Maßnahmen ergänzt. Sie sollen unter anderem dazu führen, dass der Radverkehr im Zentrum weiter zunimmt.

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