Der Angeklagte erschien im weißen Pullover zum ersten Prozesstag. Foto: dpa
© dpa

Update Prozess um Menschenhandel in Potsdam „Wie Sklaven gehalten“

Anna Kristina Bückmann

Zwei Landsleute soll der serbische Angeklagte nach Deutschland gelockt haben, die ihm die Wohnungen reinigen mussten. Weitere Opfer zwang er laut Anklage mit Mittätern zu Einbrüchen.

Potsdam - Ein 42-Jähriger soll serbische Staatsangehörige nach Deutschland gelockt und sie wie Sklaven gehalten haben. Am Landgericht Potsdam begann am Mittwoch der Prozess gegen ihn wegen Menschenhandels. Der Angeklagte soll unter anderem zwei Serben mit dem Versprechen, ihnen eine Arbeit auf Baustellen zu verschaffen, nach Deutschland gelotst und ihnen dann Pässe sowie Handys abgenommen haben. „Er behandelte die Geschädigten als Sklaven“, sagte Staatsanwalt Jens Abisch beim Verlesen der Anklageschrift.

Der Anklage nach hatte der Beschuldigte seine Landsleute in seine Wohnung gebracht, die die Männer unter Androhung von Gewalt mehrmals reinigen mussten. Sie hätten ihm auch Essen besorgen müssen. Er habe sie ins Gesicht geschlagen und gedroht, ihnen die Bäuche aufzuschlitzen.

Angeklagter sitzt aktuell eine Ersatzfreiheitsstrafe ab

Weitere Serben soll der 42-Jährige mit anderen, gesondert verfolgten Mittätern gezwungen haben, in Wohnungen einzubrechen und Dinge für ihn zu stehlen. Insgesamt soll der Mann dadurch rund 15.000 Euro erbeutet haben. Auch habe er verschiedene teure Autos gefahren, obwohl er keinen Führerschein hatte, so Staatsanwalt Abisch. Wegen des Fahrens ohne Führerschein und wegen weiterer Diebstähle sei er bereits verurteilt worden. Er habe mehrere Ersatzfreiheitsstrafen offen, eine davon sitzt er gerade in der JVA Neuruppin-Wulkow ab. Eine Ersatzfreiheitsstrafe kann dann ausgesprochen werden, wenn Geldstrafen nicht bezahlt werden.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Potsdam und Brandenburg live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die sie hier für Apple und  Android-Geräte herunterladen können.]

Nach Angaben seines Anwalts Frank Seidel war der 42-Jährige mit seiner Lebenssituation „überfordert“. Er müsse sich alleine um die beiden Kinder kümmern - seine Lebensgefährtin sei, kurz nachdem er Ende 2019 nach Deutschland gekommen sei, verunglückt. Seit der Angeklagte in Haft ist, seien die Kinder in einem Heim untergebracht.

Urteil soll im April fallen

Der Mann ist unter anderem wegen Menschenhandels und Diebstahls bei Wohnungseinbrüchen angeklagt. Laut seinem Verteidiger war er im Visier der Polizei. Seidel sagte nach dem ersten Verhandlungstag, es sei „fraglich, ob sich die Vorwürfe erhärten lassen“. Es gehe auch um „interne Streitigkeiten“ zwischen dem Angeklagten und den Geschädigten. Bis zu einer Verurteilung gelte für seinen Mandanten die Unschuldsvermutung.

Nach Angaben Seidels will sich der Angeklagte im Prozessverlauf möglicherweise zu einigen Vorwürfen äußern. Das Gericht will im Verfahren eine Vielzahl von Zeugen hören. Es hat sieben Verhandlungstage bis Anfang April angesetzt. (dpa)

Zur Startseite