Die Baustelle der Garnisonkirche. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Proteste gegen Garnisonkirche Prozesse wegen Gottesdienst-Störung verschoben

Yvonne Jennerjahn

Wegen der Corona-Pandemie müssen auch die angekündigten Gerichtsverfahren wegen der Proteste zum Baustart der Garnisonkirche verschoben werden

Potsdam - Die Coronakrise hat auch Folgen für Justizverfahren: Die beiden geplanten Prozesse wegen der Gottesdienst-Störung zum Baustart des neuen Potsdamer Garnisonkirchturms 2017 sind erneut verschoben worden. Nachdem der erste Prozess gegen einen 35-Jährigen bereits kurzfristig auf Dezember verlegt wurde, sei nun auch der zweite im November geplante Prozess gegen drei 28, 35 und 37 Jahre alte Angeklagte verschoben worden, teilte das Amtsgericht mit. Dieses Verfahren soll nun Anfang Juni 2021 stattfinden.

Ein Gerichtssprecher sagte auf PNN-Anfrage, wegen der Corona-Pandemie seien die geltenden Abstandsregeln und andere Sicherheitsvorschriften voraussichtlich nicht umsetzbar - bei solchen Verfahren waren in der Vergangenheit stets auch Mitglieder aus der linken Szene als Beobachter erschienen. 

Zunächst waren Verhandlungstermine im Januar und im Frühjahr diesen Jahres geplant, die aus verschiedenen Gründen vertagt wurden. Neue Verhandlungstermine im Verfahren gegen den 35-Jährigen sind laut Gericht der 4. und 18. Dezember. Ob das angesichts der Pandemie so stattfinden kann, ist allerdings unklar.

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Diverse Vorwürfe stehen im Raum

Dem 35-Jährigen wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung vorgeworfen. Er soll den Gottesdienst laut Anklage unter anderem „massiv verbal gestört“ haben. Den Angeklagten im zweiten Verfahren wird unter anderem Störung der Religionsausübung vorgeworfen. 

Die Garnisonkirche wurde 1945 bei einem alliierten Luftangriff weitgehend zerstört. Ein Raum im Turm wurde danach einige Jahre lang weiter für Andachten und Gottesdienste genutzt. 1968 wurde das Bauwerk abgerissen, der Turm wurde gesprengt. Die Gemeinde erhielt eine Entschädigung. Der Wiederaufbau des Turms ist vor allem wegen der Geschichte der preußischen Militärkirche unter anderem in der NS-Zeit umstritten. Die evangelische Kirche will den neuen Turm für Friedens- und Versöhnungsarbeit nutzen. Der Bund will mehr als 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau geben. (mit epd)

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