Das Kasernenareal Krampnitz wird zum neuen Stadtviertel. Foto: Andreas Klaer
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Probleme mit Energiekonzept und Mietpreisen Der Weg nach Krampnitz bleibt lang und steinig

Das Rathaus verhandelt mit dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen über mietpreisgedämpfte Neubauten auf dem Areal. Der geplanten Energiezentrale droht das Aus.

Potsdam - Für möglichst viele bezahlbare Wohnungen im künftigen Stadtviertel Krampnitz verhandelt die Bauverwaltung aktuell wieder mit dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen. Es geht um die Frage, ob zwischen dessen denkmalgeschützten Bestandsgebäuden auf dem ehemaligen Kasernengelände auch Neubauten möglich sind – und zu welchen Konditionen. Das machte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) am Montag vor der Presse deutlich.

Im Januar will man Ergebnisse präsentieren

Anlass war die Vorstellung des aktuellen Statusberichts zur Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes. Dabei sei auf den Grundstücken der Deutschen Wohnen die „einzige Option“ für preisgedämpften Wohnraum die „Ausweisung zusätzlicher Neubaufelder“, heißt es in dem Papier. Die Neubauten könnten dann in denkmalgeschützten Klinkerhöfen auf dem Areal errichtet werden – ob das wirklich möglich ist, dazu laufe nun bei dem Konzern eine städtebauliche, denkmalpflegerische und architektonische Untersuchung, so Rubelt. Man wolle den Stadtverordneten möglichst schon im Januar eine entsprechende Zielvereinbarung mit der Deutschen Wohnen präsentieren, sagte Rubelt. Wie viele Wohnungen dann billiger werden können, ließ Rubelt offen.

Das frühere Kasernengelände zwischen Potsdam und Groß Glienicke wird zum neuen Stadtteil entwickelt. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Das frühere Kasernengelände zwischen Potsdam und Groß Glienicke wird zum neuen Stadtteil entwickelt. © Andreas Klaer

In den Bestandsbauten will der Konzern wie berichtet 500 Wohnungen bauen – allerdings würde die Grundstruktur dieser historischen Kasernenbauten „keine flächenoptimierten Wohnungsgrundrisse zulassen“, so die Bauverwaltung. Es würden deshalb Wohnungen mit überdurchschnittlich großen Flächen entstehen. Ferner würden die Mieten vor Ort durch die hohen Baupreise angefeuert, hieß es – ohne schon konkrete Preise zu nennen. Als der Konzern vor Jahren in das Krampnitz-Projekt eingestiegen war, hatte man als Zielmiete von 8,50 Euro pro Quadratmeter gesprochen – unter der Maßgabe, dass ab 2021 schon erste Bewohner einziehen. Derzeit geht die Stadt von ersten Zuzügen in 2024 aus.

Energiezentrale vor dem Aus?

Zudem mussten die Projektplaner am Montag einen Rückschlag für das Gesamtprojekt einräumen, gegen das es im Norden der Stadt ohnehin viel Widerstand gibt. So geht es mit der geplanten Energiezentrale in einem früheren Heizhaus zunächst nicht weiter. Man habe Landesfördermittel für nötige Umbauten in Höhe von mindestens 1,5 Millionen Euro nicht abrufen können. Grund sei ein noch nicht entschiedener Widerspruch des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gegen die Genehmigung der Energiezentrale beim Landesamt für Umwelt, so die Verwaltung. Der BUND hatte im Mai kritisiert, es fehle eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben. Die Stadtwerke hatten die Vorwürfe damals zurückgewiesen und erklärt, man sehe dem Widerspruch mit Gelassenheit entgegen. 

Rubelt sagte, damals im Mai habe man nicht absehen können, dass sich die Lage so kritisch entwickle. Angesichts der Lage müsse man nun zunächst auf unterirdische Anlagen zur Energieerzeugung setzen – sollte das Heizhaus dauerhaft nicht saniert werden können, müssten dann einzelne Blockheizkraftwerke oberirdisch am Viertel errichtet werden. Diese waren bisher in dem Heizhaus geplant.

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Generell habe man auch das Energiekonzept und den Zeitplan dafür überarbeitet, so Rubelt. So wolle man gerade mit Solar- und Geothermie das Ziel eines klimaneutralen Stadtteils erreichen, bei gleichzeitig bezahlbaren Wärmepreisen. Der BUND hatte zuletzt gezweifelt, ob die selbst gesetzten Klimaschutzziele für das Viertel erreicht würden. BUND-Landeschef Axel Kruschat forderte am Montag, dieses Konzept müsse unabhängig überprüft werden – und zwar nach einer Methode des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg.

Über den Bau des Stadtteils im Norden Potsdams und auch dessen Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr über eine Tramtrasse wird in Potsdam seit Jahren diskutiert. Nach 2029 sollen bis zu 10 000 Menschen dort leben.

Deutsche Wohnen wird Sponsor des VfL Potsdam

In Zusammenhang mit dem Hauptinvestor Deutsche Wohnen gab es jetzt auch eine gute Nachricht: Die Handballer des VfL Potsdam bekommen das börsennotierte Immobilienunternehmen als neuen Hauptsponsor. In einer Mitteilung des VfL hieß es, die Kooperation sei zunächst bis 2024 angelegt. So könne man nun an der Professionalisierung und Struktur des Handball-Stützpunktes Berlin-Brandenburg arbeiten, freute sich die VfL-Spitze. 

Der Wohnungskonzern sei auch schon Partner der Füchse Berlin, mit denen man zusammen in den kommenden Jahren die größte Handball-Jugendakademie Deutschlands aufbauen wolle. „Ein weiteres Ziel ist es, den VfL in der zweiten Liga zu etablieren.“ Derzeit ist der VfL klar der Tabellenführer in der Staffel A der dritten Handballbundesliga, bisher hat man alle Pflichtspiele in dieser Saison gewonnen.

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