Feuerwerk begeistert die Menschen. Kann man das Spektakel aber nicht den Profis überlassen? Foto: Yam G-Jun/dpa
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Pro & Contra Soll Potsdam privates Feuerwerk und Böller verbieten?

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Das eigene Silvester-Feuerwerk ist für viele ein Highlight des Jahres. Schön bunt ist es, aber auch laut und gefährlich. Wäre es besser, das Feuerwerk den Profis zu überlassen? Gute Argumente gibt es für beide Seiten.

Potsdam - Kurz nach dem Jahreswechsel stellten sich PNN-Autoren die Frage: Muss das mit dem privaten Feuerwerk wirklich sein? Peter Könnicke ist für ein striktes Verbot, Marco Zschiek hält dagegen.


PRO

Abgerissene Finger, zerfetzte Hände, Verbrennungen: Das sind keine Szenen eines Horrorfilms, sondern alljährliche Unfallprotokolle an Silvester. Für etwa 8000 Deutsche endet das Jahr in der Notaufnahme, weil sie sich durch Feuerwerkskörper verletzen. Etwa 3000 Menschen behalten bleibende Schäden. Besonders tragisch ist es, wenn Kinder verletzt werden, weil Erwachsene leichtsinnig oder dumm sind.

Aus dem Brauch, mit Böllern und Raketen böse Geister zu vertreiben, ist längst eine irrsinnige Pyroshow geworden. Und statt böser Geister geraten Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten ins Feuerwerk. Während den Menschen in Städten wie Barcelona und Paris ein zentrales Feuerwerk genügt, um das neue Jahr zu begrüßen, ballern wir uns in jedem Straßenzug Pyro um die Ohren. Katzen und Hunde werden zuvor vorsorglich sediert und des Deutschen Heiligtum, das Auto, in Sicherheit gebracht. Aber dann knallen wir alle Moral übern Haufen und den sonst erhobenen Zeigefinger im schlimmsten Fall gleich mit weg: Wir ereifern uns 364 Tage im Jahr über Feinstaub, schimpfen über Plastemüll, heulen über Elektrosmog, wir geifern über gefälschte Diesel-Abgaswerte – und produzieren dann innerhalb eines Tages so viel dicke Luft, das es 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge entspricht. Wir fabrizieren in einer Nacht tonnenweise Müll, um uns am nächsten Morgen aufzuregen, dass er noch immer nicht weggeräumt ist.

Schluss damit! Schluss mit schlimmen Unfällen, dicker Luft, Leichtsinn, Dummheit und sinnloser Ballerei. Wenn Potsdam den nächsten Jahreswechsel mit einem zentralen Feuerwerk feiert, wäre das ein Riesenknall. Peter Könnicke


CONTRA

Um es deutlich zu sagen: Silvesterböller sind eine Plage. Die Knallerei nervt, ist schmutzig, unvernünftig und gefährlich. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, sich an einem willkürlich festgelegten Datum alljährlich mit Sprengstoff zu bewaffnen. Dennoch verdient eine ganze Branche Jahr für Jahr prächtig daran. Doch Umfragen zufolge lehnt eine wachsende Mehrheit in Deutschland das lärmende Spektakel ab. Dennoch sollte es nicht verboten werden.

Hierzulande ist es eine Tradition. Anderswo nicht. Das sind eben kulturelle Unterschiede. In Pamplona lässt man Stiere durch die Innenstadt rennen – was auch schmutzig, unvernünftig und gefährlich ist. In Potsdam praktiziert man diesen Brauch nicht. In Valencia feiert man den Frühling, indem monatelang gebastelte Puppen abgefackelt werden. Dazu gibt es: Feuerwerk.

An Regeln und Verboten besteht hierzulande beileibe kein Mangel, auch nicht für Feuerwerkskörper. Sie dürfen nur an zwei Tagen von erwachsenen Privatpersonen gezündet werden. Es jetzt auch noch in dieser Zeit für alle zu verbieten, müsste schon einen sehr gewichtigen Grund haben. Dabei sollte man bedenken, dass Menschen viele unvernünftige, gefährliche Dinge tun.

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Zum Beispiel wird immer noch Auto gefahren, obwohl dadurch jährlich tausende Menschen sterben und die Abgase die Innenstädte verpesten.
Außerdem bleibt da noch die Frage der Durchsetzung des Verbots: Schäden gibt es in der Regel durch Feuerwerkskörper, die bereits jetzt illegal sind. Kontrollieren kann man das nicht. Wer verantwortungsbewusst ein paar Raketen steigen lässt, verletzt niemanden. Doch genau diese Menschen würden von einem Verbot getroffen. Marco Zschieck

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