So soll die Fläche zwischen Minsk, blu und Leipziger Dreieck künftig aussehen.  Visualisierung: Hasso Plattner Foundation
© Visualisierung: Hasso Plattner Foundation

Update Potsdams Stadtplatz am Brauhausberg Die neuen Minsk-Terrassen

Hasso Plattner gestaltet gemeinsam mit Stadt und Stadtwerken den Hang am Brauhausberg für vier Millionen Euro neu – in Anlehnung an den DDR-Entwurf mit Brunnen und Spielplatz.

Potsdam - Drei Terrassen mit Brunnen, Rasen und Spielplatz: Noch in diesem Jahr soll die Fläche zwischen dem früheren Terrassenrestaurant und künftigen Kunstmuseum Minsk, dem Schwimmbad blu und dem Leipziger Dreieck völlig umgestaltet werden. Der Parkplatz am Bad wird dafür abgerissen und komplett verschwinden. Stattdessen sollen in einem leicht geschwungenen Bogen treppenartig drei Rasenflächen entstehen, auf denen jeweils an einer Ecke ein Springbrunnen gebaut wird. Zwei weitere Brunnen flankieren die Treppen des Minsk. Damit wird der zentrale Platz wieder so ähnlich aussehen wie einst zu DDR-Zeiten. Vor dem Eingang des blu ist ein ebenfalls terrassenartiger Spielbereich mit Trampolinen und Klettergeräten geplant. Im Juni sollen die Bauarbeiten beginnen. 
Diese Pläne für einen neuen Stadtplatz am Brauhausberg stellten Potsdam-Mäzen und SAP-Gründer Hasso Plattner, dessen Stiftung das Minsk gekauft hat und zum Museum für ostdeutsche Kunst umbaut, Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und Stadtwerke-Chefin Sophia Eltrop am Donnerstag in einer virtuellen Pressekonferenz vor. 

Hasso Plattner vor Monets Seerosen in seinem Museum Barberini. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Hasso Plattner vor Monets Seerosen in seinem Museum Barberini. © Manfred Thomas

"Das wird Potsdam gut zu Gesicht stehen", sagte Hasso Plattner. Er sei überzeugt, dass das Projekt nach der Fertigstellung "auf die volle Zustimmung der Potsdamer" stoßen wird. Er betonte erneut, dass er das Minsk für architektonisch gelungen und auf jeden Fall erhaltenswert halte. Entstehen werden ein Ort, "an dem die architektonischen und künstlerischen Errungenschaften der DDR erhalten bleiben". Dass er von der Gestaltung des Schwimmbads blu nicht viel hält, hatte Plattner nie versteckt. Durch den neuen Platz werde das Minsk deutlich besser mit der Stadt verbunden, sagte er.

Auch Schubert zeigte sich hochzufrieden, dass die Potsdamer "nicht nur ein Museum zurückbekommen, sondern zudem einen wunderschönen, attraktiven Stadtplatz". Die Stadt bekomme ein neues Entrée, eine fantastische neue Ansicht. "Das wiegt mindestens so schwer wie das, was ins Gebäude kommt", so Schubert. 

So sollen die Terrassen und der neue Spielplatz vor dem blu aussehen.  Visualisierung: Stadtwerke Potsdam Vergrößern
So sollen die Terrassen und der neue Spielplatz vor dem blu aussehen.  © Visualisierung: Stadtwerke Potsdam

Die Umbauarbeiten zum Museum dauern allerdings länger als zunächst geplant: Plattner rechnet statt im Herbst 2021 nun mit einer Eröffnung im Frühjahr 2022. „Die Rettung des Minsk war viel schwerer als gedacht und auch viel teurer, aber jetzt sind wir über den Berg, was den Rohbau betrifft“, sagte Plattner. Es habe "düstere Tage" gegeben. Neben der Corona-Pandemie habe auch die schlechte Qualität des Betons die Arbeiten erschwert, sagte er. "Aber jetzt blicke ich mit Zuversicht in die Zukunft", so Plattner. Zwei Baustopps habe es gegeben, einen davon wegen eines brütenden Vogels. Bereits fertiggestellt sei der ehemalige Bunker unter dem Gebäude. Dort sei nun die Haustechnik untergebracht. Die genaueren Pläne zur inhaltlichen Ausrichtung des geplanten Museums sollen Anfang Mai vorgestellt werden. 

Vier Millionen Euro Baukosten

Die Gesamtkosten für die Umgestaltung des Vorplatzes werden auf vier Millionen Euro geschätzt. Davon zahlt die Hasso Plattner Foundation zwei Millionen, den Rest teilen sich Stadt und Stadtwerke. Für Sophia Eltrop von den Stadtwerken, die das blu betreiben, liegt der große Vorzug der Pläne darin, dass die Grundstücksgrenzen zwischen Schwimmbad und Minsk-Gelände nicht mehr erkennbar sind. "Die Gestaltung geht über die Grenzen hinweg", sagte sie. "Davon wird auch das blu profitieren." Die Terrassen seien an die frühere Gestaltung angelehnt, aber barrierefrei geplant. Für blu-Besucher bedeutet der Abriss des Parkplatzes, dass sie nun die Tiefgarage, öffentliche Verkehrsmittel oder das Rad nutzen sollen. Vor dem Schwimmbadeingang werden vier Behindertenparkplätze und zwei E-Ladesäulen gebaut. Bereits auf dem Parkplatz stehende Bäume wie etwa der 2018 feierlich gepflanzte Ginko werden umgesetzt. 

Terrassenlandschaft am Brauhausberg Mitte der 1980er-Jahre. Foto: Bild und Heimat - Reichenbach / Repro: www.grussauspotsdam.de Vergrößern
Terrassenlandschaft am Brauhausberg Mitte der 1980er-Jahre. © Bild und Heimat - Reichenbach / Repro: www.grussauspotsdam.de

Die Baumaßnahmen auf der 6000 Quadratmeter großen Fläche sind in drei Bauabschnitten geplant. Der Bauantrag liegt bereits vor. Als erstes soll die Max-Planck-Straße so umgebaut werden, dass der Schülerbusverkehr dort entlang geführt werden kann. Dann erfolgt die Anlage der Terrassen, Brunnen, Rasenflächen und Spielanlagen. Der dritte Schritt, so erläuterte Eltrop, könne erst nach dem Umbau des Leipziger Dreiecks erfolgen. Voraussichtlich 2023 werde auf einer dreieckigen Fläche, auf der derzeit die Straße Brauhausberg von der Heinrich-Mann-Allee abzweigt, "eine Promenade mit Entrée, Bänken und Bäumen" angelegt. 

Sanierung seit 2020

Seit Januar 2020 laufen die Sanierungsarbeiten am früheren Terrassenrestaurant auf dem Brauhausberg. Im März 2019 waren die Pläne Hasso Plattners bekannt geworden, das 1977 als Restaurant eröffnete Minsk originalgetreu herzurichten und zum Museum umzubauen. Diese Idee kam mitten in einer vehement geführten Diskussion über den Abriss des Gebäudes auf. Sowohl aus der Stadtpolitik als auch aus der Bevölkerung hatte es massive Kritik an den Abrissplänen gegeben - für viele Potsdamer hängen Erinnerungen an der DDR-Traditionsgaststätte.

Die Sanierungsarbeiten am Minsk haben im Januar 2020 begonnen.  Foto: Sebastian Gabsch PNN Vergrößern
Die Sanierungsarbeiten am Minsk haben im Januar 2020 begonnen.  © Sebastian Gabsch PNN

Der terrassenförmige Aufgang mit Springbrunnen, in denen die Kinder im Sommer spielten, war eng damit verbunden. Der Vorschlag des Erhalts und der Umwandlung in ein Museum für ostdeutsche Kunst samt Café durch die Hasso Plattner Foundation wurde einhellig als Glücksfall für Potsdam bewertet. Ohne Gegenstimme hatten die Stadtverordneten im April 2019 grünes Licht für das Projekt gegeben. 

Der blu-Parkplatz soll abgerissen werden, stattdessen sind Rasenterrassen geplant.  Foto: Sebastian Gabsch PNN Vergrößern
Der blu-Parkplatz soll abgerissen werden, stattdessen sind Rasenterrassen geplant.  © Sebastian Gabsch PNN

Neben und hinter dem Museum sollen etwa 120 Wohnungen in acht Gebäuden entstehen. Diese sind so geplant, dass das Minsk gut sichtbar bleibt - niedriger und weniger dicht, als es der Bebauungsplan erlauben würde. Die Bauarbeiten an den Wohngebäuden würden nach der Fertigstellung des Minsk beginnen, sagte Hasso Plattner. Den Stand der Dinge auf der Baustelle lasse er sich einmal wöchentlich per Bildreport darstellen, teils auch mit Drohnenbildern - und er warte ungeduldig auf den Estrich. Für das Jahresende hat Plattner jedenfalls schon eine genaue Vorstellung: Ein großer Weihnachtsbaum solle auf dem neu entstehenden Stadtplatz aufgestellt werden. 

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