Wie gut schneiden Potsdams Schulen ab? Foto: DPA
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Exklusiv Potsdams Schulen im Vergleich Große Unterschiede, fehlende Daten

Der diesjährige PNN-Schulvergleich für Potsdam zeigt: Einige Angaben des Bildungsservers sind falsch.

Potsdam - In Potsdamer Gymnasien, Gesamt- und Oberschulen sind die Prüfungsergebnisse sehr unterschiedlich. Das ist auch dieses Jahr ein zentrales Ergebnis einer von den PNN vorgenommenen Internetrecherche, bei der Daten des Bildungsservers des Landes verglichen wurden. Diese sind auf dem Portal www.bildungsserver.berlin-brandenburg.de lediglich einzeln abrufbar, ein Vergleich der Daten miteinander ist nur mit Hilfe vieler Mausklicks möglich. Die Analyse zeigt auch weitere Probleme: Denn manche dieser Daten, die Eltern auch als Grundlage für die Entscheidung zu weiterführenden Schulen dienen sollen, sind aktuell fehlerhaft oder unvollständig und müssten daher überarbeitet werden. Und: Einige private Schulen lieferten auf PNN-Anfrage weitere Daten, die in der Tabelle zu sehen sind – die Einträge dieser Schulen auf dem Bildungsportal sind freiwillig.

Veraltete Daten bei der Computerausstattung

Zu den Daten, die offensichtlich einer Überarbeitung bedürfen, gehören die Angaben zur IT-Ausstattung. Diese sind bisher schon dürftig: Nicht im Bildungsserver enthalten sind zum Beispiel Angaben, wie modern Klassenzimmer tatsächlich ausgerüstet sind, etwa mit Whiteboards – oder wie stark das WLan ist. Dafür gibt es in dem Portal den Wert der Computer pro Schüler. Doch zumindest für die Potsdamer Schulen zeigen sich aus Sicht des für die Ausstattung der kommunalen Schulen zuständigen Rathauses enorme Diskrepanzen mit der Wirklichkeit, wie Rathaussprecher Markus Klier den PNN auf Anfrage sagte: „Unsere Vermutung ist, dass sich die Zahlen auf einen früheren Stichtag bezogen.“ Ein Beispiel: So wird im Bildungsserver für die Fontane-Oberschule in der Waldstadt angegeben, dass sich dort statistisch knapp 15 Schüler jeweils einen Rechner teilen müssten. Tatsächlich seien es laut Klier aber 8,41 Schüler pro Rechner. Auch an der Montessori-Oberschule würden 7,28 Schüler auf einen PC entfallen – statt 16,3 Schüler, wie im Bildungsserver angegeben. Die Quoten in der Steuben-Gesamtschule oder im Leibniz-Gymnasium seien ebenso deutlich besser. Und wie berichtet will die Stadt über den Digitalpakt nach und nach hunderte weitere Rechner für die Schulen kaufen.

Keinen Daten mehr zu den Abiturquoten

Aktuell nur noch mit veralteten Werten hinterlegt sind im Bildungsserver die Angaben zu den Prozentsätzen der Zehntklässler an einer Schule, die überhaupt die Berechtigung erhalten, in der Sekundarstufe II das Abitur abzulegen. „Diese Daten stehen gegenwärtig nicht im Schulporträt“, erklärte die Sprecherin des Bildungsministeriums, Ulrike Grönefeld, ohne eine genaue Angabe von Gründen zu nennen. Gerade bei Gesamtschulen waren die Abweichungen in den vergangenen Jahren groß: Während zum Beispiel an der Voltaire-Schule in der Innenstadt im Vergleich zum Landesschnitt überdurchschnittlich viele Schüler die Sekundarstufe II erreichten, lagen die Anteile an der Gesamtschule am Schilfhof und der Steuben-Schule unter den Landeswerten. Die Gymnasien brachten, gemäß ihres gesetzlichen Auftrags, stets fast 100 Prozent ihrer Schüler in die Abiturstufe.

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Ausfallstunden in der Pandemie nicht erfasst

Abstriche gibt es pandemiebedingt bei der Frage, an welchen Schulen viel Unterrichtsausfall zu verzeichnen war. Die aktuellsten Werte stammen aus der ersten Hälfte des Schuljahrs 2019/2020 – als der Begriff Coronavirus nur Fachleuten etwas sagte. „Die Statistik zum Unterrichtsausfall sei in der ersten Jahreshälfte 2020 wegen des Pandemiegeschehens ausgesetzt worden“, sagte Ministeriumssprecherin Grönefeld. Auffällig war hier im Vorfeld der Krise zum Beispiel die Entwicklung am Einstein-Gymnasium, in dem zum Beispiel in der Sekundarstufe 1 unter anderem wegen Erkrankungen 14,8 Prozent aller Unterrichtsstunden vertreten werden mussten – der Landesschnitt an solchen Schulen liegt bei 10,8. Tatsächlich lag der Ausfall dann bei 2,4 Prozent ersatzlos ausgefallenen Schulstunden. Das sei „insbesondere durch Mehrarbeit und die Nutzung des Vertretungsbudgets“ gelungen, sagte Ministeriumssprecherin Grönefeld. Besonders niedrige Ausfallstunden meldeten das private Filmgymnasium, die Neue Gesamtschule und das ebenfalls eigenständige Schiller-Gymnasium. Bei den staatlichen Einrichtungen verzeichnete das Humboldt-Gymnasium, das Suttner- sowie das Leibniz-Gymnasium, die relativ neue Gesamtschule am Schloss sowie die Montessori-Oberschule wenige Ausfallstunden.

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Der Überblick, Teil I © Grafik: PNN/ Rita Böttcher

Sehr unterschiedliche Prüfungsergebnisse

Als ein wichtiger Wert sind auf dem Bildungsserver für jede Schule die durchschnittlichen Prüfungsergebnisse in der zehnten Klasse und in den Leistungskursen zum Abitur aufgelistet – im Vergleich zum Landesschnitt. Dabei fällt einmal mehr die Steuben-Schule auf, mit im Vergleich wieder durchweg unterdurchschnittlichen Werten. So lag bei der Prüfung am Ende der 10. Klasse der Landesschnitt im Fach Mathe bei der Note 3, an der Steuben-Schule dagegen bei 3,6. Dies setzt sich bei den Abiturprüfungen fort, die im Vergleich durchweg unter dem Landesschnitt lagen. Ministeriumssprecherin Grönefeld sagte, man müsse hier aber auch die Entwicklung der vergangenen Schuljahre sehen. So hätten sich die Ergebnisse im schulinternen Vergleich durchaus verbessert. „Das zeigt, dass die eingeleiteten Prozesse an der Schule erfolgreich sind.“ So würden die Ergebnisse jeweils ausgewertet und „in entsprechende Maßnahmen umgesetzt, die zur Qualitätssteigerung des Unterrichts beitragen“, sagte die Sprecherin. Teils deutlich schlechtere Ergebnisse als im Landesschnitt registrierte man im vergangenen Schuljahr auch an der Lenné-, der Schilfhof- und der Da-Vinci-Gesamtschule.

Überdurchschnittlich in allen Kategorien schnitten dagegen das Humboldt-, das Helmholtz- und das Einstein-Gymnasium ab, sehr gute Werte kann auch das private Gymnasium auf Hermannswerder vorzeigen. Solche Daten könnten auch die aktuelle Schuldebatte in Potsdam beeinflussen: Bekanntlich streitet die Stadtpolitik gerade über die Frage, ob an der Pappelallee ein neues Gymnasium oder eine Gesamtschule gebaut wird.

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Der Überblick, Teil II © Grafik: PNN/ Rita Böttcher
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