Kaserne im Verfall. Auf dem 112 Hektar großen Gelände im Potsdamer Norden sind die Überreste der militärischen Nutzung zu besichtigen. Vergrößern
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Potsdams Krampnitz-Projekt Familien statt Soldaten

Im Norden Potsdams entsteht ein neues Stadtviertel. In einer sechsteiligen Serie spannen die PNN den Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft HEUTE TEIL 2: Welche Häuser, welche Wohnungen, welche Infrastruktur geplant ist

Wohnungen und Häuser für 3800 Menschen sollen nach den Plänen der Stadt in den kommenden zehn Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Krampnitz entstehen. Als Vorbereitung für die Ausweisung des Areals als Entwicklungsgebiet hat die städtische Pro-Potsdam-Tochter Polo vorläufige Pläne erstellen lassen – mit Unterstützung des Berliner Architekten-Büros Becher und Rottkamp. Wir zeigen, wie sich die Verantwortlichen die Umnutzung der Kasernen als Wohnhäuser und die neue Bebauung des 120-Hektar-Geländes vorstellen.

KLINKER-HÖFE

Die 27 denkmalgeschützten ehemaligen Mannschaftsgebäude sollen erhalten und zu sogenannten Klinker-Höfen umgebaut werden. Geplant ist, jeweils das Dachgeschoss auszubauen und so aus den bislang zwei-, dann dreigeschossige Häuser mit Balkonen zu machen. Darin könnten insgesamt 896 Wohnungen untergebracht werden. Zwei Beispielhäuser wurden von den Architekten bereits detailliert ausgemessen und theoretisch durchgeplant. Dort könnten einmal 38 Wohnungen von 59 bis 121 Quadratmetern Fläche und einmal 39 Wohnungen von 67 bis 144 Quadratmetern Fläche untergebracht werden. In der Mitte sollen Höfe mit Spielplätzen und Parkmöglichkeiten entstehen. Die Planer erwarten, dass die Wohnungen vor allem für Kapitalanleger interessant sind, die diese dann vermieten. Da jährlich nur etwa drei Gebäude umgebaut und vermarktet werden sollen, wird die vollständige Sanierung vermutlich zehn Jahre dauern.

ANGER-DÖRFER

Im Westen und Norden des Kasernengeländes sollen die sogenannten Anger-Dörfer entstehen. Wie ihre historischen Vorbilder sollen sich die Neubauten rund um einen Platz (Anger) gruppieren und so eigenständige Einheiten bilden. Auf Grundstücken von jeweils 9000 Quadratmetern können dort unterschiedliche Bauformen entstehen – etwa 14 Einfamilienhäuser mit einem kleinen Park in der Mitte, 15 Einfamilienhäuser mit jeweils eigenem Garten, 22 Reihenhäuser oder fünf Mehrfamilienhäuser. Insgesamt 22 solcher Dörfer finden auf dem Gelände je nach Bedarf Platz, das wären etwa 460 Wohneinheiten. Ein Vorteil aus Sicht der Planer wäre, dass die Dörfer unabhängig voneinander realisiert werden können und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – etwa Bauträger, Einzelbauherren, Baugemeinschaften und Genossenschaften. Mit den Anger-Dörfern soll im vierten Jahr nach Beginn der Entwicklung begonnen werden. Pro Jahr sollen drei Dörfer vermarktet werden. 

BERG-VIERTEL

Die 50 historischen Offizierswohnungen im oberen Teil des Aasbergs, die noch aus der Entstehungszeit der Kaserne stammen, sollen saniert und umgebaut werden. Die später eingefügten Bauten im Zentrum und am westlichen Rand des alten Wohnviertels sollen abgerissen und durch Einzel- und Doppelhäuser ersetzt werden. Insgesamt sind 187 Wohneinheiten im Berg-Viertel geplant. Die Planer stellen sich ein „familien-orientiertes Wohnquartier in ruhiger Lage auf relativ großen Grundstücken“ vor. Der Bauzustand der zu sanierenden Häuser ist der Untersuchung zufolge sehr schlecht, allerdings sind sie seit 2008 denkmalgeschützt. Durch den Umbau sollen Wohnflächen zwischen 93 und 260 Quadratmetern entstehen. Den Plänen zufolge soll bereits im ersten Jahr der Erschließung mit dem Abriss der Wohnblöcke aus den 1970er- und 1980er-Jahren begonnen werden.

SCHÖNE AUSSICHT

Am Südhang des Aasbergs sollen unter dem Namen „Schöne Aussicht“ 57 Einzelhäuser und 17 Doppelhäuser entstehen. Die Entwicklung jenes Teilgebietes soll erst am Ende – also etwa in zehn Jahren – erfolgen. Dort hoffen die Planer offenbar auf zahlungskräftige Investoren. So heißt es in der Vorbereitenden Untersuchung: „Die Südhanglage mit Blick auf den Fahrländer See bietet sich zudem für teurere Wohnformen an.“ Allerdings liegt die „Schöne Aussicht“ im Landschaftsschutzgebiet Königswald. Die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, die die Krampnitz-Pläne absegnen muss, lehnt die Bebauung dort deshalb ab. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus.

ZENTRUM AM TURM

In unmittelbarer Nähe zu dem markanten historischen Turm, der sozusagen das Wahrzeichen der Kaserne ist, soll ein Einzelhandelszentrum auf 3200 Quadratmetern entstehen. Geplant sind zudem Räumlichkeiten für Dienstleistung, Kultur und Gastronomie auf weiteren 3100 Quadratmetern. Auf dem Platz vor dem Turm ist ein Wochenmarkt angedacht. Damit die ersten Bewohner schon versorgt werden können, sollten erste Nahversorger aus Sicht der Planer schon frühzeitig angesiedelt werden. Eine Sporthalle aus dem Jahr 1980 soll abgerissen werden. Zur Verkehrsberuhigung und um den künftigen Anwohnern den Zugang zum Krampnitzsee zu erleichtern, ist ein Kreisverkehr an der B2 geplant. Am Ufer soll eine Seeterrasse sowie ein Uferweg Richtung Süden angelegt werden. Für das Kasino nördlich des Turms und das ehemalige Fähnrichsheim im Nordosten des Geländes gibt es noch keine konkreten Pläne. Möglicherweise könnte Ersteres ein Restaurant oder eine Begegnungsstätte werden, das Fähnrichsheim würde sich zum Beispiel als Schulungseinrichtung eignen.

INFRASTRUKTUR 

Rein rechnerisch werden bei voller Auslastung der Wohnungen 326 Kita-Plätze benötigt. Drei Kindertagesstätten sind bislang geplant: Zwei sollen in umgebauten Mannschaftsgebäuden untergebracht, die dritte im Westteil des Geländes neu gebaut werden. Die alten Kasernen-Straßen sollen teils erhalten bleiben, etwa das Kleinsteinpflaster im Bereich der künftigen Klinker-Höfe. Größtenteils muss aber neu asphaltiert werden. Komplett erneuert werden muss auch das Trinkwasser- und das Stromversorgungssystem. Das Gasversorgungssystem muss grundsaniert werden. Noch zu klären ist die Anbindung an die Potsdamer Innenstadt. Bislang fahren Busse nach Krampnitz, auch eine Straßenbahn ist im Gespräch. Allerdings ist noch nicht klar, ob diese finanziell zu stemmen sein wird. Ebenfalls geprüft wird eine Fahrradschnellbahn.

 

Kommenden Freitag erfahren Sie alles über die wechselhafte Geschichte der Krampnitzer Kasernen - allerdings nur in der PRINTAUSGABE der POTSDAMER NEUESTEN NACHRICHTEN

 

 

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