Auch die Kaufkraft in der Region Potsdam hat sich laut dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln zuletzt gut entwickelt. Foto: Andreas Klaer
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Potsdamer Wirtschaft Region Potsdam ist bundesweit Spitze

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat Brandenburgs Landeshauptstadt und ihr Umland zur Aufsteigerregion 2020 gekürt. 

Potsdam/Köln - Geringe Schulden, dafür gute Fortschritte beim Breitbandausbau und immer weniger Arbeitslose: Die Region Potsdam hat nach Einschätzung der Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in den vergangenen Jahren bundesweit die dynamischste Entwicklung hingelegt. In einer aktuellen Untersuchung von 96 deutschen Raumordnungsregionen und 401 Kreisen haben die Kölner Wirtschaftswissenschaftler Brandenburgs Landeshauptstadt, deren benachbarte Landkreise und die Stadt Brandenburg/Havel zur Aufsteigerregion 2020 gekürt. Auf Platz zwei landet der Nordwesten Brandenburgs. Damit belegt der gesamte Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) die beiden Spitzenplätze. 

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Sieben Kritierien wurden betrachtet

Für die Studie haben sich die Forscher Daten zu sieben Kriterien vorgenommen. Untersucht wurden die Entwicklung der Arbeitslosenquote, der Kaufkraft, des Durchschnittsalters, der Fortschritt beim Breitbandausbau, die Bevölkerungsdichte sowie die private und kommunale Verschuldung. Definiert wird eine Aufsteigerregion als wirtschaftlicher Raum, der ausgehend von einem unterdurchschnittlichen Ausgangsniveau eine besonders positive Entwicklung genommen hat und sich damit sehr erfolgreichen Regionen annähert. Betrachtet wurden Zahlen und Daten seit 2011.

Experte: hohe Kaufkraft in der Region

Michael Voigtländer, einer der beiden Autoren der Studie, attestiert der Region Potsdam, beziehungsweise der Raumordnungsregion Havel-Fläming, eine sehr gute Entwicklung in allen Punkten. „Der Breitbandausbau ist stark vorangeschritten, die kommunale Verschuldung gering, die Kaufkraft vergleichsweise hoch“, so Voigtländer gegenüber den PNN. Allerdings hänge dies vermutlich auch eng mit Berlin zusammen, so der Wissenschaftler. Auch die Bundeshauptstadt stehe immer besser da, schaffe es aber nicht, ausreichend Wohnraum zu bauen. „Deswegen ziehen viele Menschen ins Umland, wo es inzwischen eine gute Infrastruktur gibt und die Mieten noch vergleichsweise niedrig sind.“ Gleichzeitig seien die Löhne im Osten und damit auch im Raum Potsdam recht stark gestiegen. „Insgesamt folgt die Entwicklung dem typischen Muster für Umlandgemeinden großer Metropolen.“

Corona: keine ernsten Folgen

Tiefgreifende Folgen durch die Corona-Pandemie sehen die Forscher übrigens nicht. „Natürlich ist der Tourismus und die Gastronomie derzeit stark betroffen“, räumt Voigtländer ein. Aber im Vergleich zu den südlichen Bundesländern mit ihrem Fokus auf der Autoindustrie sei der Branchenmix in Brandenburg breit gefächert und damit weniger krisenanfällig.
Die Bedeutung Potsdams für das starke Abschneiden sieht der Kölner Experte vor allem in der ausgeprägten Wissenschaftslandschaft. „Hochschulstandorte spielen generell eine große Rolle. Dabei ist wichtig, dass Wissenschaft und Wirtschaft stark kooperieren“, so Voigtländer. Für eine weitere gute Entwicklung sei es aber besonders wichtig, junge Menschen in der Region zu halten.

IHK: nicht auf Ergebnis ausruhen

Potsdams IHK-Chef Mario Tobias warnte am Freitag davor, sich „ auf der Studie eines renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts“ auszuruhen. „Denn Westbrandenburg ist zwar top beim Aufstieg, aber noch nicht an der Spitze“, so Tobias. Er warne deshalb vor zusätzlicher Bürokratie oder Steuerlast für die Unternehmen, die wieder aus der Krise herauskommen wollen. Zudem mahnte er Investitionen in ein Flächenmanagement, eine umfassende Digitalisierung von Schulen und Verwaltungen und die Ansiedlung wissensintensiver Industrien an.

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