Am Donnerstag wurde im Rechenzentrum der Potsdamer Ernährungsrat gegründet. Foto: Privat
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Potsdamer Ernährungsrat gegründet Neue Initiative fordert nachhaltige Ernährungspolitik

Ein am Donnerstag gegründeter Ernährungsrat will das Essen und Trinken in Potsdam nachhaltiger und gesünder machen. Die neue Initiative ist bereits auf Landesebene vernetzt.

Am Donnerstagabend wurde in Potsdam ein Ernährungsrat gegründet. Bei einer Versammlung im Rechenzentrum trafen etwa 30 Personen zusammen, die sich für eine nachhaltigere und gesündere Ernährung in der Landeshauptstadt einsetzen möchten. In Arbeitsgruppen besprachen sie verschiedene Themen, zum Beispiel das Schulessen, die Flächennutzung oder Lebensmittelwertschätzung beziehungsweise die Vermeidung von Verschwendung. Gemeinsam mit ähnlichen Gremien in anderen Regionen möchte der neue Rat auch landesweit auf eine umfassende Ernährungsstrategie hinarbeiten.  

“Wir wollen den Dialog zwischen verschiedenen Interessengruppen fördern”, sagt Mitinitiatorin Lene Waschke. Sie möchte Lebensmittelproduzenten wie Bauern, Bäcker und Fleischer mit den Verbrauchern zusammenbringen, aber auch mit den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. 

Waschke ist Bäuerin im Potsdamer Ortsteil Grube und befasst sich vor allem mit der Flächennutzung. Denn ihrer Ansicht nach wird auf den Feldern der Region zu viel Mais für die Energiegewinnung in Biogasanlagen produziert, anstatt dort Lebensmittel für die Menschen in Potsdam und Umgebung anzupflanzen. 

“Die Produzenten brauchen Absatzsicherheit”, sagt Waschke. Solange Bauern Angst haben müssten, ihre Lebensmittel am Ende nur zu schlechten Preisen oder gar nicht verkaufen zu können, würden sie von der Herstellung Abstand nehmen und auf den subventionierten Maisanbau setzen. Denn den sogenannten Energiemais könnten sie nach der Ernte in jedem Fall verkaufen. Waschke wünscht sich, dass die Politik Konzepte wie die solidarische Landwirtschaft (Solawi) fördert, die den Betrieben eine sichere Finanzierung und Unabhängigkeit von den schwankenden Marktpreisen ermöglichten.

In Arbeitsgruppen wurden einzelne Themen besprochen und erste Lösungsansätze entwickelt. Foto: Privat Vergrößern
In Arbeitsgruppen wurden einzelne Themen besprochen und erste Lösungsansätze entwickelt. © Privat

 

Auch der Lehrer und Klimaaktivist Florian Kirchesch war bei der Gründung am Donnerstag dabei. Das Thema Ernährung braucht seiner Ansicht nach “eine Stimme aus der Bürgerschaft”. Zum Beispiel, wenn es um das Schulessen geht. “Die Caterer müssten endlich einmal die Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für ausgewogenes und gesundes Essen einhalten.” Bei Elternversammlungen gäbe es immer wieder Beschwerden, was er verstehen könne. Außerdem sollte die Stadt Potsdam Flächen für Kinderbauernhöfe und ähnliche Projekte bereitstellen.  Der Stadtgarten nahe des Obeliskentores sei ein guter Anfang, findet er.

Ernährungsräte gibt es in vielen Ländern

Die Idee zum Ernährungsrat kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. 1982 entstand der erste Rat aus einem studentischen Projekt in Knoxville, Tennessee. Seither wurden viele weitere gegründet, vor allem in Nordamerika und Brasilien. In Europa setzt sich das Konzept erst seit einigen Jahren durch, zumeist in Städten. 

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In Berlin gibt es seit 2016 einen Ernährungsrat. Im Januar wurde der Brandenburger Ernährungsrat gegründet, der erste in einem deutschen Flächenland. Dieser Landesrat verstehe sich als “Zusammenschluss der regionalen Räte”, sagt Mitgründerin Rahel Volz auf Anfrage. Dazu gehören neben dem neuen Potsdamer Ernährungsrat zurzeit vier weitere. 

Ein Siegel für regionale Produkte

Eine zentrale Forderung ist die Entwicklung einer landesweiten Ernährungsstrategie. Die Regierungskoalition hat sich im Koalitionsvertrag dazu bekannt. “Federführend bei der Umsetzung ist das Verbraucherschutzministerium”, sagt Volz. Der Ernährungsrat Brandenburg fungiere als “Schnittstelle” zwischen dem Ministerium und den zivilgesellschaftlichen Akteuren. 

Volz wünscht sich unter anderem ein EU-zertifiziertes Regionalsiegel, mit dem nachhaltig produzierte Lebensmittel aus der Region gekennzeichnet werden könnten, die bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Das Siegel würde ihrer Ansicht nach die Vermarktung erleichtern und könnte auch eine Bedingung für die Lieferung von Schulessen sein.  

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