Ein Blick auf die derzeitige Baustelle der Garnisonkirche.  Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Potsdam "Mitteschön" kritisiert Schuberts Garnisonkirchen-Absage

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert geht auf Abstand zur Garnisonkirche. Die Bürgerinitiative "Mitteschön" kritisiert, dass er alles über den Haufen schmeißt. 

Potsdam - Nach der Entscheidung von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), seinen Sitz im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche vorerst ruhen zu lassen, kommt von der Bürgerinitiative „Mitteschön“ harsche Kritik. Schubert verzichte damit auf die „wichtige Stimme der Stadt bei dem größten und bedeutendsten Bauprojekt Potsdams“, hieß es in einer am Sonntagabend verbreiteten Erklärung.

Mitteschön: Großer Teil der Stadtbevölkerung begrüßt Arbeiten

Dabei stehe die Mehrheit der Parteien im Stadtparlament hinter dem begonnenen Bau, „der Turm wächst, begrüßt von einem großen Teil der Stadtbevölkerung“, so Mitteschön weiter. Man erwarte daher von dem Rathauschef, „nicht alles über den Haufen zu schmeißen, was mühsam errungen wurde“ und sich konstruktiv einzubringen, so die Initiative, die seit Jahren für den Wiederaufbau der einstigen Barockkirche wirbt.

Die Entscheidung zur Garnisonkirche mute „sehr nach Wahlkampf an“, hieß es weiter. So habe Schubert mit seiner „Liebeserklärung“ für den Stadtkanal das bürgerliche Lager bedient, der jetzige Schritt sei dagegen für die Linken gedacht. Auch die Begründung von Schubert, er wolle sich um die Versöhnung einer zerrissenen Stadtgesellschaft bemühen, sieht die „Mitteschön“-Initiative kritisch: „Ja, hier wird diskutiert und gestritten, was in einer Stadt normal ist. Es gibt dabei auch unterschiedliche Meinungen, die niemals einen Konsens finden werden, das muss man auch mal akzeptieren können.“

Schubert will Kommunalwahl abwarten

Schubert hatte seinen vorläufigen Verzicht auf den Kuratoriumssitz damit begründet, dass er nach der Kommunalwahl ein eindeutiges Votum der dann neu zusammengesetzten Stadtverordnetenversammlung anstrebe – zum Umgang der Stadt mit dem umstrittenen Bauprojekt. So gebe es widersprechende Beschlusslagen im Stadtparlament, hatte er der Stiftung geschrieben. Mit der Stiftung will er ausdrücklich weiter im Gespräch bleiben. Der Schritt war laut Schubert mit den Fraktionen im Stadtparlament abgestimmt – außer mit der AfD.

Chaled-Uwe Said: „Unsere Kameraden von einst haben es verdient, einen feierlichen Ort der Trauer zu erhalten“

Auch aus dieser Partei kam Kritik. Bei einer Debatte im sozialen Netzwerk Facebook teilte Chaled-Uwe Said, Vize-Schatzmeister und Kandidat für die Landtags- und Kommunalwahl, mit, er bekenne sich zu dem auch wegen seiner Geschichte als Militärkirche umstrittenen Bau: „Unsere Kameraden von einst und heute haben es verdient, einen feierlichen Ort der Trauer und des Andenkens zu erhalten.“ Politiker, „die das nicht verstehen und zugestehen, stehen problemlos auf der Seite derer, die undifferenziert ’Soldaten sind Mörder’ skandieren.“ 


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