Neun von 19 neu berufenen Professuren an der Universität Potsdam sind mit Frauen besetzt. Gestern wurden sie feierlich von Uni-Präsident Oliver Günther (3.vr) empfangen.  Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Potsdam Hochschulen auf der Suche nach Frauen

Professuren in Potsdam sind eher männlich besetzt. Geht es nach den Hochschulen, soll sich das ändern.

Potsdam - Es sind 19 neue Gesichter, die künftig in den Hörsälen der Uni Potsdam zu sehen sein werden – neun von ihnen sind Frauen. Am gestrigen Montag wurden die neuen Professorinnen und Professoren auf dem Campus am Neuen Palais begrüßt. Uni-Präsident Oliver Günther freute sich, „dass rund die Hälfte unserer Neuberufenen Frauen sind.“

Insgesamt lehrten bis zum Stichtag 1.Dezember 2017 an der Uni in Potsdam 239 Professoren, Juniorprofessoren und vertretende Professoren, davon 79 Frauen – eine Quote von 33 Prozent. Mit den Neuberufenen hat sie sich nun verbessert. „Verglichen mit dem Bundesdurchschnitt ist das eine sehr gute Quote“, sagt Christina Wolff, Gleichstellungsbeauftragte an der Uni Potsdam. In Bayern beispielsweise liege die Frauenquote bei den Professuren an der Universität bei unter zwanzig Prozent. Der Bundesdurchschnitt lag im vergangenen Jahr laut der Fachhochschule Potsdam bei 21 Prozent, brandenburgweit hatten 24,2 Prozent der Frauen eine Professur inne.

Von Frauen erscheinen weniger Publikationen

Dass tendenziell weniger Frauen als Professorinnen berufen werden, sei vor allem ein strukturelles Problem, sagt Wolff. „Nach ihrer Promotion scheiden Frauen wegen der Gründung einer Familie oftmals eine Zeit lang aus.“ Das führe dazu, dass weniger Publikationen von ihnen erscheinen und das spiele in Berufungsverfahren eine Rolle. Auf der anderen Seite gebe es Bereiche, in denen sich viel weniger Frauen überhaupt für eine Professur bewerben – beispielsweise in mathematischen oder naturwissenschaftlichen Fächern. Auch Informatik sei kein klassisches Frauenstudium, im Gegensatz zu Geistes- und Sozialwissenschaften, sagt Wolff.

Fachhochschule Potsdam steht insgesamt gut da

Das merkt man auch, wenn man einen Blick in den Gleichstellungsbericht der Fachhochschule Potsdam aus dem Jahr 2017 wirft. Professorinnen sind vor allem in Fächern wie in der Kindheitspädagogik vertreten, männerdominierte Professuren sind beispielsweise Produkt- und Interfacedesign oder Bauingenieurswesen. Dabei steht die Fachhochschule insgesamt gut da: Von 106 Professuren sind 44 mit Frauen besetzt (Stand 31. Dezember 2017), sechs von ihnen in Teilzeit. Damit hat sich der Frauenanteil an der FH vergrößert: 2014 arbeiteten noch 35 Professorinnen an den Instituten, 2015 waren es 37, im Jahr 2016 insgesamt 43.

Herausforderung: Familie und Beruf zu vereinbaren 

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für junge Wissenschaftler eine Herausforderung, sagt auch die FH-Gleichstellungsbeauftragte Sandra Cartes. „Vor allem in der sogenannten Rushhour des Lebens, in der Familiengründung und Karriereentwicklung parallel laufen, verlieren wir immer noch viele Frauen für die Wissenschaft“, sagt sie. Die Arbeitsbedingungen in der Qualifizierungsphase seien oft prekär, gleichzeitig seien Leistungs- und Mobilitätsanforderungen hoch. Der Mythos, dass man sich für den Beruf aufopfern müsse, herrsche noch immer vor. Cartes fordert, dass Hochschulen nicht nur Kinderbetreuungsangebote vorhalten, sondern beispielsweise auch Sitzungen nur während regulärer betreuungsabgesicherter Zeiten stattfinden. „Familienfreundlichkeit muss Teil der Führungskultur sein.“

Einfluss von weiblichen Vorbildern

Laut Cartes müsse man, um mehr Frauen für eine Karriere in der Wissenschaft zu begeistern, bereits in Kitas und Grundschulen ansetzen. „Außerdem glaube ich fest an den Einfluss von weiblichen Vorbildern.“ Außerdem sei sie der Überzeugung, dass an Hochschulen zumindest zeitweise Quotierungen helfen könnten. Denn auch Genderaspekte würden bei Berufungen zumindest eine Rolle spielen, beispielsweise bei Stellenausschreibungen oder den Netzwerken, in denen sie verteilt werden. Laut der Uni-Gleichstellungsbeauftragten Wolff seien gut ausgebaute Netzwerke neben weiblichen Vorbildern für Studentinnen wesentlich, um den Frauenanteil zu erhöhen. „Es braucht mehr Frauen, um Frauen nach oben zu bringen“, stellt sie klar.

Keine Professorin am Hasso-Plattner-Institut

Am Hasso-Plattner-Institut (HPI) ist die Situation anders: Denn hier gibt es keine einzige Frau mit einer Professur. „Wir sind aber auf der Suche“, betont Sprecherin Christiane Rosenbach. Gern würde man Frauen als Professorinnen am HPI beschäftigen. Derzeit seien acht Professuren ausgeschrieben, wünschenswert wären Frauen als Besetzung. Dazu habe man extra Headhunter eingesetzt, so Rosenbach. Um schon junge Frauen zu fördern, nehme das HPI beispielsweise jedes Jahr am Girls Day teil. So sollen junge Frauen schon früh an die Wissenschaft herangeführt werden. Außerdem werden – wie auch an Uni und FH – spezielle Mentoringprogramme aufgelegt und Stipendien für Frauen vergeben, wie beispielsweise zur Grace Hopper Messe in Houston – der weltweit größten IT-Messe für Frauen.

Zur Startseite