2000 Teilnehmer zählte die "Potsdam for Future"-Demo am 31. März. Foto: Andreas Klaer
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Update "Potsdam for Future" Generationsübergreifender Protest fürs Klima

Clara Zink

Großen Zulauf hatte die Klimaschutz-Demo des Bündnisses „Potsdam for Future“ am Sonntag, etwa 2000 Teilnehmer zählte der Protest. Mehrere lokale Bündnisse arbeiten hier zusammen.

Potsdam - „Großartig.“ Vincent Bartolain steht am Straßenrand, ein Megaphon in der Hand, und versucht, die große Menschenmenge vor ihm zu überblicken: Jugendliche mit selbstbemalten Transparenten marschieren neben Müttern und Vätern mit Kinderwagen, ein älterer Herr ist mit einem selbstbemalten Schild unterwegs, auf dem steht: „Danke Fridays for Future, ihr rettet die Zukunft meiner Enkel!“

Angemeldet war die Demonstration an diesem Sonntag mit 1000 erwarteten Besuchern, bereits eine Stunde nach Beginn zählte der Veranstalter mehr als doppelt so viele Teilnehmer.

Seit Dezember 2018 ist der Schüler des Ernst-Haeckel-Gymnasiums in Werder an den „Fridays for Future“-Demonstrationen in Potsdam beteiligt, bei der letzten Demonstration nahmen 1800 Schüler teil. Dass auch heute generationenübergreifend so viele Leute zu „Potsdam for Future“ gekommen sind, wertet Bartolain auch als Zeichen der Solidarität.

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„Potsdam for Future“ heißt das neue Bündnis, das sich aus zahlreichen lokalen Bündnissen aus Potsdam zusammensetzt und die Demonstration am Sonntag ausgerichtet hat. Wer hier mitmarschiert ist, engagiert sich zum Beispiel bei „Ende Gelände Potsdam“ für einen schnelleren Kohleausstieg, bei „Potsdam autofrei“ für eine Fahrrad- und fußgängerfreundlichere Stadt oder eben bei „Fridays for Future“ für einen Klimawandel-Stopp.

Am Freitag hatte das Vorbild der Schülerbewegung, die 16-jährige schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) besucht.

Solidarisch mit "Fridays For Future"

„Wir von ,Potsdam for Future’ wollen uns heute vor allem mit der ,Fridays for Future’-Bewegung solidarisch erklären“, sagt auch Franziska Sperfeld. Die 38-Jährige nimmt über den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an der Demonstration des großen Bündnisses teil. „Die Forderung nach einer gesetzlich festgelegten Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius tragen wir sowohl bei „Potsdam for Future“ als auch beim BUND mit.“ Die Auftaktdemonstration sei aber auch eine Art Testballon: „Nach dem heutigen Tag können wir auch sehen, was wir uns für die Zukunft vornehmen und inwiefern wir die Potsdamer Gesellschaft dafür mobilisieren können.“

Für den Klimaschutz die Komfortzone verlassen

Weil sich die teilnehmenden lokalen Bündnisse alle für den Klimaschutz stark machen, dabei jedoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen, engagieren sich viele der Teilnehmer auch parallel in mehreren Bündnissen. Florian Kirchesch, 42, ist sowohl bei „Potsdam autofrei“ als auch im vor einem Monat gegründeten Bündnis „Parents for Future“ aktiv.

„Greta Thunberg hat gesagt, dass wir für den Klimaschutz unsere Komfortzone verlassen müssen. Wir Eltern tun das jetzt und unterstützen die Kinder“, so Kirchesch. Zwar seien seine eigenen Kinder erst sechs und drei Jahre alt. „Wenn sie älter wären und demonstrieren gehen wollten, würde ich ihnen aber auf jeden Fall eine Entschuldigung schreiben.“

Während des Zwischenstopps am brandenburgischen Landtag kommt die Sonne heraus. Auf dem Platz vor der St. Nikolaikirche sorgt zunächst die Potsdamer Perkussionsgruppe „Seixta Feira“ für Stimmung und erntet tosenden Applaus, bevor verschiedene Beiträge zu hören sind. Mit Straßenkreide malen einige Kinder ihre Klima-Slogans auf den Platz.

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„Mich erinnert die Aktion heute an früher, als ich gegen Atomkraft auf die Straße gegangen bin“, erzählt Susanna Korthals. Die 51-Jährige und ihre Freundin Annette Liesecke (57) gehören keinem Bündnis an, sie sind privat gekommen. „Nicht nur das Erdklima, auch das zwischenmenschliche Klima in unserer Gesellschaft ist kaputt“, so Liesecke. „Wir wollen heute Präsenz zeigen und klarmachen, dass es so nicht weitergehen kann.“ Als Symbol für eine grünere, klimafreundliche Zukunft trägt sie einen Efeukranz im Haar. Beide Frauen betonen außerdem, wie viel Respekt sie vor dem Engagement der demonstrierenden Schüler haben.

„Wir sind die letzte Generation, die noch etwas gegen den Klimawandel tun kann"

Weltweit bleiben aktuell viele Schüler freitags dem Unterricht fern, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Das Potsdamer Leibniz-Gymnasium hat jetzt bekanntgegeben, dafür keine weiteren Freistellungsanträge zu bewilligen, da die Freitagsdemonstrationen mit dem Lehrauftrag kollidierten. „Wir wollen heute erneut beweisen, dass wir nicht einfach nur streiken, weil wir keinen Bock auf den Unterricht haben“, erklärt Schüler Vincent Bartolain.

„Wir sind die letzte Generation, die noch etwas gegen den Klimawandel tun kann. Deshalb sind wir jetzt einfach dran, uns für eine lebenswerte Welt einzusetzen“, sagt Bartolain.

Wie die "Fridays-for-Future"-Organisatoren auf Twitter mitteilten, wird es am 12. April den nächsten Schulstreik geben. Dann wieder an einem Freitag.

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