Der "Potsdam-Bonus" soll für mehr Entlastung auf dem angespannten Wohnungsmarkt sorgen.  Foto: Ottmar Winter
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"Potsdam-Bonus" startet Vorteil für Potsdamer bei Wohnungssuche

Henri Kramer

Erst im Dezember war der „Potsdam-Bonus“ von den Stadtverordneten beschlossen worden. Nun startet die Kommunale Bauholding Pro Potsdam die punktebasierte Wohnungsvergabe bereits. 

Potsdam - In der Landeshauptstadt mit ihrem angespannten Wohnungsmarkt werden ab sofort die ersten Domizile nach dem neuen „Potsdam-Bonus“-Modell vergeben. Wohnungen gehen damit bevorzugt an Einheimische, Familien oder Menschen mit Behinderung. Das Modell stellte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Dienstag der Presse vor. Dabei gab er das Ziel aus, für den „Potsdam-Bonus“ möglichst Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaften und die private Wohnwirtschaft ins Boot zu holen. Einen ersten konkreten Interessenten gebe es schon, ergänzte Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD). 

Das Bonusmodell für die Vergabe von Wohnraum wird zunächst von der kommunalen Bauholding Pro Potsdam mit ihren mehr als 17 500 Wohnungen ausprobiert. Die Kriterien dafür legte Pro Potsdam-Chef Jörn-Michael Westphal dar – anhand zweier Beispiele: Wohnungen in der Babelsberger Großbeerenstraße und der Gaußstraße, Am Stern, für die sich Interessierte ab jetzt bewerben können. 

Bewerber unterliegen Punktesystem 

Zum Zuge kommt ein komplexes Punktesystem. Dafür müssen die Bewerber diverse Angaben zu ihrer Lebenssituation machen. Etwa zum bisherigen Wohnsitz, der Arbeits-, Studien- oder Ausbildungsstätte, einer möglichen Behinderung oder einem Pflegegrad, der Anzahl der Kinder und den eigenen Einkünften. 

Beispiel 1: Wer in Potsdam lebt oder arbeitet, erhält dafür 30 Punkte – Interessierte aus dem Umland oder Berlin bekommen dagegen in dieser Kategorie null Punkte. 

Beispiel 2: Wer sich um eine 50-Quadratmeter-Wohnung bewirbt und mehr als 58 061 Euro im Jahr verdient, bekommt zehn Punkte. Wer nur 28 000 Euro Einkommen hat, bekommt hingegen 30 Punkte. Je erwachsenem Familienmitglied kommen drei Punkte hinzu, bei Kindern jeweils sechs. Die Schwere einer Behinderung oder eines Pflegegrades wird mit bis zu 20 Extrapunkten gewichtet. Bis zu 100 Gesamtpunkte sind so möglich. 

Bei Gleichstand entscheidet Los

Wenn sich mehrere Bewerber:innen für eine Wohnung finden, gewinnt der oder die mit der höchsten Punktzahl. „Bei Gleichstand entscheidet das Los“, so die Pro Potsdam in ihrer Erklärung für interessierte Mieter. Geht es um eine bewohnte Wohnung, wird zur Begrenzung der Einzuladenden gegebenenfalls auch ein Losverfahren im Vorfeld verwendet. 

Bewerber müssen ihre Angaben laut den Regeln für das Modell konkret nachweisen. Bei falschen Angaben werde der Zuschlag an den nächstplatzierten Interessenten erteilt, heißt es in den Richtlinien. Wird im Nachhinein eine vorsätzliche Täuschung festgestellt, kann die Pro Potsdam den Mietvertrag außerordentlich kündigen. 

Meier spricht von "ausgefeilten Kriterien"

Dezernentin Meier sprach von „ausgefeilten Kriterien“, auch bundesweit sei dieses Projekt modellhaft. Die Stadt selbst hatte für die Erarbeitung auch bestehende Einheimischen-Modelle in Bayern als Vorbild genommen. Ziel: Einkommensschwächere Menschen, die hier leben oder arbeiten, sollen bevorzugt an Wohnraum kommen – auch um den Pendelverkehr zu reduzieren. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt sollen Potsdamer so Vorteile vor besserverdienenden Zuzüglern erhalten. So sprach Dezernentin Meier denn auch von einem „langfristig großen Potenzial zur Entlastung der Potsdamer Wohnbevölkerung“. 

Bis Herbst will die Pro Potsdam mit dem Modell Erfahrungen sammeln, dann Politik und Stadtverwaltung eine erste Evaluation vorlegen. Westphal sagte, die Herausforderung bei der Erarbeitung des Modells sei es gewesen, den Datenschutz zu gewährleisten und den Antidiskriminierungsvorgaben der EU zu entsprechen. 

Bis zu 300 Wohnungen jährlich

Derzeit ist das Modell begrenzt: Rund 250 bis 300 Wohnungen sollen laut Westphal pro Jahr auf diese Weise vergeben werden. Die Wohnungen werden dabei ab sofort auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht – und auf der Pro Potsdam-App für Smartphones. 

Erst im Dezember hatten die Stadtverordneten den „Potsdam-Bonus“ beschlossen. Erstmals vorgestellt hatte Schubert die Überlegungen im September. Damit sei das Bonusprogramm eine der am schnellsten in Potsdam umgesetzten Ideen – für die nun weitere Mitstreiter der Wohnungswirtschaft gewonnen werden müssen. 

Ein fertiges und erprobtes Modell könnte sich auch für andere Vermieter in der Stadt als vorteilhaft erweisen, sagte Dezernentin Meier. Angestrebt werde ein einheitliches „Potsdam-Bonus“-Zertifikat. Perspektivisch hatte Schubert bereits angekündigt, dass das entwickelte Punktesystem auch bei der Vergabe kommunaler Baugrundstücke angewendet werden könnte. 

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Nicht in dem jetzigen Punktesystem enthalten sind Kriterien wie das ehrenamtliche Engagement von Interessenten oder ihre Tätigkeit in bestimmten Bereichen der Daseinsvorsorge, wie etwa der Feuerwehr. Hier soll es separate Kooperationsvereinbarungen zur Vergabe von Wohnungen geben, kündigte Westphal an – zum Beispiel mit gemeinnützigen Trägern. 

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.propotsdam.de/mieten/propotsdam-bonus
 

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