So wünscht sich Mitteschön die Kirche - als Original Foto: Mitteschön
© Mitteschön

Pläne für Weiterbau der Garnisonkirche Ein Kirchenschiff aus Steuergeld

Neue Idee der Potsdamer Initiative "Mitteschön": Die Garnisonkirche wird eine Europakirche. Das würde mehrere Millionen Euro kosten. Zahlen soll der Steuerzahler.

Potsdam - In der Dauerdebatte zur Garnisonkirche hat die Bürgerinitiative Mitteschön ihren altbekannten Vorschlag für einen originalgetreuen Wiederaufbau des Gotteshauses konkretisiert – und will den Bau als Europakirche genutzt wissen. Ein entsprechendes Konzept hat die Initiative nun im Internet veröffentlicht und Widerspruch der Gegner provoziert.

Ein Kirchenschiff für 60 Millionen Euro

Demnach schwebt der Initiative ein Kirchenschiff für 60 Millionen Euro vor – mit Platz für bis zu 1800 Personen im Innenraum. Dieser könnte für Gottesdienste, aber auch für Kultur- oder andere Großveranstaltungen genutzt werden. Auch als Bildungs- und Erinnerungsstätte soll die Europakirche dienen, „mit Schwerpunkt östliche Nachbarländer, die der Völkerverständigung dient“. 

Bei der Bezahlung setzt Mitteschön – auch in Corona-Zeiten mit milliardenschweren Hilfspaketen aus Steuergeldern – auf die öffentliche Hand. Dass diese den Hauptbeitrag zur Finanzierung leiste, sei „denkbar“, so Mitteschön. Eine Widmung als Europakirche „sollte auch eine Ko-Finanzierung mit EU-Mitteln ermöglichen“, heißt es weiter. Schon für den entstehenden Turm muss die Finanzierung mangels Spenden im Wesentlichen der Bund stemmen. Zugleich sollten laut Mitteschön weiter Spenden gesammelt werden. Mit der Kirche würde eine „schmerzliche Lücke“ im Stadtbild geschlossen, die Potsdamer Mitte um einen kulturell wertvollen Teil bereichert, so Mitteschön.

Steuergeld soll es richten - und EU-Fördermittel

Ob es so kommt, ist mehr als ungewiss. Denn bekanntlich haben Rathaus, die Stiftung Garnisonkirche und das benachbarte Künstlerhaus Rechenzentrum, was dem Bau eines Kirchenschiffs im Weg stünde, gerade einen Dialog zur künftigen Nutzung des Leerraums neben dem Turm aufgenommen. Dabei hatte sich bereits abgezeichnet, dass in der Stadtpolitik nur noch eine Minderheit einen originalen Wiederaufbau favorisiert, selbst ein Erhalt des Rechenzentrums eine Option wäre. Bei Mitteschön spielt es keine Rolle mehr: Allerdings könnte dessen denkmalgeschütztes Fries „an seinem originalen Standort als raumgestaltendes Element für ein Café dienen oder auch als Außenausstellungsort für Exponate des Kreativzentrums genutzt werden“, heißt es im Konzept. 

Harsch fielen Internet-Kommentare von Gegnern der Garnisonkirche zum Mitteschön-Konzept aus – so spottete Lutz Boede von der Fraktion Die Andere über eine „Schnapsidee“ und ätzte in Anspielung auf die Historie der Ex-Militärkirche: „Hauptsache, dieser Bau wird aus öffentlichen Mitteln bezahlt und sieht genauso aus wie auf Opas Feldpostkarte."

Das Rechenzentrum - und im Hintergrund die Baustelle des Turms der Garnisonkirche Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Das Rechenzentrum - und im Hintergrund die Baustelle des Turms der Garnisonkirche © Ottmar Winter
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