Pilzberatung auf dem Wochenmarkt am Potsdamer Bassinplatz. Foto: Ottmar Winter
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Pilzsaison 2019 „Giftige Arten tauchen vermehrt auf“

Nach dem mageren Pilzjahr 2018 haben Sammler jetzt gute Chancen. Aber es kommt auch vermehrt zu Vergiftungen. Der Potsdamer Pilzberater Wolfgang Bivour sagt im PNN-Interview, worauf es ankommt.

Herr Bivour, die Pilze sprießen dieses Jahr in großen Mengen. Woran liegt das?
 

Die Regenfälle der letzten Zeit waren der Auslöser für das Pilzwachstum. Und vielleicht war für einige Arten auch die Trockenheit davor nicht schlecht. Die Fruchtkörperanlagen werden schließlich einige Zeit vorher angelegt, bevor die Pilze überhaupt zu sehen sind. Das heißt, die Vorgeschichte ist auch wichtig. Manche Arten haben sich vielleicht bei der Hitze wohl gefühlt. Aber das trifft nicht auf alle zu. Für die Pfifferlinge kam der Regen zu spät. Deswegen gab es dieses Jahr sehr wenige. Die Bedingungen, die Pilze brauchen, sind sehr unterschiedlich.

Viele Menschen gehen derzeit zum Sammeln in den Wald. Aber sollte jemand, der sich nicht damit auskennt, überhaupt Pilze sammeln?

Wenn man sich nicht auskennt, sollte man sich an die Röhrlinge halten, weil es da keine gefährlich giftigen Arten gibt. Einige schwach giftige Arten können zu Erbrechen und Durchfall führen. Diese sind in Brandenburg aber außerordentlich selten. Oder man erwischt den bitteren Gallenröhrling, der das Pilzgericht ungenießbar macht.

Wolfgang Bivour ist Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Wolfgang Bivour ist Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. © Ottmar Winter

Wie kann ich giftige von essbaren Pilzen unterscheiden?

Eine Faustregel gibt es nicht. Nur sichere Artenkenntnis ist der Schutz vor einer Pilzvergiftung.

Gab es dieses Jahr schon Pilzvergiftungen?

Dieses Jahr tauchen giftige Arten vermehrt auf, sodass es schon einige Vergiftungsfälle gab. Der giftige Karbol-Champignon kommt häufiger vor und wird oft mit dem essbaren Anis-Champignon verwechselt. Auch der giftige Garten-Riesenschirmling wächst vermehrt, der dem essbaren Parasolpilz stark ähnelt. Darüber, ob der Garten-Riesenschirmling wirklich giftig ist, sind sich die Experten aber uneinig. Manche Menschen können ihn anscheinend vertragen. Insgesamt ist der Anteil der Giftpilzarten an der Gesamtzahl aber gering.

Können Sie genaue Zahlen zu den Vergiftungsfällen nennen?

Nein, da Pilzvergiftungen leider nicht meldepflichtig sind. Ich hatte aber etwa 30 Fälle, bei denen Kinder an Pilzen geknabbert haben, von denen man nicht wusste, ob sie giftig sind. Es gab auch einen Fall, bei dem ein Kind ein Stück von einem Fliegenpilz verspeist hat. Da war ärztliche Hilfe nötig.

Dienstags, donnerstags und samstags von 9 bis 12 Uhr berät Bivour Pilzsammler auf dem Bassinplatz. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Dienstags, donnerstags und samstags von 9 bis 12 Uhr berät Bivour Pilzsammler auf dem Bassinplatz. © Ottmar Winter

Woran erkennt man eine Pilzvergiftung?

Die klassischen Symptome sind Erbrechen und Durchfall. Manche andere wiederum, wie der giftige Pantherpilz zum Beispiel, wirken auf das zentrale Nervensystem. Der Verzehr führt zu Koordinierungsschwierigkeiten, Sehstörungen und Rauschzuständen. Ähnlich ist es auch beim Fliegenpilz.

Gibt es auch giftige Pilze, die zum Tode führen können?

Tödlich können der Grüne Knollenblätterpilz und seine weiße Verwandtschaft sein. Der Verzehr löst heftige Brechdurchfälle aus. Das Problem ist, dass die Symptome erst spät auftreten und sich das Gift dann bereits im Körper verteilt hat. Es zerstört die Leber irreversibel. Das kann soweit gehen, dass nur noch eine Lebertransplantation hilft. Schlimmstenfalls führt es zum Tod.

Was sollte man im Falle einer Vergiftung machen?

Bei Vergiftungserscheinungen sollte man sofort ins Krankenhaus oder sich in ärztliche Behandlung begeben. Wenn einem nicht sowieso schon schlecht ist, kann man selbst das Erbrechen hervorrufen.

Welche essbaren Pilze wachsen dieses Jahr in der Region?

An einigen Stellen kommen viele Steinpilze vor. Ansonsten gibt es viele Birkenpilze, Butterpilze und Maronen-Röhrlinge. Steinpilze und Birkenpilze sind geschützte Arten. Daher darf man diese pro Person nur in geringen Mengen sammeln, etwa ein bis zwei Kilogramm pro Tag.

Wo findet man die meisten Pilze?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Dort, wo hohes Gras und viel Gestrüpp wächst, ist es weniger erfolgsversprechend. Fündig werden Pilzsammler eher dort, wo Laub und Nadelstreu offen liegen und kein größerer Bewuchs vorhanden ist.

Essen Sie selbst noch gerne Pilze?

Na klar. Aber irgendwann ist auch genug. Und es muss etwas Abwechslung geben.

Welche Pilze sind besonders lecker?

Steinpilze, die Krause Glucke, der Flockenstielige Hexen-Röhrling und zum Beispiel die Wiesenchampignons.

Welche Zubereitung empfehlen Sie?

Auf jeden Fall ist es wichtig, die Pilze gut zu garen, weil manche Pilze roh giftig sind. Ich esse Pilze im Allgemeinen am liebsten pur mit ein paar Zwiebeln in der Pfanne gebraten. Dazu kommen nur Salz und Pfeffer.

Das Interview führte Birte Förster.

Wolfgang Bivour, 69 Jahre alt, ist Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und Vorsitzender des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen. Bis mindestens Ende Oktober berät er Sammler auf dem Markt am Bassinplatz immer dienstags, donnerstags und samstags von 9 bis 11 Uhr.


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