Otto Heinrich, "Potsdam zur Weihnachtszeit", 1940. Foto: Potsdam Museum
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Otto Heinrich malte Potsdam Licht, Luft und Leben auf dem Platz der Einheit

So sah Weihnachten 1940 in Potsdam aus. Der Maler Otto Heinrich stellte die Stadt in vielen Facetten dar - treffsicher in Form und Inhalt. Das Potsdam Museum bereitet derzeit eine Ausstellung zu Heinrich vor.

Potsdam - Auf den Wilhelmplatz, den heutigen Platz der Einheit, führt der Maler Otto Heinrich (1891-1967) den Betrachter. Mit Schnee bedeckt ist die weite Fläche des Platzes, auch der große Tannenbaum trägt Schneehauben. Der Himmel mit den düsteren Wolken verrät, dass es wohl frischen Schnee geben wird. Wenige Fußgänger sind unterwegs, einige scheinen Zeit zu haben, plaudern mit Freunden oder Bekannten, eine Familie hat es aber eilig, denn der erstandene Tannenbaum soll zu Hause als sichtbares Zeichen des Weihnachtsfestes noch geschmückt werden. Eingerahmt wird der Platz durch barocke Gebäude am Kanal, die es heute nicht mehr gibt. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie zerstört. Die gewaltige Baumasse von Karl Friedrich Schinkels St. Nikolaikirche beherrscht die Stadtszene. Otto Heinrich macht deutlich: Das menschliche Maß von Architektur wurde hier bis an seine Grenzen geführt. Der Maler hat das gemütlich-betuliche Treiben auf dem Wilhelmplatz kurz vor dem Weihnachtsfest 1940 eingefangen, in spätimpressionistischer Malkultur.

Die dunkle Zeit des Nationalsozialismus stellte er kaum dar

Der in Berlin Geborene studierte unter anderem an der Hochschule für Bildende Kunst seiner Heimatstadt bei Ulrich Hübner und Friedrich Kallmorgen. 1920 zog er nach Potsdam. Nicht für jedes Stadtbild, wohl aber für das Potsdamer gilt, dass es selbst ein Kunstwerk war, dass es in seiner wechselnden Gestalt das Wirken der Architekten und Gartenkünstler widerspiegelt. Die Potsdamer waren wohl stolz, in einer gepflegten Stadt zu leben. Es herrschte eine gewisse Selbstzufriedenheit, entstanden aus dem Bewusstsein monarchistischer Tradition.

Otto Heinrich hat Potsdam mit den berühmten Architekturen wie dem Stadtschloss, der Garnison- oder Heiligengeistkirche, dem Stadtkanal und seinen Brücken, den Skulpturen oder dem Fischmarkt ein bildnerisches Denkmal gesetzt. Die dunkle Zeit des Nationalsozialismus wird in seinem Werk kaum dargestellt. Politische Zeitgeschichte erlebt man aber im Aquarell mit der mit Hakenkreuzfahnen geflaggten Brandenburger Straße von 1934. Ob er Mitglied der NSDAP war, ist nach heutigen Rechercheergebnissen zweifelhaft, sagt Thomas Kumlehn vom Potsdamer Kunstverein e.V. Als Mitläufer jedoch gilt er, so wie die meisten seiner Zeitgenossen. Nach 1945 wurden seine malerischen Aktivitäten immer schwächer, da ihm gesundheitliche Probleme zusetzten.

Im nächsten Jahr gibt es eine Heinrich-Ausstellung im Potsdam Museum

Was Heinrichs Bilder in Form und Inhalt auszeichnet, ist nicht nur ihr Traditionsbezug, sondern die Treffsicherheit, die Verbindung von Licht, Luft und städtischem Leben. Das Atmosphärische wird Träger seiner Malerei. Das Potsdam Museum, das einen großen Teil des Nachlasses von Heinrich aufbewahrt, bereitet für die kommenden Jahre eine große Ausstellung mit dem Werk des Künstlers vor.

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