Bei den Kommunalwahlen am Sonntag wird in den Potsdamer Ortsteilen auch über die Zusammensetzung der Ortsbeiräte abgestimmt. Foto: dpa
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Ortsbeiräte werden gewählt Kommunalwahl: Wer die Probleme in Potsdams Norden lösen will

Bei der Kommunalwahl werden in den Potsdamer Ortsteilen auch die Ortsbeiräte bestimmt. Kandidatenlisten und Problemlagen unterscheiden sich vor Ort zum Teil deutlich. Nur eine Sorge eint alle.

In den eingemeindeten Ortsteilen wie Fahrland oder Groß Glienicke sind die Ortsbeiräte die Interessenvertretungen von aktuell insgesamt mehr als 22.500 Potsdamern. Zwar haben diese Gremien in den vergangenen Jahren wegen der fehlenden Verbindlichkeit ihrer Beschlüsse allerdings an politischer Bedeutung eingebüßt. Gleichwohl müssen sie zu Bauprojekten in ihren Ortsteilen stets angehört werden, auch zu anderen Themen vor Ort können sie Anträge stellen. Das letzte Wort aber hat immer die Stadtverordnetenversammlung. 

Zur Kommunalwahl am Sonntag können die Wähler im Norden und Westen der Stadt auch über die Zusammensetzung dieser Ortsbeiräte entscheiden. Die PNN geben einen Überblick zur Lage in den Ortsteilen, die sehr unterschiedlich ist. Ein Thema eint jedoch alle Bewohner: die Sorge wegen des wachsenden Verkehrs, vor allem im Potsdamer Norden, wenn dort mit Krampnitz in den nächsten Jahren noch ein Stadtteil mit bis zu 10.000 Bewohnern errichtet wird.

Dauerstreit. Zum teils gesperrten Uferweg in Groß Glienicke gibt es seit Jahren juristische Auseinandersetzungen. Foto: S. Gabsch Vergrößern
Dauerstreit. Zum teils gesperrten Uferweg in Groß Glienicke gibt es seit Jahren juristische Auseinandersetzungen. © S. Gabsch

GROSS GLIENICKE

In Groß Glienicke gibt es viele Konflikte – sei es der Streit um den von einigen Anrainern seit Jahren gesperrten Uferweg, sei es der Zwist um Erhalt oder Abriss des vor Jahren ohne Genehmigung errichteten Kinderbauernhofs am Eichengrund. 

Für Streit mit der Stadt Potsdam sorgte ferner die im Dezember 2017 erfolgte Kappung der direkten Buslinien von Groß Glienicke zum Potsdamer Hauptbahnhof. Damit keine Parallelverkehre mit der Tram entstehen, müssen die mehr als 4500 Bewohner des Ortsteils nun am Campus Jungfernsee umsteigen. Dagegen hatte der frühere Grünen-Stadtverordnete Andreas Menzel, der diesmal für die Freien Wähler in das Stadtparlament einziehen will, Tausende Unterschriften für einen letztlich dennoch gescheiterten Einwohnerantrag gesammelt. 

Menzel ist auch Spitzenkandidat der Unabhängigen Wählergemeinschaft für den Ortsbeirat, die Gruppe erhielt 2014 immerhin 6,6 Prozent – was einen der neun zu vergebenden Sitze bedeutete. Damals gewann in dem Ortsteil mit 31,3 Prozent das Groß Glienicker Forum mit Ortsvorsteher Winfried Sträter, das sich auch für einen freien Uferweg und Direktbusse nach Potsdam einsetzt – allerdings moderater agiert als Menzel. CDU und SPD kamen in dem Ortsteil auf 23,1 beziehungsweise 19,5 Prozent, die Linke auf 13,7 Prozent. Letztere wollen mit Peter Kaminski wieder in den Ortsbeirat. Die Union setzt auf das langjährige Beiratsmitglied Jörg Manteuffel, die Sozialdemokraten auf Steve Schulz, bisher sachkundiger Einwohner im Bildungsausschuss. Insgesamt gibt es 33 Kandidaten – mehr als in jedem anderen Ortsteil.

FAHRLAND

Auch zur Entwicklung des schnell wachsenden und inzwischen von mehr als 5000 Menschen bewohnten Stadtteils Fahrland hat es in den vergangenen Jahren viele Schlagzeilen gegeben – etwa wegen fehlender Kita- und Grundschulplätze oder dem Widerstand der lokalen Bürgerinitiative gegen geplante neue Wohnbauprojekte, etwa eine Semmelhaack-Siedlung in der Ketziner Straße. Insofern ist es folgerichtig, dass sich die Initiative erstmals auch für den Ortsbeirat direkt bewirbt – mit dem Spitzenkandidaten Stefan Matz, der bisher für die Linke in dem Gremium saß und der die Semmelhaack-Pläne immer wieder infrage stellte. Für die SPD gesetzt ist der langjährige Ortsvorsteher Claus Wartenberg. 2014 holten die Sozialdemokraten vor Ort 45,7 Prozent, gefolgt von der CDU mit 20,8 Prozent – die diesmal aber nicht in Fahrland antritt. 18,9 Prozent hatten die Grünen bekommen, hier geht die Stadtverordnete Birgit Eifler wieder ins Rennen. 

Die Linke setzt auf Tina Lange, die im Norden Potsdams auch Landtagskandidatin ist. Die Lehrerin gehört zur Bürgerinitiative und lebt mit dem Linke- Bundestagsabgeordneten Norbert Müller zusammen. Beim Thema Verkehr kämpft man im Ortsteil unter anderem für einen Radweg zum Bahnhof nach Marquardt – und hofft auf die Anbindung an die Tramtrasse in das geplante neue Stadtviertel auf dem benachbarten Kasernengelände Krampnitz. Zudem hat die Stadt den Norden von Fahrland unter anderem als möglichen Standort für einen zweiten Betriebshof für die Straßenbahnen des Verkehrsbetriebs auserkoren. Auch das stößt im Ortsteil nicht nur auf Gegenliebe.

MARQUARDT

Wenig Wahlmöglichkeiten gibt es für die fast 1200 Einwohner von Marquardt: Für die drei Sitze im Ortsbeirat tritt einzig das unabhängige Aktionsbündnis Nord/West (ANW) mit sieben Kandidaten an, so stellt sich Ortsvorsteher Peter Roggenbuck wieder zur Wahl. Der Ortsteil kämpft aktuell für einen neuen Bolzplatz, ein Dauerthema ist auch die dringend nötige Modernisierung des Bahnhofs. 2014 hatte noch die Kommunale Wählergemeinschaft Nord den Urnengang gewonnen, mit 58,6 Prozent. Die SPD erreichte damals 15,1 Prozent – diesmal hat man vor Ort keinen Kandidaten gefunden. Auch die CDU, die lange mit dem ANW kooperierte, steht nicht zur Wahl.

UETZ-PAAREN

Im kleinen Ortsteil Uetz-Paaren können die Sozialdemokraten hingegen einen Kandidaten für den dreiköpfigen Ortsbeirat stellen: den 1987 geborenen Soldaten Stefan Böttcher. In dem Ortsteil hatte 2014 noch das ANW-Bündnis mit Ortsvorsteher Eckhard Fuchs genau 100 Prozent geholt. Diesmal konkurrieren noch die Einzelbewerber Dennis Kroop und André Scheffler um einen Sitz. Zu den aktuellen Wünschen im Ortsteil zählt etwa der Bau eines Feuerwehrgerätehauses.

Marode. Anwohner demonstrierten Ende 2018 für den Erhalt und die Sanierung des Gutshauses Satzkorn. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Marode. Anwohner demonstrierten Ende 2018 für den Erhalt und die Sanierung des Gutshauses Satzkorn. © Andreas Klaer

SATZKORN

Um die Gunst der mehr als 400 Satzkorner konkurrieren diesmal zwei Linke und drei Sozialdemokraten, unter anderem der Ortsvorsteher Dieter Spira, auch hier geht es um drei Sitze im Ortsbeirat. Bei der Wahl vor fünf Jahren gewann noch die SPD vor dem ANW – mit 52,7 zu 47,3 Prozent. Ein Kernanliegen in dem Ortsteil ist der Erhalt des maroden Gutshauses Satzkorn, wofür sich Anfang des Jahres auch schon die Stadtverordnetenversammlung stark gemacht hat.

GRUBE

In Grube mit mehr als 430 Bewohnern wird es mit nur drei Kandidaten den kleinsten Stimmzettel aller Ortsteile geben. Dabei stellt sich der parteilose Ortsvorsteher und Feuerwehrmann Stefan Gutschmidt erneut zur Wahl. 2014 hatte er 49,5 Prozent der Stimmen geholt, SPD, Bürgerbündnis und CDU blieben alle unter der 20-Prozent-Marke. Die beiden anderen Bewerber für den Ortsbeirat kommen aus der Union – da es drei Plätze im Ortsbeirat gibt, werden die CDU-Kandidaten Mike Wagner und Stephanie Glöckner also mit Sicherheit in das Gremium einziehen. Das zentrale Thema für den Ortsteil ist der Durchgangsverkehr von der Autobahn auf der engen Wublitzstraße, gegen den man sich seit Jahren erfolglos wehrt. Zudem fordert man in Grube bessere Radwegeverbindungen, vor allem in Richtung Bornim.

Konfliktherd. Die Baupläne für die Insel Neu Fahrland sind umstritten, auch eine Trambrücke ist dort geplant. Foto: L. Hannemann Vergrößern
Konfliktherd. Die Baupläne für die Insel Neu Fahrland sind umstritten, auch eine Trambrücke ist dort geplant. © L. Hannemann

NEU FAHRLAND

Die mehr als 1550 Bewohner des Ortsteils Neu Fahrland haben sich bei der Ortsbeiratswahl 2014 klar entschieden – 73,5 Prozent erhielt damals das Bürgerbündnis und seine Kandidatin, die Ärztin und frühere CDU-Kreisvizechefin Carmen Klockow. Die Ortsvorsteherin ist auch diesmal wieder die Spitzenkandidatin ihrer Wählergruppe und setzt sich seit Jahren unter anderem für eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort ein, auch der Verkehr auf der B2 ist ein Dauerthema. Für Aufregung sorgen aktuell die von der Stadt veröffentlichten Baupläne für die Insel Nedlitz – hier steht die Ortsvorsteherin auf der Seite einer neu gegründeten Bürgerinitiative, die vor einer zu dichten Bebauung warnt. Auch das Stadtparlament hat den Plänen in ihrer bisherigen Form jüngst bereits eine Absage erteilt. Ein weiterer Kandidat für den fünfköpfigen Ortsbeirat ist erneut der Kaufmann Holger Wolinski für die SPD, die 2014 dort 14,4 Prozent der Stimmen holte. Auch die Grünen, die damals 12,1 Prozent bekamen, stehen mit dem Unternehmer Frank Spade an der Spitze wieder zur Wahl. Die Linke tritt mit der Medizinprodukteberaterin Birgit Kaatz an, 2014 war die Partei nicht vertreten. Dazu kommt der parteilose Einzelkandidat und Verkehrsingenieur Fiete Pantermöller.

EICHE

Die Wahl 2014 brachte im Ortsbeirat Eiche keine klaren Verhältnisse, SPD, Linke und CDU holten damals jeweils drei Sitze, auch wenn die SPD mit 37,8 Prozent vorne lag. Diesmal treten die Sozialdemokraten mit sieben Kandidaten an, an der Spitze Friedrich Winskowski, der langjährige Ortsvorsteher und frühere Manager des benachbarten Wissenschaftsparks Golm. Die Linken setzen wieder auf ihr Zugpferd Ralf Jäkel, der zuletzt auch den Bauausschuss der Stadtverordneten leitete. Für die CDU ist der frühere Regierungsdirektor Werner Pahnhenrich gesetzt, Landesgeschäftsführer der Senioren Union Brandenburg. Wichtige Themen für die mehr als 5300 Bewohner vor Ort sind der zunehmende Verkehr auf der Kaiser-Friedrich-Straße oder der immer noch nicht fertige Hort für die Ludwig-Renn-Grundschule.

Potenzial. Die Entwicklung des Wissenschaftsparks Golm und des Ortsteils ist längst nicht abgeschlossen. Foto: O. Winter Vergrößern
Potenzial. Die Entwicklung des Wissenschaftsparks Golm und des Ortsteils ist längst nicht abgeschlossen. © Foto: O. Winter

GOLM

Ähnliche Themen, etwa der wachsende Autoverkehr, bewegen auch die mehr als 3400 Golmer – wobei der Nachbarstadtteil von Eiche noch längst nicht fertig entwickelt ist, vielmehr stetig wächst. So hat sich der Wissenschaftspark in den vergangenen Jahren zu einem Top-Forschungsstandort entwickelt, in dessen Umfeld in den kommenden Jahren noch Hunderte Arbeitsplätze entstehen sollen. Als weiteres Entwicklungsgebiet hat die Stadt zuletzt eine Fläche im Golmer Norden ins Spiel gebracht, was vor Ort bereits für Widerspruch sorgte. Auch im Ortsbeirat war es in den vergangenen Jahren stellenweise turbulent, etwa weil der langjährige Ortsvorsteher Marcus Krause (SPD) nach persönlichen Problemen sein Amt Ende 2017 niederlegen musste. Nachfolgerin wurde die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig. In der Folge wechselte Krause kürzlich zu den Linken, für die er diesmal antritt. Vor ihm, auf Listenplatz 1 der Genossen, steht der nicht unumstrittene frühere Linken-Landtagsabgeordnete Heinz Vietze – der letzte SED-Bezirkssekretär von Potsdam vor der Wende 1989. Die Linke hatte 2014 noch 17,7 Prozent in Golm geholt. Gewonnen hatte damals die SPD mit 46,9 Prozent, ihr Spitzenkandidat diesmal ist der Frührentner Peer Wendt. Für die CDU – vor fünf Jahren holte die Union noch 22,8 Prozent – steigt wiederum Ortsvorsteherin Ludwig in den Ring: Aktuell wirbt sie für ihre Idee einer großen Seilbahn zur Verkehrsentlastung des Potsdamer Nordens und der Umlandgemeinden. Die Grünen, die damals 12,6 Prozent bekamen, setzen diesmal auf die frühere Studienrätin Monika Marx-Diemel. Neu auf dem Stimmzettel sind die Freien Wähler und ihre Stadtverordnete Irene Kamenz zu finden – sowie die Einzelbewerberin Angela Böttge.


Die Ortsbeiräte finden Sie im Internet hier.

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