SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (r.) besuchte am Freitag eine Kita-Baustelle der Hoffbauer-Stiftung. Foto: Soeren Stache/dpa
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Olaf Scholz auf Wahlkampftour in Potsdam Reif für die Insel?

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erkundet seinen Wahlkreis. Am Freitag war er auf Hermannswerder bei der Hoffbauer-Stiftung.

Hermannswerder - Das nicht bestellte Empfangskomitee wartet vor dem Hoffbauer-Tagungshaus auf Hermannswerder. Mehrere Familien mit Mundschutz, vier Erwachsene, Jugendliche, Kinder, davon ein Kleinkind im Korb eines Lastenfahrrads. Insgesamt zehn Personen. „Ein spontaner Zusammenschluss von Nachbarn“ erklärt eine Frau. Das lassen auch die beiden Polizisten gelten, die vor dem Haus auf und ab laufen. Denn eine Demo ist nicht angemeldet. Ganz spontan haben die Anwohner auch zwei Laken dabei, die sie hochhalten. Jetzt, wo ganz zufällig Olaf Scholz hier vorbeikommen soll. „Kein Neubau im Schutzgebiet“ steht auf dem einen. „Hier wohnt schon jemand. Alternative suchen!“ auf dem anderen.

"Alles Gute!", ruft Scholz den Anwohnern zu 

Sie müssen etwas warten, bis Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Scholz aus dem Tagungshaus tritt, begleitet von Vertretern der Hoffbauer-Stiftung, der sein Besuch am Freitag gilt. Auch Mittelmark-Landrat Wolfgang Blasig (SPD), Vize-Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, und Scholz’ Wahlkampfmanager, Brandenburgs SPD-Generalsekretär David Kolesnyk, gehören zum Tross. Personenschützer, Presse. Scholz bleibt vor der Anwohnergruppe stehen. Es ist ihm anzusehen, dass er nicht recht weiß, worum es hier geht. Kurzes Stirnrunzeln über dem schwarzen Mund-Nasen-Schutz. „Alles Gute!, sagt Scholz freundlich – und spaziert weiter.
„Wie? Das war es jetzt?“, fragt eine der Jugendlichen als der Politiker schon außer Hörweite ist. „Er ist doch hier Direktkandidat. Da könnte ihn das schon interessieren, worum es uns geht“, sagt Steffen Wohl, der mit seiner Familie auf Hermannswerder wohnt, die Halbinsel, wie er erklärt, seit 1984 kennt. Die Sorge der Spontan-Versammler: Dass Hermannswerder weiter zugebaut werde, der Verkehr auf dem Idyll zunehme – etwa durch die geplante neue Pflegeschule.

Die Hoffbauer-Stiftung plant eine neue Pflegeschule 

In der Schule sollen nach bundesweiter Reform der Pflegeausbildung hin zu einer generalistischen Ausbildung, über die sich Scholz bei seiner Inseltour informiert, künftig rund 800 Kinder-, Kranken- und Altenpfleger lernen. Bislang sind die Auszubildenden auf drei Standorte in der Region verteilt. Hoffbauer will die Schule als Mehrheitseigner auf Hermannswerder gemeinsam mit dem Bergmann-Klinikum und dem Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin betreiben. In dem dafür vorgesehenen Bau soll es 4000 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Etagen geben, ab Herbst 2023 soll eröffnet werden, hieß es im Vorjahr
Schon längst im Bau ist die neunte Hoffbauer-Kita , vom Bund mit 2,8 Millionen Euro gefördert, die im August eröffnen soll. 130 Kinder, darunter 14 mit unterschiedlichsten Beeinträchtigung, sollen dort betreut werden. Scholz marschiert über den Baustellenmatsch, rein in den Bau, lobt. „Das ist eine ganz tolle Kita in wunderschöner Landschaft. Da möchte man am liebsten nochmal Kind sein.“ Besonders den Inklusionsansatz der Einrichtung finde er gut und vorbildhaft.
Scholz sagt nichts Falsches. Ein guter Allgemeinplatz hilft manchmal auch. Etwa wenn es um die Frage geht, ob er denn nun von den Verkehrsbefürchtungen der Anwohner auf Hermannswerder schon einmal gehört habe. Ist er inhaltlich reif für die Insel? Wie gut kennt er seinen Wahlkreis 61, in dem er direkt mit Grünen-Kanzlerinnenkandidatin Annalena Baerbock konkurriert? „Die Wahrheit ist immer konkret und immer vor Ort“, ist dann so ein Scholz-Satz. Und dass er die Insel schon oft besucht habe. Auch das ist sicher nicht falsch: Speziell das Inselhotel wird immer wieder gerne als politischer Tagungsort genutzt. Es sei jedenfalls gut, dass es offenbar Kontakt mit den Anwohnern gebe, schiebt er noch Richtung Hoffbauer hinterher, betont aber: „Es muss möglich sein, dass die Stiftung sich hier weiter entwickelt.“ Die neue Pflegeausbildung müsse unterstützt werden.

Von Termin zu Termin  

Seit 2019 hat der Vizekanzler, verheiratet mit Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), seinen Erstwohnsitz von Hamburg nach Potsdam verlegt, jüngst zog er von der Berliner Vorstadt in die Innenstadt um. Scholz hat noch viel vor in der Landeshauptstadt. Zur Nikolaikirche will er anschließend. Gespräch mit dem neuen Generalsuperintendenten Kristóf Bálint. Um 17.30 Uhr dann virtuelles Zukunftsgespräch zum Thema Mieten und Wohnen im Wahlkreis. Am Montag ein Besuch im Oberlinhaus in Babelsberg.
Scholz winkt kurz freundlich in die Runde bevor er in seine Dienstlimousine steigt. Die Anwohner sind da längst weg. 

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