Zu groß. Die Pläne der Stadt Potsdam gehen der Genehmigungsbehörde zu weit. Der untere Bereich liegt im Landschaftsschutzgebiet Königswald und soll nicht bebaut werden. Dort wollten die Planer das Viertel „Schöne Aussicht“ ansiedeln. Foto: Polo GmbH
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Neues Potsdamer Wohngebiet Krampnitz soll kleiner werden

Das geplante Wohnviertel „Schöne Aussicht“ am Südhang des Aasbergs wird vermutlich nicht genehmigt. Die Behörde pocht auf den Naturschutz.

Das neue Wohnviertel auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Krampnitz wird vermutlich kleiner als geplant. Die Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg, die die Wohnbebauung genehmigen muss, ist gegen die Bebauung am Südhang des Aasbergs. Dies geht aus einem Entwurf des Bescheides hervor, den der Grüne Stadtverordnete Andreas Menzel am Dienstag in Umlauf brachte. Sollte es bei dieser Fassung bleiben, könnte die sogenannte Schöne Aussicht mit hochpreisigen Einfamilienhäusern nicht gebaut werden.

Bei dem Bescheid geht es um die Bewertung des sogenannten Zielabweichungsverfahrens. Dieses hat die Stadt angestrebt, weil die Bebauung des Geländes in der bisherigen Landesplanung nur zu einem Bruchteil vorgesehen war. Bis 2023 will Potsdam in Krampnitz ein komplett neues Wohnviertel für 3800 Menschen errichten. Grundsätzlich sei die Zielabweichung – also die Wohnbebauung – zulässig, heißt es nun. Schließlich sei anhand der damals vorliegenden Bevölkerungsprognose nicht vorhersehbar gewesen, dass Potsdam derart schnell wächst. Damals war man davon ausgegangen, dass die Stadt bis 2020 rund 160 000 Einwohner haben wird. Tatsächlich wird diese Marke aber wohl schon dieses Jahr geknackt. Außerdem können die Flächen nördlich von Bornim anders als damals geplant nicht vollständig bebaut werden, weil sie 2011 als Pufferzone der UNESCO-Welterbestätte deklariert wurden. Allerdings will die Behörde die Bebauung nach jetzigem Stand nur unter mehreren Auflagen erlauben: So muss die Stadt ein belastbares Verkehrskonzept vorlegen und nachweisen, dass Luftverschmutzung und Lärmbelastung vermieden werden. Zudem sollen fünf der geplanten 118 Hektar aus Naturschutzgründen aus von der Bebauung ausgenommen werden. Dabei geht es um einen relativ schmalen Streifen im Nordosten des Geländes, der an die Naturlandschaft Döberitzer Heide grenzt, sowie die Landwirtschafts- und Waldflächen am unteren Teil des Aasbergs im Süden des Geländes. Diese liegen innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Königswald.

Dort will die Stadt eigentlich 57 Einzelhäuser und 17 Doppelhäuser bauen lassen. Zumindest sieht das die Vorbereitende Untersuchung für das Entwicklungsgebiet vor, die die städtische Pro-Potsdam-Tochter Polo erstellt hat. „Die Südhanglage mit Blick auf den Fahrländer See bietet sich zudem für teurere Wohnformen an“, heißt es in dem Gutachten. Möglicherweise bricht dieses lukrative Geschäft nun weg. Angeblich würde sich das Defizit der Stadt, das nach bisheriger Planung bei 10,7 Millionen Euro liegen würde, dadurch um fünf Millionen Euro erhöhen.

Dementsprechend wenig erfreut reagierte der Baubeigeordnete Matthias Klipp (Grüne) auf die Nachricht: „Sollte das auch im Bescheid so bleiben, sieht die Landeshauptstadt Potsdam zusätzlichen Gesprächsbedarf mit der Gemeinsamen Landesplanung.“ Ob auch eine Klage erwägt wird, sagte er nicht. Noch sei der Entwurf der Gemeinsamen Landesplanung ohne Datum und Unterschrift. „Mit Spannung“ werde daher der endgültige Bescheid erwartet.

Erfreut über die Einschränkungen war hingegen Menzel. Er kritisiert die Pläne der Stadt seit Langem, da er sie mit dem Umweltschutz für unvereinbar hält und deutlich mehr Verkehr befürchtet. Er sei voller Freude, dass die von ihm vorgetragenen Bedenken Niederschlag in dem Bescheid gefunden hätten, sagte Menzel. Er hoffe, dass die Rathausspitze dies annehmen könne. Die Neuigkeit wird mit Sicherheit für zusätzlichen Sprengstoff bei der Stadtverordnetenversammlung am heutigen Mittwoch sorgen. Dort sollen die Krampnitz-Pläne erstmals diskutiert werden.Katharina Wiechers

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