Viele Gebäude auf dem Verwaltungscampus sind arg sanierungsbedürftig Foto: Sebastian Gabsch
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Neubau im Potsdamer Süden Rathaus plant neuen Verwaltungs-Campus

Potsdams Oberbürgermeister Schubert will das marode Verwaltungsgelände an der Hegelallee aufgeben.

Potsdam - Der Plan kommt überraschend und klingt ambitioniert: Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) will den maroden Verwaltungscampus an der Hegelallee aufgeben und stattdessen an anderer Stelle einen Neubau für 2200 Mitarbeiter errichten. Man wolle prüfen, ob eine solche Anlage zum Beispiel am ehemaligen Tramdepot in der Heinrich-Mann-Allee in der Teltower Vorstadt entstehen könnte – also auf dem Gelände zwischen Altem Friedhof und Humboldt-Gymnasium. Das kündigte Schubert am Freitag vor Journalisten an, Anlass war die Vorstellung der Planungen für den nächsten Doppelhaushalt der Stadt. Man gehe von Kosten in dreistelliger Millionenhöhe aus, hieß es.

Neue Probleme erzwingen Umdenken

Eigentlich hatte die Stadtverwaltung ihren maroden Campus in den nächsten Jahren stückweise sanieren und weiternutzen wollen. Geplant war etwa, den DDR-Büroblock „Haus 2“ abzureißen und durch einen Neubau für mehr als 800 Mitarbeiter zu ersetzen. Doch neue Probleme zwingen zum Umdenken, wie Schubert deutlich machte. So sei inzwischen klar, dass der DDR-Block „Haus 1“ – dort sitzt die Bauverwaltung – wegen mangelhafter Brandschutzvorrichtungen ab 2021 nicht mehr genutzt werden darf. Es gehe um die oberen drei Etagen des Achtgeschossers. Der Rest werde – wie auch noch das „Haus 2“ – im kommenden Jahr notsaniert, um die Arbeitsfähigkeit der Stadtverwaltung aufrechtzuerhalten. Daher müsse das „Haus 2“ zunächst auch noch weiter genutzt werden. Zudem seien, etwa wegen Wasserschäden, zuletzt noch einzelne weitere Gebäude auf dem Campus weggefallen, hieß es.

Neubau bietet Vorteile

Die Beispiele zeigten, dass die räumlichen Möglichkeiten auf dem Stadtgelände ausgeschöpft seien, sagte Schubert: „Es ist zu eng.“ Daher werde angesichts der Platznot nun der Neuanfang an anderer Stelle durchgerechnet. Inzwischen betreibt die Verwaltung in der Stadt rund 30 Zweigstellen, die zum Teil angemietet werden mussten. So sitzt etwa das Jugendamt am Palais Lichtenau und das Verkehrsmanagement in den Bahnhofspassagen. Ein Vorteil eines Neubaus wäre, dass all diese Behörden auf einem Campus zusammengefasst werden könnten. Das sei auch besser für das Miteinander in einer Verwaltung, sagte Schubert. Mit externer Hilfe werde man sich beraten lassen, inwiefern ein solcher Neubau wirtschaftlicher sei, sagte Kämmerer Burkhard Exner (SPD). Das Gelände am Tramdepot gehört der kommunalen Bauholding Pro Potsdam, die dort ein Wohn- und Gewerbequartier errichten will. Auch weitere Varianten und Flächen in der Stadt würden geprüft, hieß es.

Gleichwohl soll zumindest das Rathaus aber weiter wie geplant saniert werden. Wie berichtet geht es allein dort in den nächsten drei Jahren um 15 Millionen Euro, die in den Standort fließen. Schubert sagte, wegen Mängeln beim Brandschutz stoße auch im Rathaus bereits die Nutzung an Grenzen, speziell im Plenarsaal der Stadtverordneten. Dieser steht seit Jahren ohnehin wegen fehlender Steckdosen und beengten Verhältnissen in der Kritik, auch ein Neubau war bereits erwogen worden. Zu diesem Problem wolle man in den nächsten Wochen noch einen gesonderten Vorschlag machen, sagte der Rathauschef.

Parallel prüft die Stadt, was mit dem jetzigen Verwaltungscampus geschehen kann, wenn die Kommunalbehörden wegziehen. Dort könne zum Beispiel auch ein Wohnquartier entstehen, so Schubert. Zudem würden stets Flächen für Schulstandorte in der Stadt benötigt.

Mit den Plänen für den neuen Verwaltungsbau könnten das Rathaus und ihr Bürgerservice auch im Potsdamer Süden besser verankert werden, lautet ein weiteres Argument von Schubert. Die Anwohner dort hätten dann kürzere Wege für Behördengänge, für den Norden Potsdams bliebe der gewohnte Gang zum Stadthaus.

Kaum mehr Platz für neues Personal

Die Planungen an sich werde man in den nächsten Monaten mit den Stadtverordneten durchgehen. Schubert sagte, die Arbeitsbedingungen in der Stadtverwaltung seien über Jahre hinweg „nachrangig“ behandelt worden. Die Folge: Inzwischen gebe es kaum mehr Platz für eigentlich dringend benötigtes zusätzliches Personal. Wie berichtet kämpft die mehr als 2400-köpfige Stadtverwaltung seit Monaten mit Personalengpässen, von Überlastung war in gleich mehreren Bereichen die Rede. Zudem hatten IT-Probleme auf dem Campus die Lage weiter verschärft.

Als eine Gegenmaßnahme hatten die Stadtverordneten eigentlich im Mai 120 zusätzliche Stellen beschlossen. Doch deren Besetzung zieht sich hin, auch wegen des Fachkräftemangels und der Konkurrenz mit anderen Behörden in Berlin und Brandenburg. Seit Jahresbeginn habe man zwar 235 Kollegen neu einstellen können, sagte Schubert. Allerdings seien auch 189 Mitarbeiter gegangen, nicht nur aus Altersgründen. In den nächsten Jahren wolle man sich daher bemühen, ein attraktiverer Arbeitgeber zu sein, sagte Schubert: „Das ist kein Thema für die Kassenreserve.“ Eine Maßnahme ist auch im neuen Doppelhaushalt fest geplant: Ab nächstem Jahr sollten zum Beispiel die Mitarbeiter ein kostenloses Jobticket für den Potsdamer Nahverkehr erhalten.

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