Lebensraum Ufer. Bei der Kartierung sollen die Uferbereiche drei Kategorien eingeteilt werden. Foto: Ottmar Winter
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Naturschutz Potsdam bekommt Richtlinie für Uferschutz

Potsdam verfügt über rund 125 Kilometer Ufer. Jetzt soll dieser Bereich erstmals aus Naturschutzsicht kartiert und bewertet werden. Denn in der Vergangenheit sind Fehler passiert.

Potsdam - Über rund 125 Kilometer Ufer verfügt Potsdam laut früheren Angaben der Stadt. Jetzt wird dieser Bereich erstmals aus naturschutzfachlicher Sicht kartiert und bewertet. Der Naturschutzbeirat, ein ehrenamtliches Gremium, das die Stadtverwaltung in Naturschutzfragen berät, und die Untere Naturschutzbehörde, arbeiten gemeinsam an einer Richtlinie für den Uferschutz. Das erklärten der Beiratschef Rüdiger Knösche und Thomas Kuhlow von der Unteren Naturschutzbehörde am Dienstag vor Pressevertretern.

Susan Fischer und Rüdiger Knösche vom Naturschutzbeirat mit Thomas Kuhlow von der Naturschutzbehörde (v.l.n.r.). Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Susan Fischer und Rüdiger Knösche vom Naturschutzbeirat mit Thomas Kuhlow von der Naturschutzbehörde (v.l.n.r.). © Ottmar Winter


Die Potsdamer Gewässer spielten eine entscheidende Rolle beim Erhalt von Artenvielfalt, so Knösche. Sie stünden aber zunehmend unter Druck – durch verstärkten Wassertourismus, aber auch Stadtentwicklungsprojekte. Es gehe nicht darum, diese Entwicklung „völlig zu verhindern“, sagte der pensionierte Biologe, der dem Beirat seit 1999 angehört: „Aber wir müssen das regulieren.“

2020 soll die Kartierung abgeschlossen sein

Geplant sei, voraussichtlich bis 2020 sämtliche Uferbereiche in Potsdam anhand von Begehungen vor Ort oder Luftbildern zu bewerten. Dabei sollen sie drei Kategorien zugeordnet werden: Zonen von besonders hoher, von mittlerer und von geringerer Bedeutung. Die Uferschutzrichtlinie soll künftig als Grundlage für Entscheidungen zu Bau- und Stadtentwicklungsvorhaben dienen – angefangen bei Genehmigungen für Steganlagen. „Da ist bisher vieles ein bisschen aus dem Bauch heraus geschehen“, sagte Knösche. Besonders in den Zonen der höchsten Schutzklasse – Knösche nannte als Beispiel die Wublitz im Potsdamer Westen – sollen Eingriffe möglichst ganz vermieden werden. Es gehe aber auch darum, „sinnvolle Kompensationsmöglichkeiten“ für Bauprojekte zu finden, ergänzte Kuhlow von der Naturschutzbehörde. Besonders schutzwürdig seien etwa auch die Seerosenfelder zwischen dem Hinzenberg und der Oberen Planitz.

Alte und Neue Fahrt mit Betonkanten "verbaut"

Als Beispiel für eine problematische Entwicklung von Uferbereichen nannte Knösche die Alte und Neue Fahrt beidseitig der Freundschaftsinsel. Dort seien die Ufer mit Betonkanten „verbaut worden“: Damit sei die Durchlässigkeit für Wasserbewohner wie die sogenannten Mollusken, also Muscheln und Schnecken, aber auch Fischotter, „stark eingeschränkt“. Die Weichen für die Bebauung seien zwar schon zu DDR-Zeiten gestellt worden – mit der neuen Uferpromenade aber bis heute aktuell, sagte Thomas Kuhlow.

Stadt sucht Interessenten für die Mitarbeit im Naturschutzbeirat

Unterdessen sucht die Naturschutzbehörde zudem interessierte Bürger zur Mitarbeit im Naturschutzbeirat, dessen fünfjährige Amtsperiode 2019 endet. Gefragt seien Potsdamer mit fundiertem Fachwissen – sei es aus ihrer beruflichen Tätigkeit oder einem langjährigen Engagement im Naturschutz. Der Beirat kommt einmal monatlich zusammen. In der aktuellen Amtszeit waren etwa Krampnitz, aber auch der Naturschutz in den Schlösserparks wichtige Themen, sagte Knösche.

Der Biologe Rüdiger Knösche gehört dem Naturschutzbeirat seit 1999 an. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Der Biologe Rüdiger Knösche gehört dem Naturschutzbeirat seit 1999 an. © Ottmar Winter


Dem Beirat gehören 14 Mitglieder an, davon sieben in stellvertretender Funktion. Schriftliche Bewerbungen mit Angaben zur Person und dem Nachweis der Fachkunde gehen bis spätestens 30. September an die Landeshauptstadt, Bereich Umwelt und Natur, Friedrich-Ebert-Straße 79/81, 14469 Potsdam. Die Naturschutzbehörde sichtet die Bewerbungen und trifft eine Auswahl, die den Stadtverordneten vorgeschlagen wird. Ernannt wird der Beirat vom Oberbürgermeister für fünf Jahre. 

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