Mit Potsdams Bussen und Trams kommt man schneller voran als in Berlin. Foto: Andreas Klaer
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Nahverkehr in Potsdam Volle Straßen bremsen Busse und Trams

Potsdams Busse sind immer langsamer unterwegs. Die Trams kommen auch nicht schneller voran als zuletzt. Eine der Ursachen sind die volleren Straßen. Aber immerhin geht es schneller als in Berlin.

Potsdam - Wenn die Straßen in den Stoßzeiten nicht so voll wären, kämen Autos schneller voran. Doch der Wunsch zerplatzt schnell an der Realität. Denn auch Potsdams Straßen - das zeigt sich beinahe täglich - können nur eine begrenzte Anzahl von Autos zur gleichen Zeit aufnehmen. Kommen dann noch Engpässe dazu durch Baustellen oder Unfälle, kommt der Verkehr zum Stillstand. Nach dem Verkehrskonzept der Stadt sollen in der wachsenden Stadt deshalb Busse und Trams eine immer größere Rolle in Potsdam spielen. Damit soll man schnell und umweltschonend zugleich in der Stadt unterwegs sein können.

Tatsächlich sind Potsdams Trams zuletzt aber nicht schneller geworden und die Busse sogar langsamer. Potsdam Straßenbahnen waren im Jahr 2019 mit einer durchschnittlichen Beförderungsgeschwindigkeit von 20,7 Kilometer pro Stunde unterwegs. Das teilte der Potsdamer Verkehrsbetrieb (ViP) auf PNN-Anfrage mit. Damit waren sie genau so schnell wie im Jahr zuvor. 2015 lag das Durchschnittstempo noch bei 21,1 Kilometer pro Stunde. Wartezeiten an Ampeln und Haltestellen sind dabei schon eingerechnet. Im Jahr 2011 waren die Trams sogar noch mit 22 Kilometer pro Stunde unterwegs.

Busse sind schneller, werden aber langsamer

Etwas flotter geht es in Potsdam mit dem Bus voran - jedenfalls im Durchschnitt. Die Buslinien kamen im Jahr 2019 auf ein Durchschnittstempo von 23,3 Kilometer in der Stunde. Allerdings verlaufen auch mehr Buslinien als Tramlinien im ländlichen Raum mit großen Abständen zwischen den Haltestellen. In der engen Innenstadt geht es entsprechend langsamer voran. Und Potsdams Busse bremsen seit Jahren kontinuierlich: Im Jahr 2015 waren sie im Durchschnitt noch mit 23,8 Kilometern pro Stunde unterwegs.

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Für den Trend gibt es mehrere Ursachen. Baustellen spielen zwar eine Rolle, aber in der Regel nur vorübergehend und nicht für alle Linien. Ein wichtiger Faktor ist, wie viel auf den Straßen insgesamt los ist. Gibt es viele Staus, müssen sich auch die Busse anstellen. Und mit Potsdams Wachstum in vergangenen Jahrzehnt hat auch die Zahl der Autos deutlich zugenommen. Von 2015 bis 2019 ist die Zahl der in Potsdam angemeldeten Kraftfahrzeuge laut statistischem Jahrbuch der Stadt um rund 8000 auf 96564 gewachsen. Dazu kommen noch tausende Autos von Pendlern aus Berlin und dem Umland sowie der Durchgangsverkehr.

Mehr Fahrgäste machen langsamer

Anders als beim Bus sieht es bei der Tram aus. Rund 70 Prozent des Potsdamer Tramnetzes besteht nämlich aus eigenen Gleiskörpern, die von den Fahrspuren für den Autoverkehr getrennt sind. Die Tram fährt also oft am Stau vorbei. Im Jahr 2019 hat der Verkehrsbetrieb einen neuen Rekord aufgestellt: rund 35,1 Millionen Fahrgäste wurden befördert - viele davon mit der Tram. Das waren 4,7 Millionen mehr als im Jahr 2013. Eine Steigerung von 15,4 Prozent. Steigen mehr Fahrgäste ein und aus, dauert es an den Haltestellen entsprechend länger.

Natürlich sind nicht alle Linien gleich schnell unterwegs. Die schnellste Linie ist wie in den Vorjahren die Buslinie 612 mit 31 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt. Sie fährt größtenteils durch ländlich geprägten Raum zwischen Grube und der Kirschallee. Die schnellste Tramlinie ist die Linie 96 mit knapp 21 Kilometern pro Stunde. „Die Linie verfügt über einen hohen Anteil unabhängigen und besonderen Bahnkörper und ist damit außerhalb der Innenstadt weniger  vom motorisierten Individualverkehr beeinflusst“, so ViP-Sprecher Stefan Klotz. Nur in der Friedrich-Ebert-Straße gibt es kein eigenes Gleisbett. Aber auch die Linie 96 ist langsamer geworden. Vor zwei Jahren schaffte sie noch fast einen Kilometer mehr pro Stunde.

Im Potskutschentempo auf den Telegrafenberg

Wer es etwas gemächlicher mag sollte vielleicht mal eine Fahrt mit der Buslinie 691 wagen. Sie ist zwischen Hauptbahnhof und Telegrafenberg mit Tempo 13 unterwegs. Bei den Tramlinien ist die Linie 98 mit durchschnittlich 19 km/h am langsamsten - auch das ist eine Potsdamer Konstante. Insbesondere in Potsdam West in der Zeppelinstraße und Geschwister-Scholl-Straße ist diese Linie im teils dichten Straßenverkehr unterwegs. 

Beim Verkehrsbetrieb kann man sich trotzdem insgesamt ganz zufrieden sein. Denn immerhin kommt man besser klar  als der große Berliner Nachbar: Die Straßenbahnen der BVG kamen 2019 im Durchschnitt auf 18,8 Kilometer pro Stunde, die Busse sind mit 17,9 Kilometer pro Stunde sogar noch langsamer. Beide Werte sind zum Teil deutlich schwächer als in den Vorjahren. 

Ein wesentlicher Unterschied im Vergleich zu Potsdam ist bei der Tram, dass in Berlin nur rund 51 Prozent des 420 Kilometer langen Streckennetzes auf einem eigenen Gleisbett verlaufen. Den Bussen macht natürlich die deutlich höhere Verkehrsbelastung besonders in der Innenstadt zu schaffen. Vor Jahren hatte Berlin mal ein sogenanntes Busbeschleunigungsprogramm beschlossen -  mit zusätzlichen Busspuren und Vorrangschaltungen. Durchschlagenden Erfolg hatte das offenbar nicht. Nun scheint sich etwas zu tun: Seit Jahresbeginn wuchs die Länge der Busspuren von 102 auf 113 Kilometer. 

In Potsdam gibt es hingegen nur Busspuren in kurzen Abschnitten wie in der Friedrich-Engels-Straße zwischen Hauptbahnhof und Schlaatzstraße. Außerdem benutzen Busse manche Abschnitte der Tramtrassen wie am Landtag oder am Luisenplatz. 

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