Schnell, schnell. Den Bus am Campus Jungfernsee wollen viele Fahrgäste nicht verpassen. Sonst müssten sie womöglich lange warten. Foto: Andreas Klaer
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Nahverkehr in Potsdam Campus Jungfernsee: Tram und Bus mit Startproblemen

Im Potsdamer Norden gibt es weiter Beschwerden über die Busanbindung: Sobald die Tram Verspätung hat dauert der Umstieg bis zu einer knappen halben Stunde. Nun sollen Busfahrer auf verspätete Trams warten. Eine kluge Lösung oder eine Zumutung?

Campus Jungfernsee - Wohlfühlatmosphäre kommt nicht auf: Dienstag ist einer der kälteren Tage des bisherigen Winters. Die Temperatur um den Gefrierpunkt, es ist bedeckt, ein leichter Luftzug lässt die Kälte am Körper aufwärts kriechen. Immerhin regnet es nicht. Dennoch ist wohl jeder der eine Handvoll Wartenden an der Haltestelle Campus Jungfernsee froh, der sich nach ein paar Minuten in die warme Tram Richtung Innenstadt setzen kann. Am späten Vormittag klappt der Anschluss zwischen Tram und Bus auch in der Gegenrichtung.

Doch das ist offenbar häufig nicht so. Seit vor genau einem Monat der Fahrplan geändert wurde, meldeten sich bei den PNN mehrere Potsdamer, die bisher die Direktverbindung mit der Buslinie 638 zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und Groß Glienicke genutzt haben. Sie beklagen Probleme mit den Anschlüssen und fordern, den Bus wie früher wieder durchfahren zu lassen. Denn seit dem Fahrplanwechsel gibt es keine Direktverbindung mehr – bis auf wenige Fahrten für den Schülerverkehr. Stattdessen fährt die neue Tramlinie 96 bis zur neuen Haltestelle Campus Jungfernsee. Dort muss in den Bus umgestiegen werden.

Warten am Jungfernsee: Wenn die Tram Verspätung hat, kann der Umstieg lange dauern

Das ist offenbar problematisch: Nach 18 Uhr verkehrt der Bus 638 nämlich nur noch im 30-Minuten-Takt, ab 21 Uhr einmal stündlich. Wer ihn verpasst, weil die Tram spät dran ist, muss lange warten. Ein Groß Glienicker berichtet von mehr als einem Dutzend Fällen, in denen der Anschlussbus Richtung Groß Glienicke schon abgefahren war. Folge: „25 Minuten im Dunkeln und im Nirgendwo frieren.“ Er fordert, dass die Busse auf Trams warten sollen, die ihnen die Fahrgäste bringen. Kinder hole man inzwischen meist mit dem Auto ab.

Auch beim Verkehrsbetrieb (Vip) weiß man, dass noch nicht alles klappt. Nach PNN-Informationen sollen die Fahrer nochmals sensibilisiert werden, aufeinander zu warten. Im Großen und Ganzen funktioniere der Fahrplan aber gut. Für einige Fahrgäste sei es schwierig, die passende Tram für den gewünschten Bus zu finden. Ein offizielles Fazit zu den Erfahrungen seit dem Fahrplanwechsel konnte der Vip am Dienstag noch nicht ziehen.

Mehr als 600 Unterschriften wurden gesammelt um die Kappung der Buslinie am Campus Jungfernsee zu verhindern

Proteste gegen die Kappung der Buslinie hatte es schon im Vorfeld gegeben. Mehr als 600 Unterschriften wurden gesammelt. Doch vergeblich. Dauerhaft erledigt ist die Sache aber nicht: Der Ortsbeirat Groß Glienicke hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im Dezember aufgefordert, als Gesellschafter des Verkehrsbetriebs anzuweisen, dass der Bus weiter zum Hauptbahnhof fahren soll. Das wird zwar nicht passieren: „Die Gestaltung des Fahrplans ist Aufgabe des Verkehrsbetriebs“, sagte Jakobs auf PNN-Anfrage. Allerdings sagt der Oberbürgermeister auch, dass die Anbindung des Potsdamer Nordens im Rahmen der Überarbeitung des neuen Nahverkehrsplans diskutiert werden könne.

Stadteinwärts gibt es augenscheinlich geringe Probleme. Da die Tram im Zehn-Minuten-Takt fährt, kommt man schnell weiter, selbst wenn der Bus einmal Verspätung hat. Zwar hat sich die Fahrtzeit durch den Umstieg um ein paar Minuten verlängert – wie auch der Verkehrsbetrieb einräumte. Aber dafür kann der Fahrplan auch besser eingehalten werden, weil die Tram im Gegensatz zum Bus auf einem eigenen Gleisbett am Stau auf der Nedlitzer Straße vorbeifahren kann.

Bus Linie 698: Ganz vom Tisch ist das Thema noch nicht

Die Probleme der Groß Glienicker hätte mancher in Nedlitz gern: Sie würden sich über eine Anbindung an den Campus Jungfernsee freuen, haben aber keine. Die Buslinie 698 fährt von der Kirschallee über Bornim nach Nedlitz. Am Weißen See endet sie. Anwohner wünschen sich eine Verlängerung zum Campus Jungfernsee. So würden nicht nur Umsteigemöglichkeiten in die Tram, sondern auch nach Fahrland und Richtung Berlin-Spandau geschaffen. An der Linie befindet sich auch das Sozialdorf der Arbeiterwohlfahrt (Awo) inklusive der Heime für Wohnungslose und Flüchtlinge. Außerdem plant die Stadt derzeit dort einen Großsportplatz.

Doch beim Verkehrsbetrieb sieht man keine Notwendigkeit für einen Lückenschluss im Netz. Man habe die Verlängerung der Linie 698 untersucht, hieß es auf PNN-Anfrage. Allerdings hätte man für eine Verlängerung zusätzliche Busse benötigt. Zunächst bleibt bei der Linie 698 also alles, wie es ist. Ganz vom Tisch ist das Thema allerdings nicht: Man habe es für eine nächste Fahrplananpassung in den Themenspeicher aufgenommen, teilte der Vip mit. Es müsse nun erst einmal analysiert werden, wie sich die Verkehrsströme allgemein im Norden neu sortieren.

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