Die Teiche der Anglerhäuser an der Nutheschlange. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Nach Beschwerden Teiche an der Nutheschlange sollen saniert werden

Das Architekten-Paar Baller wirft der Pro Potsdam Vernachlässigung und Sachunkenntnis vor: Das Wohnungsunternehmen möchte nun tätig werden.

Potsdam - Neuer Streit um die Nutheschlange: Nachdem Anwohner sich über die mangelnde Pflege der Teichanlage beschwert hatten (PNN berichteten), schickte das städtische Wohnungsunternehmen Pro Potsdam Anfang Juli ein Antwortschreiben an die Mieter. Auf dieses Schreiben haben Hinrich und Doris Baller nun öffentlich reagiert, das Berliner Architektenpaar, das die Wohnanlage 1997 realisiert hatte. Sie kritisieren „massive Versäumnisse in der Pflege und der Wartung“ des Teiches sowie in Teilen „völlige Sachunkenntnis“ von Seiten der Pro Potsdam und der ausführenden Firmen. „Seerosen, Ufergehölze und vieles andere war gepflanzt worden und ist inzwischen wegen fehlender Pflege verkommen.“

Doch auch die Pro Potsdam scheint mit dem Zustand der Teichanlage unzufrieden zu sein: In ihrem Schreiben kündigt das Unternehmen an, den kompletten Teich sanieren zu wollen: „Für dieses sehr umfängliche Vorhaben beginnen die Vorbereitungen.“ Wann genau die Arbeiten beginnen und was genau saniert werden soll, konnte Pro Potsdam-Sprecherin Anna Winkler auf PNN-Nachfrage noch nicht sagen, erst müssten die Ergebnisse der Untersuchungen abgewartet werden.

Biologisches Gleichgewicht nicht mehr gewahrt

Die Teichanlage hatte in den vergangenen Wochen mit niedrigen Wasserständen und starker Algenentwicklung zu kämpfen. Laut Pro Potsdam erfolge die Wasser-Auffüllung durch eine Grundwasserpumpe seit einigen Jahren nur noch nach Bedarf und manuell durch den Hausmeister, weil es in der Vergangenheit „mehrfach zur unkontrollierbaren Fremdentnahme von Wasser zur Bewässerung der Balkonbepflanzungen gekommen war“. Die Ballers sehen genau darin einen Grund für den Zustand der Anlage: Jahrelang sei das Grundwasser kontrolliert und automatisch in den Teich gepumpt worden, so dass das biologische Gleichgewicht gewahrt worden sei.

„Diese Vorgänge müssen sorgfältig gesteuert oder programmiert werden, damit eben keine Kloake und keine Ablagerungen für Mücken entstehen“, so die Ballers. „Das hat jahrelang funktioniert und versagt nur, weil eine Kontrollübersicht fehlt und manuell aufgefüllt wird.“ Auch die Notwendigkeit der manuellen Auffüllung bezweifeln die Architekten: Um den 4000 Quadratmeter großen Teich durch „Fremdentnahme des Wassers“ für Balkonpflanzen abzusenken, müssten die Anwohner schon mindestes 4000 Gießkannen mit Teichwasser befüllen.

Fauliger Geruch und Mückenschwärme

Die Initiative Nutheschlange hatte unter anderem kritisiert, dass die Pro Potsdam Tierquälerei in Kauf nehme, da Fische in der Teichanlage am stark stickstoffhaltigen Wasser gestorben seien. Nach Ansicht der Initiative sei der Teich längst eutrophiert, also gekippt, was mit fauligen Gerüchen und Mückenschwärmen einhergehe. Diesen Vorwurf weist die Pro Potsdam zurück: „Die Anlage wurde ursprünglich ohne Fischbesatz hergestellt“, heißt es im Schreiben. „Die vorhandenen Fische wurden durch Unbekannte ohne Genehmigung ausgesetzt. Zwischenzeitig haben sich Frösche und Enten hinzugesellt. Das wurde bisher geduldet.“

Bei den geringen Wassertiefen und den damit zu erwartenden Wassertemperaturen würden sich natürlich Mückenpopulationen entwickeln. „Das ist hier seit Vorhandensein des Teiches auch so und nichts Neues“, so die Pro Potsdam. Die üblen Gerüche würden durch natürliche Verschmutzungen wie Laub oder die Entsorgung von Essensresten entstehen.

Ballers kritisieren "gezielt hergestellte Kloake"

Auch in diesem Punkt bemängeln die Ballers die Sachkenntnis der Pro Potsdam in Bezug auf die Teiche an der Nutheschlange: „Fische siedeln sich selbst an, weil der Fischlaich am Gefieder der Vögel transportiert wird. Wenn Frösche und Enten sich hinzugesellen, ist dies ebenso Zeichen des ökologischen Ausgleiches in der Anlage, der verantwortlich zu pflegen ist. Mückenplage hat es anfangs nie gegeben, sie sind Ergebnis der gezielt hergestellten Kloake. Die Eier der Mücken werden von den Fischen aufgefressen, damit war dies geregelt.“ Auch Julia Laabs, Mitgründerin der Initiative Nutheschlange, hatte geäußert, dass es erst seit diesem Jahr zu einer massiven Mückenplage an den Angerhäusern gekommen sei, die unmittelbar am Teich stehen.

Nur in einem Punkt räumt die Pro Potsdam Versäumnisse der von ihnen beauftragen Firmen zur Teichwartung ein: „Jedes Jahr im Sommer werden die wuchernden Algen aus dem Teich entfernt. Das dies bisher noch nicht erfolgt ist, hat mit der notwendigen Terminkoordination der beauftragten Firma zu tun.“ Mittlerweile ist der Teich von Algen befreit worden.


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