Die Neptungrotte, rechts in Potsdam, links die Fontana di Trevi in Rom.  Fotos: Henry Balaszeskul/Museum Barberini
© Fotos: Henry Balaszeskul/Museum Barberini

Mode des 18. Jahrhunderts Die Neptungrotte in Sanssouci hat ein Pendant

Die Neptungrotte im Park Sanssouci ist das letzte Werk des Baumeisters Knobelsdorff. Er ließ sich vom berühmten Trevi-Brunnen in Rom inspirieren.

Potsdam - Ist Potsdam ein kleines Rom an der Havel? Das Museum Barberini hat begleitend zur Barock-Ausstellung den Stadtrundgang „Italien in Potsdam“ aufgelegt. Die PNN veröffentlichen in einer Serie ausgewählte Stationen zum Nachlesen und die entsprechenden Fotos. Wir danken dem Museum Barberini für die freundliche Genehmigung.

Überwacher der Wasserspiele

Neptun ist in seinem Element: In drei Metern Höhe, aufrecht, hoheitsvoll auf seinen Dreizack gestützt, überwacht der römische Meeresgott die Wasserspiele des Brunnens. Anmutige Nymphen links und rechts neben ihm gießen Wasser aus ihren Krügen, das über vier Muschelbecken kaskadenartig in die Tiefe plätschert.

Wie eine Theaterbühne wirkt das Bauwerk, eine Kulisse aus weißem und rotem Marmor im östlichen Lustgarten von Park Sanssouci, unweit der Bildergalerie. In der Mitte, zwischen zwei Säulen, birgt es eine vollständig mit schimmernden Perlmuttmuscheln und bemalten Metallblumen ausgekleidete Grotte. Auffallend ist der rote schlesische Marmor. Dieser verleiht dem Bauwerk ein besonders farbiges Aussehen.

Im alten Rom galt Neptun als mächtiger Gott und Herrscher über das Wasser. Grotten oder Brunnen, die ihm gewidmet sind, schmückten die Gartenanlagen schon in der Antike. Seit der Renaissance zieren sie wieder die Gärten Italiens. Ganz klar, dass sich Friedrich ebenfalls so ein kunstvolles Wasserspiel für Sanssouci wünschte.

Neptun lehnt lässig an der Muschel

Wie eine Miniatur des kurz zuvor errichteten Trevi-Brunnens in Rom erscheint der Entwurf von Friedrichs Baumeister Knobelsdorff aus dem Jahr 1751. Dort ähnelt die Brunnenanlage einer großen Bühnenarchitektur, Neptun steht zentral in einer Nische, lässig an eine Muschel gelehnt.

Die kleine Neptungrotte im Lustgarten von Sanssouci wirkt – mit ihren ausschwingenden Seitenflügeln und der hübschen Grotte – heiterer und leichter als die römische Version. Während der Bau des monumentalen Trevi-Brunnens sich über drei Jahrzehnte hinzog, war die Neptungrotte bereits nach sechs Jahren fertig. Sie ist das letzte Werk des Architekten Knobelsdorff, der im Jahr 1754 starb und die Fertigstellung nicht mehr erlebte.

Mode des 18. Jahrhunderts

Die Neptungrotte ist kein Einzelbauwerk, sondern Teil der inszenierten Gartenanlage im östlichen Lustgarten. Sie ist an italienischen Vorbildern orientiert, wie sie im 18. Jahrhundert in Deutschland in Mode kamen.

Allerdings brachte hier erst der Bau einer Dampfmaschine im 19. Jahrhundert das Wasser zum Sprudeln. Vom Pumpenhaus im Stil einer Moschee an der Havel, das heute als Denkmal der frühen Industriekultur besichtigt werden kann, wurde das Havelwasser durch gusseiserne Rohre bis nach Sanssouci gepumpt. Friedrich selbst hatte den Brunnen wegen technischer Schwierigkeiten nie in Betrieb gesehen.

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Auch das Brandenburger Tor hat ein Vorbild.

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