Spender für kostenlose Periodenartikel werden in 20 Toiletten der Universität Potsdam angebracht. Foto: Luisa Agrofylax/Universität Potsdam
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Menstruationsprodukte in Potsdam Kostenlose Tampons an der Uni und im Museum

In Potsdamer Schulen, Verwaltungsgebäuden und Kultureinrichtungen werden Spender mit kostenlosen Periodenartikeln installiert. Den Anfang macht die Uni Potsdam.

Potsdam - Das Projekt soll Periodenarmut bekämpfen und das Thema Menstruation enttabuisieren: In 20 Toiletten der Universität Potsdam werden derzeit Spender mit kostenlosen Menstruationsprodukten aufgehängt. Wie das Koordinationsbüro für Chancengleichheit auf seiner Homepage mitteilte, ist die Uni damit die erste Hochschule in Brandenburg mit diesem Service. Die Edelstahlkästen, die sich auf dem Campus Am Neuen Palais, Golm und Griebnitzsee befinden, enthalten frei zugänglich Tampons und Binden. Den Angaben zufolge werden diese regelmäßig vom Reinigungspersonal nachgefüllt. Die Kosten für Inhalt und Reinigung teilen sich die Hochschulleitung und das Studierendenparlament.

In den kommenden Wochen werden weitere öffentliche Einrichtungen folgen. Wie berichtet hatten die Potsdamer Stadtverordneten im November einen fraktionsübergreifenden Antrag von SPD, Linke, Grünen und Die Andere beschlossen, um Periodenprodukte kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wie die Verwaltung am Dienstag auf Anfrage mitteilte, werden die 40 Spender in den kommenden drei bis vier Wochen nach und nach an 25 Orten in Potsdam angebracht. 

Museen, Bürgerhäuser und Schulen

Die Liste der Häuser, in denen künftig Binden und Tampons bereitgestellt werden, umfasst Gebäude der Stadtverwaltung, aber auch die Bahnhofspassagen, das Potsdam Museum, die Bürgerhäuser am Schlaatz und in Bornim und das Bildungsforum. Auch in neun weiterführenden Schulen sollen Spender installiert werden, darunter sind die Oberstufenzentren I bis III, das Humboldt-, Helmholtz-, Hannah-Arendt-, Suttner-, Leibniz- und Einsteingymnasium. Die Kosten der Erstausrüstung belaufen sich nach Angaben eines Stadtsprechers auf 6500 Euro. Für die Periodenprodukte rechnet die Verwaltung mit etwa 1000 Euro pro Spender und Jahr, geht also von Gesamtkosten von rund 40.000 Euro pro Jahr für den Betrieb aus. 

Das Thema kostenloser Menstruationsprodukte wurde zuletzt national und auch international verstärkt diskutiert. 2020 hat das Parlament von Schottland ein Gesetz beschlossen, das Tampons und Binden unter anderem in Unis und Schulen gratis zur Verfügung stellt. In Deutschland gab es seither in einigen Städten und Unis ähnliche Initiativen. 

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Sowohl bei PeriodUP, wie sich das Projekt der Uni Potsdam nennt, als auch bei der städtischen Initiative handelt es sich zunächst um Pilotprojekte. Die Verwaltung wird nach einem Jahr evaluieren, wie das Angebot genutzt wird. Das Büro für Chancengleichheit der Uni will zusätzliche Erkenntnisse aus einer Online-Befragung gewinnen. 

Finanzielle, gesundheitliche und soziale Argumente

Sowohl die beteiligten Stadtverordneten als auch die Organisatoren der Uni bringen finanzielle, aber auch gesundheitliche und soziale Argumente für die Spender vor. Die Anschaffung von Menstruationsprodukten sei ein Kostenfaktor – ein Problem vor allem für Studierende mit geringem Einkommen, schreibt das Büro für Chancengleichheit. In der Folge griffen Betroffene auf unhygienische Alternativen wie Toilettenpapier oder Stoffreste zurück oder blieben der Universität fern. Somit sei der freie Zugang zu Periodenprodukten auch ein Beitrag zur Teilhabe. Auch könne man so unangenehme Situationen verhindern, wenn die Menstruation unerwartet komme. „Mit PeriodUP möchten wir die Menstruation sichtbar machen und zu deren gesellschaftlichen Normalisierung beitragen“, schreiben die Initiatoren. 

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